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07. März 2022
Media Research & Development, Start up Knowledge

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Mädchen brauchen ihren Platz in den Medien

Foto: Chaay_tee/ Adobe Stock

Text: Sabrina Harper

Die Sichtweisen von Mädchen und junge Frauen sind in den Medien unterrepräsentiert. Häufig wird aus der Perspektive von Erwachsenen über Mädchen geschrieben, selten kommen Mädchen selbst zu Wort. Das Startup Girlhood ermöglicht, dass junge Frauen ihre Stimme in den Medien finden. Ein wichtiger Faktor, für die Gleichberechtigung, wie die Gründerin im Interview erklärt.

Masuma Ahuja ist Journalistin und hat früher für die Washington Post und CNN gearbeitet. Im Jahr 2021 gründete sie in London das Startup Girlhood, eine Community-Plattform, die Mädchen aus aller Welt beibringt, wie man eine gute Geschichte erzählt und wie man Geschichten für die Medien produziert. Girlhoods Mission ist es, weibliche Perspektiven von heranwachsenden Frauen in die Medienbranche zu bringen. Die Community-Plattform arbeitete bereits mit Mädchen aus über 20 Ländern, unter anderem Kenia, Großbritannien oder Indien. Neben den Tools für ein gutes Storytelling inspirieren sich die Teilnehmerinnen und profitieren vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch.

Derzeit ist Girlhood Teil des GNI Startups Lab Europe. Das Programm findet in Zusammenarbeit mit dem European Journalism Center und uns, dem Media Lab Bayern, statt. Heute zum Internationalen Frauentag - erklärt die Gründerin, warum auch junge Mädchen ihren Platz in der Medienlandschaft brauchen. Denn bisher werden heranwachsende Frauen in den Berichterstattungen häufig nicht gesehen.

 

Girlhood arbeitet von London aus. Wie werden junge Frauen in England medial geframed?

Die Probleme sind nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt, das ist eine sehr globale Angelegenheit. Das ist der Grund, warum ich das mache. Das Startup ist aus meiner vorherigen Arbeit entstanden.  2018 schrieb ich eine Serie für The Lily, eine Publikation der Washington Post, über das Leben von Mädchen im Teenageralter auf der ganzen Welt. Aus dieser Serie wurde dann GIRLHOOD - ein Buch für junge Erwachsene, das ich geschrieben habe und das 2021 veröffentlicht wurde. Darin kommen 30 Mädchen aus 27 Ländern vor. Sehr oft werden Mädchengeschichten von und für Erwachsene geschrieben - um Eltern und Lehrern Teenager zu erklären, um die neuesten Trends zu erläutern. Aber es gibt nur sehr wenige Perspektiven von Mädchen, die sie und ihre Sichtweise in den Mittelpunkt stellen und ihnen helfen, sich gesehen zu fühlen und sich mit den Umständen des jungen Erwachsenenalters zurechtzufinden.

 

Masuma Ahuja

Als Journalistin war Masuma bei der Washington Post für digitale Innovation und Storytelling zuständig. Ihre Arbeit wurde unter anderem mit einem Pulitzer-Preis, einem Murrow Award, einem Webby und einem EPPY ausgezeichnet. In ihrem Buch Girlhood beschreibt sie das Leben von Mädchen auf der ganzen Welt im Teenageralter. Auf der Grundlage dieses Buches hat die Autorin das Startup Girlhood gegründet.

Heutzutage kann jeder seine Geschichten über soziale Medien veröffentlichen. Was ist der Unterschied, wenn junge Mädchen ihre Geschichten mit dem Know-how von Girlhood publizieren, anstatt sie direkt über Social Media in die Welt zu tragen?

Social-Media-Plattformen sind unglaublich mächtig für die Kommunikation von Menschen, die sonst keine Plattformen hätten. Sie helfen, sich zu äußern oder dabei Gemeinschaften aufzubauen. Aber nur weil es soziale Medien gibt, heißt das nicht, dass wir keine Nachrichten- und Medienorganisationen, Kulturschaffende und Kurator:innen brauchen. Außerdem sind Mädchen online oft mit toxischen Inhalten, Trollen und Missbrauch konfrontiert. Social-Media-Plattformen sind nicht dafür gemacht, ein Ort zu sein, an dem Mädchen ihren Platz in den Medien wirklich finden. Gleichzeitig steht in traditionellen Medien das Leben, die Stimmen und die Erfahrungen gewöhnlicher Mädchen nicht im Mittelpunkt. Girlhood ist deshalb ein Platz, an dem Mädchen ihre Stimme erheben und sich sichtbar machen können.

Wenn ich an England und Girl Power denke, denke ich sofort an die Spice Girls. Das war in den 90er Jahren. Ist Girl Empowerment 30 Jahre später "immer noch" oder "wieder" ein Thema?

Ich denke an einen größeren, globalen Kontext. So sehr wir uns auch weiterentwickelt haben, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern besteht immer noch. Mädchen haben nicht den gleichen Zugang zu den gleichen Ressourcen, zur Bildung und zu den gleichen Möglichkeiten. Das war in allen Jahrzehnten der Fall, bis heute. Solange es diese Ungleichheit gibt, wird sie auch in der Musik und in Filmen thematisiert. Wir alle wollen gesehen und gehört werden.

