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Media Trends | 27.08.2026

Das Future of News Fellowship ist der Platz für die Zwischentöne

Zwei Männer sitzen in einem Büro auf Bürostühlen an einem Tisch.

Christian während des Kickoffs für den aktuellen Future of News Jahrgang im Juni 2026.

Christian Simon ist seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Funktionen beim Media Lab Bayern tätig. Aktuell leitet er das R&D-Team und verantwortet unter anderem das Future of News Fellowship. In diesem Programm befassen sich Medienprofis sechs Monate lang mit konkreten Projekten, die Redaktionen und Produktteams akut beschäftigen oder die sie auf Entwicklungen vorbereiten, die für die Branche künftig relevant werden. Derzeit ist der fünfte Jahrgang im Lab am Start.

Christian, mit dem Future of News Fellowship – kurz: FON – treibt das Lab Ideen und Forschungsfragen voran, die die Arbeit von Journalist:innen verändern. Vor allem mit Blick auf die rasanten Entwicklungen im Bereich KI:

1. Welche Rolle kann das FON hier für die Branche spielen?

Christian Simon: Ich sehe da zwei Rollen. Im FON finden die KI-Themen statt, die  nicht bloß auf ein technologisches „Höher, schneller, weiter!“ ausgerichtet sind. Sie beschäftigen sich vielmehr mit den moralischen, sozialen oder rollenspezifischen Aspekten. Aus diesem Anspruch heraus sind dann zwar durchaus schon  „knallharte" technische Prototypen entstanden. Aber das FON ist vor allem der Platz für die Zwischentöne.

Das betrifft explizit auch Themen, die sich gerade nicht mit KI befassen. Neue Technologien sind oft spannend und flashy. Aber der ganze Hype rund um Künstliche Intelligenz nimmt so viel Raum ein, dass dadurch Vieles  auf der Strecke bleibt. Etwa solche, die Lösungen für soziale Probleme suchen und dabei nicht sofort oder nicht unbedingt auf ein monetarisierbares Tech-Tool hinauslaufen.

Nehmen wir die Fellows des aktuellen Jahrgangs: Christina Feist treibt das Thema “Traumasensibilität im Journalismus” voran. Eda Öztürk entwickelt ein Workshop-Konzept für Migrafuturismus. Jonas Drechsel arbeitet daran, alternative Zukunftsvisionen greifbarer zu machen. Und Martina Leißner will ländliche Zielgruppen mit Zukunftsinhalten besser erreichen. 

Die Medienhäuser schauen auf die Bottom Line und auf den KI-Trend, und das ist auch in Ordnung. Aber unsere Rolle im Media Lab Bayern ist es definitiv auch, die ganze Vielfalt der Perspektiven und Herausforderungen im Blick zu haben und nicht nur die aktuellen Trendthemen zu bedienen.

2. Warum ist die Vielfalt der Perspektiven und Themen so wichtig und wie stellt ihr sie konkret sicher?

Christian Simon: Das meint zunächst wie oben angesprochen Themenvielfalt: Nicht für jede:n ist KI das einzig relevante Thema, Gott sei Dank. Und genau dieses Spektrum wollen wir im Programm abbilden. 

Außerdem legen wir in unseren Programmen großen Wert auf die Diversität unserer Stipendiaten und gestalten den Ablauf möglichst flexibel, damit Menschen mit unterschiedlichen Arbeits- und Lebensrealitäten teilnehmen können. Wir hatten beispielsweise schon Fellows, die während des Programms Eltern geworden sind. Zu den Teilnehmenden gehören Freelancer und Festangestellte, Menschen aus Deutschland und aus anderen Ländern. Zugänglichkeit, Diversität und Themenvielfalt sind für uns die Hebel, mit denen wir möglichst unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen wollen. 

Und damit schaffen wir Sichtbarkeit für Dinge, die im aktuellen Diskurs unterrepräsentiert sind, statt nur die gerade dominierenden Themen und Sichtweisen zu reproduzieren.

3. Gibt es Projekte, die das Thema KI und deren sichere, verantwortungsvolle und nützliche Anwendung vereinen?

Christian Simon: Klar. Zum Beispiel den Bias Buster von FON-Alumna Patricia Sack. Das Tool hilft Journalist:innen dabei, vielleicht auch unbewusste Vorurteile in Texten zu erkennen – natürlich im vollen Bewusstsein darüber, wie KI funktioniert und dass diese Technologie eigene Biases mitbringt. Patricia geht es nicht darum, der KI die Arbeit zu überlassen, sondern ganz bewusst darum, die Arbeit von Menschen zu ergänzen. 

Ein weiteres Beispiel ist Christoph Koch, der sich aktuell damit beschäftigt, was Medienhäuser von emotionaler KI lernen können. Dabei beleuchtet er eben gerade nicht in erster Linie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sondern den Reiz, der hinter der Nutzung steckt, und die Frage, wieso es KI so gut schafft, Menschen ein Gefühl von Nähe zu vermitteln. Das ist super spannend, weil gerade  Medienunternehmen ziemlich oft daran zu knabbern haben.

Christoph blendet natürlich nicht aus, dass KI diese Nähe manchmal auf ziemlich problematische Weise erreicht. Sein Ansatz geht den Fragen nach, was die Technologie kann und warum manche Nutzer:innen das mögen. Und was Medien davon lernen können – völlig unabhängig davon, ob sie dann selbst KI einsetzen, oder nicht.

Diese Beispiele von Patricia und Christoph verdeutlichen ganz gut, worauf es uns im Future of News Fellowship ankommt: nicht auf Technologie um ihrer selbst willen, sondern auf Projekte, die einen echten Mehrwert für den Journalismus schaffen und neue Perspektiven auf die Zukunft der Medien eröffnen – ob mit KI oder ganz ohne.

Artikel written by

Kerstin Bauer

Kommunikation | LinkedIn

Welche inhaltlichen Schätze schlummern im Media Lab Bayern und wo? Und wie und in welcher Form können diese am besten nach außen sichtbar gemacht werden, um die im Lab erarbeiteten Skills auch außerhalb der eigenen Channels für Medienschaffende verfügbar zu machen? Genau damit befasst sich Kerstin und greift dazu auf ein breites Netzwerk sowie jahrelange Branchen- und Kommunikationserfahrung zurück, die sie u.a. im Corporate Office von ProSiebenSat.1, im Presseteam der DMEXCO und auf Agenturseite erworben hat. Liest du also irgendwo außerhalb des Lab und seiner Kanäle etwas über uns, steckt in vielen Fällen Kerstin dahinter.

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