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Wahlberichterstattung mit KI

Kommunalwahlen, hunderte Artikel, wenig Zeit: Ippen.Media löst das mit KI-gestützter Automatisierung. Als Trainee half Gianmarco Luongo bei der Umsetzung und wuchs schnell über seinen ursprünglichen Auftrag hinaus.

Executive Summary

Im Media Innovation Traineeship des Media Lab Bayern verbrachte Gianmarco Luongo sechs Monate bei Ippen.Media, einem der größten digitalen Publisher im regionalen Nachrichtenmarkt.

Dort arbeitete er an der Weiterentwicklung KI-basierter Workflows. Ein besonderer Fokus lag auf automatisierter Wahlberichterstattung.

Hintergrund

Wahlen sind zentrale Ereignisse im politischen Journalismus. Sobald Ergebnisse vorliegen, erwarten Leserinnen und Leser eine schnelle, präzise und lokal zugeschnittene Berichterstattung – bei Kommunalwahlen idealerweise für jede einzelne Gemeinde.

Ippen hatte den Prozess für die Bundestagswahl 2025 erstmals erfolgreich automatisiert und dabei knapp 1.200 Gemeinden in fünf Bundesländern bespielt. Die Kommunalwahlen in NRW waren der nächste Meilenstein.

Die Arbeit im Traineeship

Gianmarco startete in einer begleitenden Rolle und ergriff schnell die Initiative. Unter der Leitung von Patrick Kuolt, Head of Local AI bei Ippen.Media, optimierte er Prompt-Strukturen, wirkte an mehrstufigen Qualitätschecks mit und übernahm eine verbindende Funktion zwischen Redaktion und KI-Team.

Parallel entwickelte er weitere Workflows: die Automatisierung des Formats „Wiesn-Madl", Blaulicht-Automatisierungen sowie Assistenztools, die heute fest im redaktionellen Alltag verankert sind.

Ergebnisse

  • 800+ automatisierte Artikel zur NRW-Kommunalwahl
  • 250+ automatisierte „Wiesn-Madl"-Artikel inklusive Bildgenerierung
  • Spürbare Entlastung der Redaktion von datengetriebenen Routinetätigkeiten
  • Vom Trainee zum festangestellten Local AI Specialist mit eigener Projektverantwortung

Der Trainee

Gianmarco Luongo
Local AI Specialist - Ippen.Media

Gianmarco studierte Medien- und Kommunikationsmanagement an der Hochschule Fresenius. Früh sammelte er praktische Erfahrungen in der TV- und Videoproduktion, unter anderem bei ProSieben. Nach seinem Studium arbeitete er selbstständig im Bereich Social Media und Videoproduktion, bevor er sich gezielt in Richtung Künstliche Intelligenz und Innovationsmanagement weiterentwickelte. Nach seinem Traineeship beim Media Lab Bayern wechselte er zur Ippen.Media, wo er KI-basierte Workflows für den redaktionellen Einsatz im Lokaljournalismus entwickelt.

Deep Dive

Eine Bundestagswahl ist ein politisches, aber auch journalistisches Großereignis. Die Zahlen ändern sich mit jedem ausgezählten Wahlkreis. Und die Bürgerinnen und Bürger wollen schnellstmöglich informiert werden.

Für Medienhäuser bedeutet das: Berichterstattung unter hohem Zeitdruck. Und enorme Datenmengen, die verarbeitet und in präzise, lokal zugeschnittene Inhalte übersetzt werden müssen.

Gerade im Lokaljournalismus ist dieser Prozess besonders aufwändig. Für jede einzelne Gemeinde müssen Wahlergebnisse eingeordnet, Texte erstellt und veröffentlicht werden. Häufig handelt es sich dabei um stark standardisierte, datengetriebene Inhalte. Repetitive Arbeit, die bislang viel Zeit und personelle Ressourcen gebunden hat.

Ippen.Digital hatte das Potenzial früh erkannt, einzelne Prozesse durch Künstliche Intelligenz automatisieren zu lassen. Für die Bundestagswahl 2025 wurde deshalb erstmals ein KI-gestützter Workflow zur automatisierten Wahlberichterstattung entwickelt. Insgesamt wurden knapp 1.200 Gemeinden in fünf Bundesländern bespielt. Das Ergebnis überzeugte und war erst der Anfang.

