Start up Knowledge | 08.12.2022

Die Phasen eines Startups - Von der Gründung bis zum Exit

Foto: Gorodenkoff/Adobe Stock

Bis ein Startup ein erfolgreiches Unternehmen ist, durchläuft es meist sechs Phasen. Dieser Zyklus sagt nicht nur aus, wo sich ein Startup aktuell befindet, es hilft Gründer:innen, sich während jeder Phase auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Investor:innen anzusprechen, wie kann eine Finanzierung aussehen und wann ist es Zeit, mehr Personal einzustellen? Für all diese Fragen liefert das Startup-Phasen-Modell Orientierungswerte.

Was ist ein Startup?

Der Begriff Startup wird häufig individuell interpretiert. In der Geschäftswelt stehen Startups einerseits für innovative, agile Unternehmen, die etwas bewegen, andererseits für junge Firmen, die noch an einer stabilen Finanzlage arbeiten und um eine Etablierung im Markt kämpfen. Beide Definitionen enthalten im Kern eine Wahrheit und sind trotzdem nicht vollständig. Denn sie fokussieren sich nur auf einen Aspekt und lassen eine wichtige Erkenntnis aus.

Wer ein Café eröffnet, würde niemals sagen, er habe ein Startup gegründet. Selbst dann nicht, wenn er ein neuartiges Gebäck oder einen nie dagewesenen Kaffee verkaufen würde. Denn um zu wachsen, müsste der oder die Inhaber:in neue Räumlichkeiten mieten, mehr Personal einstellen und neues Inventar beschaffen. Die Investitionskosten wären also sehr hoch. Bei einem Startup ist das Wachstum durch geringe Investitionskosten möglich.

Der typische Phasenzyklus

Ein gutes Beispiel dafür ist das im Jahr 2017 gegründete Unternehmen DeepL aus Köln. Der Online-Übersetzer basiert auf einer künstlichen Intelligenz und startete mit den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Niederländisch. Im Laufe der Zeit kamen weitere Sprachen hinzu, es wurde eine Programmierschnittstelle geschaffen und die Künstliche Intelligenz hinter dem System kontinuierlich verbessert. Natürlich sind das alles Investitionen, aber im Vergleich dazu wuchs die Zahl der Nutzer*innen und damit die Einnahmemöglichkeiten deutlich schneller. Im Jahr 2022 gilt das Startup als Unicorn. Das ist ein Startup, das mit einer Milliarde US-Dollar bewertet wird. Das Beispiel DeepL zeigt sehr deutlich, worüber sich ein Startup definiert.

Ein Startup ist also ein Unternehmen, das ein innovatives Produkt vermarktet. Da es ein neuartiges Produkt vertreibt, muss es sich im Markt noch etablieren. Gleichzeitig ist ein Startup in der Lage, selbst mit einem geringen Startkapital durch die verschiedenen Unternehmensphasen zu kommen und schnell zu wachsen. Dieses schnelle Wachstum, auch Skalierung genannt, ist ein entscheidendes Kriterium für die Definition eines Startups.

Bist du ein Startup?

✔ innovatives Produkt

✔ noch keine Etablierung im Markt

✔ Investition gering im Vergleich zum Wachstum

✔ schnelles Wachstum

Die 6 Phasen eines Startups

Jedes Startup durchläuft bestenfalls sechs Phasen auf seinem Weg zu einem etablierten Business. Diese Unternehmensphasen sind stark mit der Finanzierung und dem Wachstum verknüpft und gehen ineinander über. Gründer:innen können in solch einer Phaseneinteilung eine Orientierung finden. Denn jede Phase hat einen anderen Fokus.

Die sechs Phasen eines Startups: Orientierung, Planung, Gründung, Aufbau, Wachstum und Reife

Orientierungsphase (Pre-Seed)

Die Orientierungsphase ist die erste auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen. Gründer*innen stehen am Anfang - voller Vorstellungen, Ideale und Annahmen. In dieser Phase wird die Geschäftsidee des Startups auf den Prüfstand gestellt. Durch Kreativtechniken, Zielgruppenbefragungen, der Erstellung eines Minimum Viable Products und der Schärfung der Geschäftsidee, entsteht ein Produkt, das der Markt braucht. Ein Ansatz, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzusetzen, ist die Lean Startup Methode.

