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10. Februar 2022
Best Cases, Start up Knowledge

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Sprachbarrieren überwinden - Relevanter News Content für alle

Foto: Adobe Stock

Text: Alexander Büsing

Lokale und nationale News erreichen nicht jeden. Durch Sprachbarrieren bleiben viele außen vor und verpassen wichtige Nachrichten zu aktuellen Entwicklungen, was gerade in der Pandemie problematisch sein kann. Gleichzeitig verlieren Publisher so eine wertvolle Zielgruppe. Wie löst man so ein Problem? Zum Beispiel über eine App.

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Im Blogartikel “Mit Personalisierung punkten” haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, Nachrichten zu personalisieren. Und im Grunde handelt es sich bei der Überwindung der Sprachbarriere auch im weiteren Sinne um eine Personalisierung. Informationen und Nachrichten können nur dann Nutzer:innen erreichen, wenn sie verständlich sind. Wenn man bedenkt, wieviel Austauschstudent:innen oder Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland leben, liegt es nahe, Lokalnachrichten in englischer Sprache bereitzustellen. Das ist aber nur bei den wenigsten Nachrichtenanbieter:innen der Fall. Newsbriefs findet eine Lösung für dieses Problem und bietet kuratierte und überprüfte Landes- und Lokalnachrichten für eine internationale Audience an. Doch hinter der vermeintlich “einfachen” Übersetzung von Nachrichtentexten steckt weit mehr, als es vielleicht zuerst den Anschein hat.

Vom Personal Need zum Need of Many

Als einer der beiden Gründer von Newsbriefs, Krishna, als Expat nach Deutschland kommt, steht er vor dem gleichen Problem wie viele andere, die zunächst mit der Sprachbarriere konfrontiert sind: Er will sich über das aktuelle Geschehen informieren, kann die meisten Nachrichten allerdings nicht verstehen. Englische News-Angebote findet er nicht. . Daraufhin kontaktiert er Freunde und Bekannte, die ebenfalls in Europa wohnen und findet so heraus, dass er wohl eine Lücke im Markt entdeckt hat. Dieser erste, “softe” User Research macht dann deutlich: sein persönliches Bedürfnis dafür, die Sprachbarriere bei Nachrichten zu überwinden, teilen viele, die wie er, erst kürzlich in Europa angekommen waren.

Krishna sucht nach  einer bereits existierenden Lösung. Als er nichts findet, das für ihn passt, entschließt er, sich des Problems selbst anzunehmen. Zusammen mit seinem Bruder Hari startet er erste Versuche. Das ist nun zwei Jahre her. Das Startup Newsbriefs wurde als App konzipiert und hat eine erste, klare Zielgruppe: Expats in Europa. Über 3000 Downloads geben dem Projekt recht, dass sie es hier mit einem tatsächlichen Need of Many zu tun haben.

Krishna Prasad & Hari Prasad

Die Brüder Krishna und Hari sind CEO und Head of Operations eines großen Teams von Expats und Migranten, das zusammen Newsbriefs bildet. Hier arbeiten Journalist:innen, Übersetzer:innen und Coder gemeinsam daran, die Sprachbarriere in europäischen Ländern zu überwinden und News für alle zugänglich zu machen.

App-Entwicklung nah an den Nutzer:innen

Durch seine Erfahrungen als Project Manager fällt Krishnader Aufbau der eigenen Organisation und der App leicht. Die Herausforderung liegt vielmehr darin das Produkt nicht nur auf den Markt, sondern auch an die richtige Zielgruppe zu bringen. Die Brüder entscheiden früh, auf organisches Marketing zu setzen. Das heißt: nicht bezahlte Werbung zu nutzen, um das Produkt zu bewerben. Stattdessen setzen sie auf Word of Mouth und Empfehlungen von Nutzer:innen, die das Produkt persönlich kennenlernen, nutzen und weiterempfehlen.

Um eine möglichst breite, erste Zielgruppe als Testgruppe und zur Entwicklung der App zu generieren, stellen Newsbriefs ihre App zunächst kostenfrei zur Verfügung. Sie nutzen User Research und die Analyse der Nutzerdaten, um die Probleme und das Verhalten ihrer Nutzer:innen zu identifizieren. Schließlich liefern sie Features nach, die als spezifische Lösungen für diese Probleme dienen und dem Nutzerverhalten entgegen kommen sollen. Zusätzlich richten sie eine Möglichkeit der freiwilligen, finanziellen Unterstützung ein. Bezahlplattformen wie Patreon lohnen sich, um früh abzutasten, ob User:innen bereit sind, für den Service zu zahlen und gleichzeitig die Zielgruppe enger an das Produkt zu binden. Wer freiwillig zahlt und sich auch abseits der App mit dem Produkt beschäftigt, hat ein viel größeres Engagement, also eine stärkere Interaktion, nicht nur mit dem Produkt, sondern auch mit der Firma dahinter.