Denn im Herbst standen die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen an. Und diese stellten eine völlig andere Herausforderung dar:

„Bei Kommunalwahlen liefert jeder Landkreis seine Daten anders, die Wahlsysteme unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, und man muss deutlich mehr Szenarien mitdenken." – Patrick Kuolt

Im nächsten Schritt galt es, den Ansatz weiterzuentwickeln und für diese komplexeren Anforderungen zu skalieren. In dieser Phase startete Gianmarco seine Trainee-Station bei Ippen.

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Patrick Kuolt ist seit Januar 2025 Head of Local AI bei Ippen.Media. Damit war er selbst noch relativ neu in seiner Rolle, als Gianmarco seine Trainee-Station antrat.

Patricks erstes großes Projekt: die automatisierte Wahlberichterstattung zur Bundestagswahl. Für ihn war das nicht nur ein technisches Experiment, sondern der Startschuss für eine langfristige KI-Strategie.

„Berichterstattung auf Gemeindeebene gibt es zwar auch von anderen, aber immer nur für bestimmte Regionen. Wir sind mit dem Anspruch rangegangen, das deutschlandweit zu machen." – Patrick Kuolt

Dass Gianmarco genau in dieser Phase zu Ippen kam, war für Patrick ein Glücksfall. Ursprünglich war er für eine andere Abteilung vorgesehen. Doch als klar wurde, dass er sich stark für das Thema Künstliche Intelligenz interessiert, landete er als Trainee bei Patrick – und damit mitten im Geschehen.

Vom Beobachter zum Mitgestalter

Ursprünglich war Gianmarcos Rolle beim NRW-Kommunalwahlprojekt eher begleitend gedacht: dabei sein, lernen, den Prozess verstehen. Doch er wollte mehr, bot seine Hilfe an und wurde ein aktiver Teil des Projekts.

Sein konkreter Beitrag: Prompts schreiben, die verschiedene Stellen im Generierungsprozess überwachen und gegenchecken. Dabei ging es ihm nicht nur um technische Korrektheit, sondern darum, Texte zu generieren, die auch journalistisch belastbar sind.

Patrick führte Gianmarco von Stuttgart aus. Täglich gab es zwei längere Meetings, um trotz der Distanz eng im Austausch zu bleiben. Die Zusammenarbeit funktionierte von Anfang an.

Das Projekt brachte aber eine strukturelle Herausforderung mit sich, die über reine Technik hinausging. Mit Redaktion, Entwicklung und Daten arbeiteten drei Teams mit sehr unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Und sie sprachen nicht immer dieselbe Sprache. Redakteurinnen und Redakteure dachten in Inhalten und Formaten, Entwickler in Systemen und Schnittstellen. Missverständnisse entstanden nicht aus mangelndem Willen, sondern aus unterschiedlichen Logiken.

Gianmarco übernahm instinktiv eine verbindende Rolle. Er übersetzte redaktionelle Anforderungen in technische Sprache und umgekehrt. Diese Funktion war nicht geplant. Sie entstand, weil sie gebraucht wurde.

„Er wurde zum Bindeglied zwischen den lokalen Redaktionen und dem KI-Team und hat sich dort als Multiplikator besonders verdient gemacht." – Patrick Kuolt

Eigene Projekte, eigener Antrieb

Neben dem Wahlprojekt trieb Gianmarco aus eigenem Antrieb weitere Ideen voran. Er schlug Konzepte vor und testete sie. Wenn sie überzeugten, setzte er sie um. Stets in enger Abstimmung mit Patrick.

So entstand etwa ein Workflow rund um das tz-Wiesn-Madl, ein jährlich veranstalteter Schönheitswettbewerb im Vorfeld des Oktoberfests. Früher erstellten Praktikantinnen und Praktikanten aus eingehenden Bewerbungen manuell Artikel. Klassische Copy-Paste-Arbeit. Gianmarco automatisierte diesen Prozess vollständig: E-Mail kommt an, Text wird erkannt, an ein Sprachmodell weitergegeben, Artikel und Bild werden generiert, das Ergebnis landet im CMS.

„Die Qualität der Texte war so hoch wie noch nie." – Patrick Kuolt

Aus demselben Grundprinzip entwickelte Gianmarco weitere Tools: etwa einen Faktenchecker, der den Wahrheitsgehalt von Quellen prüft. Dazu kamen Blaulicht-Automatisierungen, bei denen aus eingehenden Polizeimeldungen direkt Artikel generiert, geprüft und veröffentlicht werden.