In dieser Phase kann es durchaus sein, dass die ursprüngliche Idee eine ganz neue Richtung nimmt. Durch die Feedbacks aus den Zielgruppenbefragungen oder der Überprüfung der Marktfähigkeit erhalten Gründer:innen wichtige Informationen, die sich auf strategische Entscheidungen auswirken.

Geschäftsmodelle können sich verändern

Das Startup Plantura startete zum Beispiel als Onlinemagazin für Gartenfreunde. Damals wurden sie vom Media Lab Bayern innerhalb des Media Startup Fellowships unter anderem mit Fördergeldern unterstützt. Die Idee damals war, durch eine innovative Datenauswertung, Trendthemen zu identifizieren. So sollten Leser:innen genau den Content erhalten, der sie wirklich interessiert. Inzwischen verkauft Plantura im eigenen Onlineshop alles, was es für den eigenen Garten braucht und bietet eine App für Gartentipps sowie zur Pflanzenbestimmung an. Das Unternehmen hat seinen Umsatz massiv gesteigert und eine Riege an Investor:innen an Bord. Plantura bezeichnet sich nun als „One-Stop-Shop für Pflanzenbegeisterte” und ist inzwischen ein Hidden Champion in der deutschen Unternehmenslandschaft.

Startup Plantura zu Beginn in der Seed Phase im Media Startup Fellowship

Das Startup Plantura ist inzwischen ein Hidden Champion und hat die Pre-Seed-Phase weit hinter sich gelassen.

Das Beispiel von Plantura zeigt, wie sich die Finanzierung einer Firma ändern kann. Typischerweise finanziert sich in der Pre-Seed-Phase das Startup über private Ersparnisse und Fördergelder. Auch das Crowdfunding kann eine Möglichkeit sein, um Finanzmittel in das Startup zu spülen.

Planungsphase (Seed)

In der Seedphase wird das Produkt konkret, funktionsfähige Prototypen entstehen und ein Pitch Deck wird aufgesetzt. In dieser Phase liegt der Fokus auf allen Aufgaben, die es für eine erfolgreiche Investorensuche und einen gelungenen Markteintritt braucht.

Meist erwirtschaftet das Startup zu diesem Zeitpunkt noch keine wirklichen Umsätze. Weitere Investitionen durch private Geldgeber:innen oder auch Fördergelder sind deshalb essenziell. Risikokapitalfirmen (Venture Capital, kurz VC) vergeben teilweise ein sogenanntes Seed Funding. Je nach Branche können das zwischen 50.000 und 2 Millionen Dollar sein. Ein Startup aus der Aviatik benötigt beispielsweise mehrere Jahre, um eine Innovation auf den Markt zu bringen und deshalb hohe Summen, eine Software-as-a-Service-Lösung kann mit wesentlich kleineren Summen schneller mehr erreichen.

Geld, das Startups durch VCs in dieser frühen Phase einsammeln, nennt man auch Seed-Runde oder Series Seed. Diese Seed-Runden sind vor allem sehr wichtig, wenn ein großer Investitionsbedarf besteht und bieten häufig die einzige Möglichkeit, an große Summen zu gelangen. Banken werden in dieser Phase keine Kredite zur Verfügung stellen, da Startups zu diesem Zeitpunkt keine Erfolgsgarantie haben und wenig bis keine Sicherheiten bieten können.

Gründungsphase (Startup)

In der Gründungsphase eines Startups ist das Produkt fast fertig entwickelt. Es entstehen weitere wichtige Geschäftsbereiche, die es für die Platzierung des Produktes braucht. In dieser Phase wird beispielsweise jemand für den Vertrieb eingesetzt und das Startup-Marketing bekommt mehr Relevanz. Die ersten Produkte gehen in den Verkauf und werden im realen Markt getestet. Das Produkt wird in dieser Startup-Phase häufig zu gesonderten Konditionen angeboten, um erste Kund:innen zu gewinnen.

Die beiden Gründer von Capacities während des Media Startup Fellowships.

Michael von Hohnhorst und Steffen Blehler haben Capacities gegründet und sind Absolventen des Media Startup Fellowships.