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In der anfänglichen Testphase hat Newsbriefs gelernt: Nutzer:innen lesen News, die sie persönlich kaum betreffen, nur oberflächlich - oft nur die Schlagzeile. Doch bei persönlich relevanten Themen investieren sie auch gerne viel mehr Zeit und suchen gezielt nach weiteren Informationen. Gerade während der Pandemie war es für viele Nutzer:innen von Vorteil, den zeitlichen Verlauf von Nachrichten nachvollziehen zu können.

Beides kombinieren Newsbriefs seither mit einem neuen Prinzip der Monetarisierung: Nutzer:innen haben ein Kontingent an “Cards”, also einzelnen Feed-Einträgen, die sie kostenlos abrufen können. Wer über das Kontingent hinaus tiefer in die Nachrichten-Themen einsteigen möchte, entscheidet sich für einen bezahlten Premium-Account. Darüber schaltet man dann auch gleichzeitig die sogenannte Timeline frei, die aneinander anknüpfende Nachrichten in einem übersichtlichen Zeitstrahl gliedert.

Neue Märkte erschließen durch lokale Mitarbeiter:innen

Ein wichtiges und fortlaufendes Ziel von Newsbriefs ist, innerhalb der EU neue Märkte zu erschließen. Natürlich steigt die Zahl an potenziellen Nutzer:innen mit jedem lokalen und nationalen Newsfeed. Darüber hinaus vergrößert sich aber auch das Team des Startups sowie die journalistische Expertise. Der Clou in der Kuration und Aufbereitung der Nachrichten ist die Peer-Review, also die Kontrolle der News und redaktionellen Bearbeitung. Ein Team von Journalist:innen gibt die Nachricht frei bevor sie im  Feed landet. Der Arbeitsprozess für die Erschließung neuer Märkte folgt dabei einem leicht übertragbaren Ablauf:

  1. Eine leicht übertragbare Infrastruktur bereitstellen. Die Newsfeeds-App und die Entwicklungsprozesse im Hintergrund sind im Grunde immer die gleichen und müssen nur sprachlich angepasst werden.
  2. Kontakt zu einheimischen Journalist:innen aufbauen. Diese bringen nicht nur ihre fachliche Kompetenz mit, sondern oft auch ein Netzwerk an lokalen Kontakten und einen guten Überblick über verlässliche Quellen, wie z. B. Regierungsplattformen oder gut etablierte Nachrichtenmedien.
  3. Die Journalist:innen in das Team integrieren, an der Peer-Review beteiligen und die Übersetzung organisieren.
  4. Das organische Marketing über das Netzwerk der lokalen Journalist:innen streuenund Social Media Tools in der Heimatsprache des Landes nutzen, um die App zu bewerben.

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Der richtige Zeitpunkt für barrierefreie Informationen

Krishna von Newsbriefs fasst zusammen: “Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in diesem Segment zu gründen. Die letzten Jahre in der Pandemie haben gezeigt: das Bedürfnis von Nutzer:innen informiert zu sein und zu bleiben, wächst immer stärker. Gleichzeitig leistet man einen wirklich nötigen Dienst und ermöglicht, Barrieren wie die der Sprache zu überwinden.”

Tatsächlich hat die Pandemie zu einem starken Wachstum des Interesses an Nachrichten und Updates für das aktuelle Geschehen verursacht. Das ist auch nicht verwunderlich, da sich offizielle Richtlinien, Regularien und Beschränkungen zum Teil sehr schnell ändern können. Wer in einem fremden Land ist, hat es ohnehin schwer, sich im öffentlichen Leben zu orientieren - immerhin ist alles anders und neu. Die Sprachbarriere ist das erste Hindernis, das überwunden werden muss. Und deswegen ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um Tools und Hilfsmittel bereitzustellen, die Expats und Migrant:innen schnell und unkompliziert helfen, den Überblick über das aktuelle Geschehen zu behalten. Und nicht nur diese Zielgruppe ist relevant: alle profitieren von Nachrichten, die sorgfältig kuratiert und auf ihre Verlässlichkeit überprüft werden.

Media Startup Fellowship

Newsbrief ist Teil unseres Förderprogramms. Du hast auch ein Medien-Startup gegründet und suchst Unterstützung? Dann bewirb dich für das Media Startup Fellowship.

Keine Chance für Fake News durch echte Kuration

Newsbriefs stellt durch die Peer Review ihrer Journalist:innen und den Gegencheck mit öffentlichen Quellen aus Regierung und Politik sicher, dass die Nachrichten, die im Feed landen, auch korrekt sind. Trotzdem es in den vergangenen Jahren einen starken Anstieg an Fake News gegeben hat, gehen immer noch viele Menschen nicht kritisch mit Nachrichten um, die ihnen präsentiert werden. Umso wichtiger ist es, eine Organisation zu haben, die effizient und verlässlich sicherstellt, dass die Informationen, die über die eigene Distribution gehen, korrekt sind.

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