Strukturen schaffen, im Wandel führen
Wie das ZDF mit klaren Rollen, gemeinsamen Prozessen und Vertrauen einen tiefgreifenden Veränderungsprozess gestaltet.
Executive Summary
| Organisation | Zweites Deutsches Fernsehen |
| Medienangebote | u.a. ZDF & zdf.de |
| Mitarbeitende | ~ 3.700 |
Im Strategie Sparring des Media Lab Bayern arbeitete Nicola Staender, Leiterin Audience & Content Research, gemeinsam mit Fellow Dominik Haselbauer an der Entwicklung eines Prozesses, der datenbasierte Insights systematisch in die Formatentwicklung des ZDF überführt.
Hintergrund
Mit der neuen Direktion AUDIENCE will das ZDF Datenanalyse, Programmentwicklung und Distribution enger miteinander verzahnen. Dafür entstehen neue Rollen und Prozesse – mitten in einer historisch gewachsenen Organisation mit etablierten Zuständigkeiten und Entscheidungswegen.
Nicola Staender verantwortet mit ihrem Team einen zentralen Baustein dieses Umbaus: einen Prozess, der datenbasierte Insights systematisch in die Formatentwicklung einbringt. Im Strategie Sparring wollte sie daraus ein tragfähiges Modell entwickeln, das Orientierung schafft und zugleich in der Organisation akzeptiert wird.
Die Arbeit im Programm
Nicola verlagerte den Fokus vom reinen Prozessdesign auf die Menschen und Rollen dahinter. Gemeinsam mit den Coaches schärfte sie das Zielbild, analysierte Stakeholder und arbeitete heraus, an welchen Stellen klare Zuständigkeiten und gemeinsame Abstimmung nötig sind. Aus einem abstrakten Prozess wurde so Schritt für Schritt ein Modell, das an die bestehenden Strukturen des ZDF anschließt.
Mit Fellow Dominik ging es anschließend in die praktische Ausgestaltung. Eine gemeinsame Roadmap strukturierte Meilensteine und Verantwortlichkeiten. Im Mittelpunkt stand zunächst die neue Rolle der Creative Consultants, die Redaktionen bei der plattformübergreifenden Formatentwicklung unterstützen sollen. Ein interner Workshop half, Aufgaben und Selbstverständnis des Teams zu klären und die Abgrenzung zu angrenzenden Funktionen zu schärfen.
Interviews mit Redakteur:innen, Formatentwickler:innen und weiteren Beteiligten machten anschließend unterschiedliche Erwartungen und Reibungspunkte sichtbar. Diese Perspektiven flossen direkt in das Modell ein: Schnittstellen wurden konkretisiert, Übergaben definiert und Kommunikationsroutinen etabliert. So entstand kein starrer Prozess, sondern ein Rahmen, der gemeinsam mit den Beteiligten weiterentwickelt werden kann.
Ergebnisse
- Klares Rollenprofil: Aufgaben und Selbstverständnis der Creative Consultants sind im Team definiert und gegenüber angrenzenden Funktionen abgegrenzt.
- Klare Schnittstellen: Zuständigkeiten, Übergaben und Arbeitspakete schaffen mehr Orientierung zwischen den beteiligten Bereichen.
- Bedarfsorientierte Prozessgestaltung: Erwartungen und Reibungspunkte aus den Interviews mit internen Stakeholdern fließen direkt in die Gestaltung des neuen Modells ein.
- Dienstleistungsportfolio: Aus den Bedarfen der Redaktionen entstand ein erstes Angebot, mit dem die Creative Consultants Formatentwicklungen unterstützen können.
- Feste Austauschstrukturen: Workshops, regelmäßige Syncs und Feedbackschleifen machen Abstimmung zum festen Bestandteil des neuen Modells.