Was hat sich seither geändert?

Ich denke, es hat sich etwas verändert und die Dinge ändern sich immer noch. Aber Veränderungen und Fortschritte geschehen langsam. Es gibt immer noch Ungleichheit, und deshalb müssen wir dranbleiben.

Was bedeutet Gleichberechtigung für dich?

Gleiche Rechte, gleicher Zugang zu Bildung und Chancen. Es gibt weniger geschlechtsspezifische Gewalt, sodass die Menschen keine Angst wegen ihres Geschlechts haben oder diskriminiert werden und das Leben leben können, das sie wollen. Das beginnt auf jeder Ebene. Die Stimmen der Frauen müssen ernst genommen werden.

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Du lehrst Mädchen, wie man eine gute Geschichte erzählt und Medienprodukte herstellt. Warum ist das so wichtig?

Die Stimmen von Mädchen sind in den Medien und in der Kultur unterrepräsentiert. Wir unterrichten Mädchen im Geschichten erzählen, weil wir ihnen die Fähigkeiten vermitteln wollen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen - ob sie nun Medienmacher:innen (wie etwa Journalist:innen oder Influencer) oder etwas ganz anderes werden wollen. Denn das Erzählen von Geschichten ist eine wesentliche Fähigkeit - die Geschichten, die wir erzählen, prägen unsere Kulturen, unsere Gesellschaften, die Art und Weise, wie wir uns gegenseitig und die Welt verstehen. Und das ist nichts, was die meisten von uns in der Schule lernen. Im Literaturunterricht lernen wir zwar, wie man Bücher und die Gedanken anderer Menschen analysiert. Das ist wichtig. Aber nur selten wird Mädchen gesagt, dass die eigenen Stimmen und Perspektiven wichtig sind und eine Rolle spielen! Wir benötigen deshalb die Tools, um eigene Geschichten erzählen zu können.

Was muss sich ändern, damit Mädchen und Frauen in den Medien gleichberechtigt sind?

Ich denke, dass weibliche Beschäftigte und weibliche Medienkonsumenten miteinander verbunden sind. Wir brauchen mehr diverse Stimmen in den Medien, wir brauchen mehr Frauen, aber auch mehr Sichtweisen von non-binären Personen und vielen mehr. Im Moment sind die Medien sehr männlich dominiert. Das bedeutet, dass Männer über Frauen oder Mädchen schreiben, aber nicht dieselben Erfahrungswerte gesammelt haben. Also stellen sie andere Fragen, und das prägt die Publikation. Wenn man etwas erlebt hat, sind die Fragen, die man stellt, ganz anders. Wenn wir mehr Frauen in den Medienorganisationen haben, verändert das die Inhalte, die wir produzieren, und dient den Nutzer:innen.

Seid ihr ein reines Frauenteam bei Girlhood, oder arbeiten auch Männer mit?

Ich bin die einzige Person, die Vollzeit daran arbeitet, aber wir haben ein Team von Ausbilder:innen, Berater:innen, Freiwilligen und ein paar Praktikant:innen, und dazu gehören Menschen unterschiedlichen Geschlechts.

Heute ist der Internationale Frauentag. Was bedeutet dieser Tag für dich?

Wir müssen allen unterrepräsentierten Gemeinschaften in den Gesprächen und Erzählungen der breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit schenken, und zwar jeden Tag und nicht nur an einem bestimmten Tag. Aber wenn dieser Tag uns die Möglichkeit gibt, diese Gespräche zu beginnen, finde ich das großartig.

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Was braucht die Branche, um mehr Frauen in die Medien zu bringen?

Ich denke, wie ich bereits sagte, wir brauchen mehr Frauen in allen Bereichen. Aber wir brauchen auch Maßnahmen, um sie zu halten und ihnen mehr Macht zu geben. Es geht nicht nur um Frauen, es geht um Menschen mit diversem Hintergrund  im Allgemeinen. Wenn die Berichterstattung die Gemeinschaft widerspiegelt, die bedient wird, dann ist das eine gute Sache. Ich denke, ein guter Aspekt wäre, den Stimmen verschiedener Menschen einen Platz am Entscheidungstisch einzuräumen. Anstatt zu diskutieren, sollten die Entscheider sagen: Ich bringe marginalisierte Leute in das Gespräch ein. Wenn acht Leute gleich aussehen und die meisten von ihnen auf dieselbe Schule gegangen sind, werden sie kaum verschiedene Aspekte zu einem Thema einbringen. Aber wenn eine marginalisierte Person an diesem Entscheidungstisch Platz nimmt, wird wahrscheinlich eine andere Sichtweise einfließen.

Girlhood nimmt derzeit am GNI Startup Lab Europe teil. Wie hat dir das Programm bisher geholfen?

Es hilft mir sehr, dass andere Startups sich mit denselben Fragen auseinandersetzen und Gespräche darüber führen. Ich finde es toll, wie wir uns gegenseitig helfen und verstärken.

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