Die ersten Kund:innen gewinnen und behalten

Zum Beispiel hat das Startup Capacities bei Markteintritt eine sogenannte “Believer-Kampagne” gestartet. Die Macher der Knowledge-Software gaben den ersten zahlenden Nutzer:innen vorab Zugang zur Software, Features und eine exklusive Membership. Innerhalb weniger Tage hatten sich über 500 Believers für die Dienstleistungen registriert. Bei diesem Vorgehen wurden die Aspekte, Exklusivität und Zugehörigkeit vereint. Das trägt dazu bei, dass die Nutzer:innen sich besonders fühlen und durch die Membership auch zukünftig Capacities treu bleiben werden.

Aufbauphase (1st Stage)

In dieser Phase ist das Startup auf dem Markt angekommen und möchte nun seine Position ausbauen. Die Aufbauphase ist ein kritischer Zeitpunkt, da sich jetzt herausstellt, ob die angenommenen Prognosen tatsächlich in der Realität greifen.

In dieser Startup-Phase werden letzte Entwicklungen an der Unternehmensstruktur durchgeführt und Prozesse optimiert. Das Produkt ist bereits auf dem Markt, meist aber für Testungen und generiert noch kaum Umsätze. Das Startup benötigt für den weiteren Unternehmensaufbau die nächste Investitionsrunde, um diese Phase zu finanzieren. Diese Finanzierungsrunde wird als Series A betitelt und wird durch private Investor:innen und VCs durchgeführt. Mit dem frischen Kapital kann sich das Startup ganz auf die anstehende Phase der Wachstumsstrategie konzentrieren.

In dieser Phase fühlen sich Gründer:innen häufig sehr ausgelastet, wenn nicht sogar überlastet. Es ist bereits viel Arbeit in das Startup geflossen, und die Gründer:innen stellen fest, dass sie nicht alles selbst bewältigen können. Das Suchen und Finden von Investor:innen und die Wahrnehmung von Terminen kosten viel Zeit. Gleichzeitig soll weiter an der Entwicklung des Produktes gearbeitet und Prozesse sollen angepasst werden. In dieser Phase werden die ersten Mitarbeiter:innen oder auch Praktikant:innen eingestellt.

Wachstumsphase (2nd Stage)

Während der Wachstumsphase entwickelt sich der Kundenstamm und die Umsätze steigen. Das Startup kommt in die Gewinnzone und expandiert sein Business. Typisch für diese Phase ist auch ein Wechsel im Team der Gründer:innen. Es kann gut sein, dass Gründungsmitglieder aus dem Startup ausscheiden oder ihre Position innerhalb der Firma wechseln. Durch das Wachstum des Startups wird häufig weiteres Personal benötigt. Deshalb liegt ein Fokus in dieser Phase auf der Rekrutierung von Arbeitskräften und der Stärkung einer guten Unternehmenskultur.

Angestellte sind ein Indikator für Wachstum

Ein Beispiel für die Wachstumsphase ist das Startup Reverion. Die fünf Gründer entwickelten eine Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien in Form von Bio-Gas und Wasserstoff speicherbar zu machen. Diese neue Technologie führte zu vielen Interessensbekundungen durch die Industrie. Mit Markteintritt benötigt das Startup etwa dreimal so viele Mitarbeiter:innen wie in der Aufbauphase.

Reifephase (3rd oder Later Stage)

In dieser Phase wächst das Startup langsamer und hat sich im Markt stabilisiert. Die Gründer:innen machen sich Gedanken über die Zukunft. Das können strategische Ausrichtungen, neue Produkte/ Dienstleistungen oder Zusammenschlüsse sein. Um weiterhin attraktiv zu bleiben, braucht es eine Innovationskultur, die Ideen fördert und das Team stärkt.

Die Finanzierung kann nun sehr divers aufgestellt sein. Private Investor:innen sind weiterhin eine Option, inzwischen sind aber auch Bankkredite möglich, da das Startup in dieser Phase eine solide Finanzlage und Sicherheiten zu bieten hat. Auch der Gang an die Börse wäre denkbar, wird in Deutschland allerdings recht selten durchgeführt. Beispiel für Startups, die den Börsengang gewagt haben, sind der Lieferdienst Hello Fresh oder Delivery Hero. Beide nahmen durch die Ausgabe von Aktien dreistellige Millionenbeträge ein.

