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Abschlussarbeiten im Media Lab | 21.07.2026

Brainstorming mit KI: Prompting macht den Unterschied

Generative KI liefert beim Brainstorming in kürzester Zeit unzählige Ideen – doch Quantität bedeutet nicht automatisch Qualität. Für erfolgreiche KI-gestützte Kreativprozesse ist weniger die Art der Interaktion entscheidend als die Fähigkeit, KI gezielt anzuleiten.

Kreativität und KI – passt das überhaupt zusammen?

"Frag doch einfach ChatGPT."

Für viele gehört generative KI inzwischen ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Besonders beim Brainstorming verspricht sie schnelle Inspiration: Innerhalb weniger Sekunden entstehen Listen voller Ideen für Social Media, Kampagnen oder Content-Formate. Doch wer regelmäßig mit KI brainstormt, kennt auch die andere Seite. Viel Output bedeutet noch lange nicht viele gute Ideen.

Gerade in kreativen Berufen stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Kann KI Kreativität wirklich unterstützen oder produziert sie lediglich neue Varianten bereits bekannter Muster? Und: Erzielen wir bessere Ergebnisse mit den immer beliebteren Sprachassistenten und Voice-Funktionen in ChatGPT, Gemini oder Copilot, als wenn wir mit KI schreiben?

Sprache oder Text – macht das einen Unterschied?

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich genau diese Fragestellung untersucht. Teilnehmende entwickelten Content-Ideen gemeinsam mit generativer KI – entweder über Sprache oder klassisch per Texteingabe. Bewertet wurden anschließend sowohl die Qualität der Ideen als auch das subjektive Erleben des Brainstormings.

Das Ergebnis überrascht: Zwischen Sprach- und Texteingabe zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Qualität der generierten Ideen. Auch das subjektive Erleben unterschied sich kaum. Entscheidend war also nicht die Interaktionsform selbst.

Das bedeutet jedoch nicht, dass beide Formen identisch sind. Sprache kann spontane Gedanken fördern und Hemmschwellen senken, während Texteingaben häufig strukturierter und reflektierter erfolgen. Welche Form angenehmer ist, bleibt daher vor allem eine Frage der Situation und der persönlichen Arbeitsweise.

Der eigentliche Erfolgsfaktor heißt Prompting-Kompetenz

Viel spannender als die Wahl zwischen Sprache und Text war ein anderes Ergebnis der Untersuchung: Personen mit höherer Prompting-Kompetenz empfanden die Zusammenarbeit mit KI als deutlich weniger kognitiv belastend.

Mit anderen Worten: Wer weiß, wie man KI sinnvoll anleitet, kommt schneller zu relevanten Ergebnissen und muss weniger Energie investieren.

Prompting bedeutet dabei weit mehr, als möglichst lange Eingaben zu formulieren. Gute Prompts geben der KI Kontext, definieren eine Rolle oder Zielgruppe und machen deutlich, welche Art von Ergebnis gewünscht ist. Oft entstehen die besten Ideen zudem nicht durch einen einzigen Prompt, sondern durch einen iterativen Dialog.

Die Kompetenz, mit KI produktiv zusammenzuarbeiten, entwickelt sich damit zunehmend  zu einer Schlüsselqualifikation.

KI ist kein Ideengeber, sondern ein Sparringspartner

Ein weiterer wichtiger Befund: KI sollte nicht die erste Quelle für Ideen sein.

Wer sich zu früh an den ersten KI-Vorschlägen orientiert, läuft Gefahr, sich unbewusst auf bestimmte Denkrichtungen festzulegen. Kreative Vielfalt kann dadurch sogar eingeschränkt werden.

Sinnvoller ist ein zweistufiger Ansatz:

  • Zunächst eigene Ideen sammeln – allein oder im Team.
  • Anschließend KI gezielt nutzen, um Perspektiven zu erweitern, Denkblockaden zu lösen oder ungewöhnliche Kombinationen zu entwickeln.

Genau hier liegt die eigentliche Stärke generativer KI. Sie liefert Impulse, stellt neue Verbindungen her und eröffnet zusätzliche Lösungsräume. Die Bewertung, Auswahl und strategische Einordnung der Ideen bleibt jedoch weiterhin Aufgabe des Menschen.

Kreativität wird damit nicht automatisiert, sondern ko-kreativ.

Drei Tipps für besseres Brainstorming mit KI

Wer generative KI produktiv für kreative Prozesse einsetzen möchte, sollte drei Punkte beachten:

  1. Eigene Ideen zuerst entwickeln.
    KI ergänzt menschliche Kreativität am besten, wenn bereits erste Gedanken vorhanden sind. So bleibt die eigene Originalität erhalten und die KI dient als Impulsgeber statt als Ideenvorlage.
  2. Nicht beim ersten Ergebnis aufhören.
    Die besten Ideen entstehen selten nach der ersten Antwort. Nachfragen, variieren und weiterdenken lohnt sich.
  3. Mit Rollen und Perspektiven arbeiten.
    Lassen Sie die KI beispielsweise gleichzeitig als Kreativdirektorin, Zielgruppe oder kritischen Kunden argumentieren. Unterschiedliche Blickwinkel erhöhen die Ideenvielfalt.

Nicht die Technologie entscheidet, sondern der Mensch

Die Diskussion darüber, ob Sprach- oder Texteingabe die bessere Form der KI-Interaktion ist, greift zu kurz. Für kreative Brainstorming-Prozesse scheint die Interaktionsform deutlich weniger entscheidend zu sein als die Fähigkeit der Nutzenden, KI sinnvoll einzusetzen.

Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt daher nicht darin, möglichst früh neue KI-Funktionen auszuprobieren, sondern darin, Prompting-Kompetenz aufzubauen und KI als reflektierten Sparringspartner zu verstehen.

Denn am Ende entstehen die besten Ideen nicht durch die KI allein – sondern durch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine.

Sabrina hat nun das Förderprogramm für Abschlussarbeiten durchlaufen. Du hast auch ein spannendes Thema? Melde dich bei uns!

Artikel written by

Sabrina Späth

Sabrina studiert Digital Marketing im Master an der Hochschule Ansbach und arbeitet seit vier Jahren im Marketing von STIHL – zunächst als Content Managerin, heute als Kampagnenmanagerin. Neue Ideen gehören damit zu ihrem Arbeitsalltag und haben sie in ihrer Masterarbeit zu der Frage geführt, wie generative KI kreative Brainstorming-Prozesse sinnvoll unterstützen kann.

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