Das Projekt-Tandem
Führungskraft

Leiterin Audience & Content Research - ZDF
Nicola ist eine strategische Vordenkerin mit einem scharfen Blick für Zielgruppen, Daten und Plattformen. Seit 2025 leitet sie die Abteilung Audience & Content Research in der ZDF-Direktion AUDIENCE. Ihr Fokus: Wie sich Content-Strategie, Streaminglogik und Medienforschung klug verbinden lassen — für Programme, die wirklich ankommen.
Fellow

Organisationsentwickler
Dominik begleitet Führungskräfte und Teams an der Schnittstelle von Produkt, Kultur und Organisation. Mit Erfahrung aus Projekten für ntv.de, rtl.de und ProSiebenSat.1 unterstützt er bei Führung, Teamaufbau und strategischer Ausrichtung. Über das R&D Fellowship kam er ins Strategie Sparring und brachte dort seinen praxisnahen, strukturierten Coaching-Ansatz ein.
Deep Dive
Das ZDF steht vor einer zukunftsweisenden Herausforderung: Wie gelingt der Spagat zwischen linearer Tradition und digitaler Zukunft?
Die Ausgangslage war (und ist) anspruchsvoll: TV-Formate wie Der Bergdoktor oder Die Rosenheim-Cops begeistern weiterhin ein Millionenpublikum. Sendungen wie diese prägen durch ihre Reichweite auch das Image des Senders. Das ZDF ist bekannt, wird aber nicht unbedingt als innovativ oder mutig wahrgenommen.
Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Content-Strategie, User Experience und dateninformierte Entwicklung. Denn die Konkurrenz zu den internationalen Streaming-Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime ist groß.
Dem ZDF ist klar: Es braucht nicht nur eine neue Ansprache an die Nutzerinnen und Nutzer, sondern auch neue Prozesse, die es ins Programm einfließen lässt.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die 2025 gegründete Programmdirektion AUDIENCE an, an deren Aufbau Nicola Staender als stv. Leitung der Medienforschung & Beratung mitarbeitet. Diese bündelt erstmals kanalübergreifend alle Prozesse der Programmplanung, Distribution und Kommunikation — vom Hauptprogramm über 3sat bis zur ZDFmediathek und Social Media. Ziel ist eine plattformübergreifende Distributionsstrategie, die über alle Plattformen hinweg konsistent ausgerichtet ist und dadurch beim Publikum stärker greift.
Der Aufbau einer neuen Abteilung innerhalb einer neuen Direktion ist nicht nur fachlich komplex, sondern auch institutionell sensibel. Gerade im ZDF, einer historisch gewachsenen Organisation mit festen Strukturen, etablierten Zuständigkeiten und eingespielten Entscheidungswegen.
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Bedeutet: Der angestoßene Wandel braucht Zeit, Abstimmung und das Bewusstsein, dass Veränderung immer auch Reibung erzeugt.
Aber nach einem dreiviertel Jahr teamübergreifender Beratungsarbeit, ersten Konzepten und diversen Arbeitsgruppen war immer noch offen, wie aus der Vision ein tragfähiges Modell entstehen soll. Und der sogenannte Formatentwicklungsbegleitungsprozess (ja, wirklich!) — ein Kernprozess der neuen Direktion — war bislang weder konsistent gedacht noch praxistauglich verankert.
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Genau deshalb wählte Nicola diesen Prozess als Aufhänger für ihre Bewerbung beim Strategie Sparring des Media Lab Bayern.
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Die Strategiephase
Im Strategie Sparring fand Nicola Staender die Unterstützung, die sie suchte. Gemeinsam mit den Coaches schärfte sie ihr Projekt strategisch und gab dem bislang vagen „Formatentwicklungsbegleitungsprozess“ ein belastbares Zielbild. Schritt für Schritt entstand so ein Modell, das redaktionelle Kreativität mit den Anforderungen einer gewachsenen Institution verbindet.