Boss bleiben, Exit oder neu gründen?

Keine wirkliche Phase, aber der Punkt, an dem sich Gründer:innen nach den sechs Phasen wiederfinden könnten, ist die Frage nach einem Exit. Von einem Exit spricht man, wenn sich Gründer:innen oder Investor:innen dazu entscheiden, das Unternehmen oder die Mehrheit am Unternehmen zu verkaufen. Das Unternehmen Canva kaufte beispielsweise im Jahr 2021 das Startup Kaleido auf. Kaleido steigerte seine Userzahlen innerhalb von zwei Jahren um 600 Prozent. Der Verkauf an Canva war für die Kaleido-Gründer Benjamin Groessing und David Fankhauser dann der Exit.

Manchen Gründer:innen macht das Aufbauen einer Firma Spaß und sie sind nach der Suche nach dem nächsten Projekt. Dann heißt es Neustart und mit einer neuen Idee starten die Startup-Phasen wieder von vorn. Das gilt auch für die Finanzierung. Nur weil Gründer:innen an einem Förderprogramm bereits in der Vergangenheit teilgenommen haben, sind sie davon nicht automatisch ausgeschlossen. Daher sollten Entrepreneur:innen immer die Förderbedingungen prüfen und schauen, ob sie erneut  Gelder oder Programme in Anspruch nehmen können. Inkubatoren, wie beispielsweise das Media Lab Bayern, bieten zum Beispiel auch weitere Förderprogramme für Startups an.

Fragen und Antworten

Welche Phasen durchläuft ein Startup?

Ein Startup durchläuft sechs Phasen: Pre-Seed (Orientierungsphase), Planungsphase (Seed), Gründungsphase (Startup), Aufbauphase  (1st Stage), Wachstumsphase (2nd Stage), Reifephase (3rd auch Later Stage genannt).

Wie lange dauern die Phasen eines Startups an?

Bis zum Eintritt in die Aufbauphase vergeht durchschnittlich ein Jahr. Die Wachstumsphase dauert etwa zwei Jahre. Eine exakte Antwort auf diese Frage gibt es allerdings nicht, da ein Startup sich je nach Produkt unterschiedlich schnell entwickelt. Ein Industrie-Startup, welches zum Beispiel Teile an einen Konzern liefern möchte, muss mit wesentlich längeren Zyklen rechnen als eine Software-as-a-Service-Lösung, die bei kleinen Unternehmen mit flachen Hierarchiestufen eingesetzt wird.

Sind Startup-Phasen immer gleich?

Nein, sind sie nicht. Sie sind ein Orientierungswert und können variieren. Mitarbeiter:innen können zum Beispiel auch schon vor der Aufbauphase nötig werden. Gerade in den Anfangsphasen kann es auch vorkommen, dass die Geschäftsidee evaluiert und neu aufgestellt wird. Das Startup geht dann von der Seed-Phase wieder zurück in die Pre-Seed-Phase.

Wie helfen die Phasen eines Startups bei dessen Entwicklung?

Wenn sich Gründer:innen über das Phasenmodell bewusst sind, dann kommen Herausforderungen nicht so überraschend und sie wissen, worauf sie ihren Fokus legen sollten, um die nächste Phase zu erreichen.

In welcher Phase ist welche Finanzierung sinnvoll?

In den Anfangsphasen fehlt dem Startup die Erfolgsgarantie und Sicherheiten. Deshalb konzentriert sich die Finanzierung auf das nahe Umfeld, wie Familie, Freunde oder Bekannte, sowie Förderungen, private Investor:innen und Crowdfunding-Aktionen. Je weiter das Startup wächst, desto größer werden die Möglichkeiten. Risikokapitalgeber:innen können an Bord geholt werden, sobald ein Proof of Concept vorliegt. Wenn Gründer:innen Umsätze generieren und Sicherheiten bieten können, kommen auch klassische Bankkredite infrage.

Newsletter

Alles, was ihr zu Startups und Medieninnovation wissen müsst, gibts regelmäßig in unserem Newsletter!

Abonnieren