Diese Projekte waren nicht Teil seines vorab definierten Auftrags. Sie entstanden, weil Gianmarco sie für sinnvoll hielt. Und weil er die Kapazitäten und die Motivation hatte, sie eigenständig umzusetzen.

Architektur vor Technik

Was Gianmarco bei der Entwicklung der Workflows als eigentliche Herausforderung beschreibt, war weniger die technische Umsetzung als das konzeptionelle Denken davor: Was ist der Input? Was soll am Ende herauskommen? Und welche Schritte, Prüfungen und Übergaben braucht es dazwischen?

Beim Wahlprojekt sah das konkret so aus: Wahldaten wurden strukturiert in einer zentralen Datenbank erfasst und auf Basis definierter Schemata automatisiert in Artikeltexte überführt. Dabei durchliefen sie mehrstufige Qualitätschecks und wurden bei Freigabe automatisch im CMS veröffentlicht. Eine Pipeline, die über 800 Artikel in kürzester Zeit produzierte.

„Man muss sich den KI-Workflow wie ein Architekt vorstellen." – Gianmarco Luongo

Dieses Denken, kombiniert mit dem praktischen Einsatz von Tools wie n8n und der Bereitschaft, sich Neues schnell selbst anzueignen, war die Grundlage für alle seine Projekte.

Und das Wissen, das dabei entstand, blieb nicht bei ihm: Kolleginnen und Kollegen kamen mit Fragen, Gianmarco gab sein Know-how weiter und baute so intern Expertise auf, die über seine eigene Rolle hinauswirkte.

Ergebnisse und Fazit

Beim NRW-Kommunalwahlprojekt wurden über 800 lokalisierte Artikel in kürzester Zeit automatisiert generiert und veröffentlicht – stichprobenartig geprüft und mit einer Fehlerquote deutlich unter den Erwartungen.

Beim Wiesn-Madl-Workflow entstanden über 250 Artikel vollständig automatisiert. Dazu eine kleine Anekdote: Die Praktikantin, die diese Artikel sonst manuell erstellt hätte, nutzte die gewonnene Zeit für eigene Recherchen und schrieb einen Artikel, der über eine Million Views erzielte. Sie arbeitet heute fest bei Ippen.

Wie übrigens auch Gianmarco. Nach dem Ende seines Traineeships war für Patrick Kuolt und sein Team klar, dass sie ihn halten wollten.

„Er hat Fähigkeiten, die man nicht so häufig findet." – Patrick Kuolt

Heute ist Gianmarco bei Ippen.Media fest angestellt und betreut als Local AI Specialist eigene Projekte.

Was Gianmarcos Station bei Ippen rückblickend auszeichnet, ist die Kombination aus technischem Verständnis, redaktionellem Gespür und einer Haltung, die über die definierte Rolle hinausgeht. Er kam als Trainee in ein laufendes Projekt und entwickelte sich in sechs Monaten zu einer Person, die Brücken baute, Ideen einbrachte und Strukturen schuf, die nach ihm weitergenutzt werden. Für Ippen war Gianmarco also weit mehr als operative Entlastung.

Gianmarco selbst wurde zu dem Experten, der er immer werden wollte. Und in seinem Team arbeitet er heute daran, KI so zu integrieren, dass der Mehrwert hinter automatisierten Prozessen auch bei den Menschen ankommt.

„Niemand sollte das Gefühl haben, durch KI ersetzt zu werden." – Gianmarco Luongo

Gianmarco, was nimmst du aus dem Traineeship mit?

„Dass ich mich langfristig in der Medienbranche sehe. Vor allem im Bereich KI, Strategie und Innovation. Ich habe festgestellt, dass mir strategisches Arbeiten sehr liegt. Also Prozesse zu durchdenken, Workflows zu bauen und unterschiedliche Perspektiven aus Redaktion und Technik zusammenzubringen.

Fachlich habe ich vor allem gelernt, KI nicht nur anzuwenden, sondern sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen: dort, wo sie entlastet und echten Mehrwert schafft. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich gerne Verantwortung übernehme und Projekte aktiv mitgestalte. Diese Kombination aus technischem Verständnis, strategischem Denken und praktischer Umsetzung hat mein berufliches Selbstverständnis stark geprägt und mir gezeigt, wohin ich mich weiterentwickeln möchte.“

Kontakt

Steffen Geggus

Content Strategist