Besonders hilfreich war der Austausch mit Konrad Weber (Strategie-Coach) und Angelika Goll (Business-Coach). Beide unterstützen Nicola dabei, neue Perspektiven einzunehmen, blinde Flecken sichtbar zu machen und eigene Prämissen kritisch zu hinterfragen.
In der Folge verlagerte sich Nicolas’ Fokus: weg vom rein prozessualen Projekt — hin zu einem systemischen Verständnis, bei dem Rollenklärung, Stakeholderinteressen und Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen.
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Dabei wurde deutlich: Wirklicher Fortschritt braucht mehr als Prozesse. Er beginnt bei jeder und jedem Einzelnen: mit Selbstführung, Verantwortung und dem Willen zur Zusammenarbeit. Führung zeigt sich dabei nicht nur von oben, sondern auch im Team. Durch Orientierung, Vertrauen und geteilte Verantwortung.
Strategische Tools wie die Auftragsklärungsvorlage halfen, zentrale Fragen zu schärfen: Welche Phasen braucht ein Entwicklungsprozess? Wo entsteht echte Wertschöpfung? Und wie lassen sich Zuständigkeiten klar definieren?

Mit einem Kopfmassagegerät veranschaulicht Nicola die strukturelle Komplexität – und das Ziel – beim Aufbau der neuen Direktion: Zahlreiche feine Stränge, die gleichzeitig ansetzen, ineinandergreifen und Spannung lösen. Der Griff war zu diesem Zeitpunkt erst am Entstehen.
Im Verlauf des Programms gewann das Projekt an Tiefe — und Nicolas Rolle veränderte sich: von der Treiberin eines Projekts hin zur Moderatorin eines internen Verständigungsprozesses. Sie brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen, sorgte für Orientierung und eröffnete Räume für Dialog.
Zugleich stieg die Sichtbarkeit der Initiative im Haus. Der „Formatentwicklungsbegleitungsprozess“ wurde anschlussfähig für andere Abteilungen gedacht und als strategischer Hebel verankert. Aus einem schwer greifbaren Vorhaben wurde ein belastbares Konzept.
Doch bevor es in die Umsetzung ging, wurde deutlich: Strategie allein reicht nicht. Denn während der konzeptionelle Rahmen immer klarer wurde, blieb die operative Umsetzung herausfordernd. Auch, weil der Alltag in der neuen Direktion geprägt war von steilen Lernkurven, unklaren Rollen und konkurrierenden Stakeholder-Interessen.
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Der Spagat zwischen Aufbauarbeit, Tagesgeschäft und strategischem Anspruch war groß. Nicola brauchte eine neue Form der Unterstützung. Diese kam mit dem Einstieg von Fellow Dominik Haselbauer, der im weiteren Programmverlauf als Brücke zwischen strategischem Denken und konkreter Umsetzung wirkte.
Das Pilotprojekt
Mit der strategischen Vorarbeit im Rücken und einem klareren Rollenverständnis starteten Nicola und Dominik in die operative Umsetzung.
Phase 1: Roadmap und Rollenfokus (Juni)
Gleich zu Beginn entwickelte das Tandem eine Roadmap. Diese bildete das Rückgrat des Pilotprojekts und war zugleich ein wichtiges Kommunikationsinstrument: Sie schuf Transparenz über Meilensteine, Teilziele und Verantwortlichkeiten — von der Klärung interner Rollen über Dialogformate mit Redaktionen bis hin zur geplanten Kommunikationsstrategie.
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Im nächsten Schritt konzentrierten sich Nicola und Dominik auf die Rollenklärung der sogenannten Creative Consultants (CCs) — jener Mitarbeitenden, die innerhalb der neuen Direktion redaktionelle Teams bei der Entwicklung plattformübergreifender Formate begleiten sollen.
Die Relevanz dieses Schritts lag nicht nur in der Unsicherheit über die Rolle selbst, sondern im Kontext eines gänzlich neuen Bereichs: Die Direktion ist erst im Aufbau, Rollen und Verantwortlichkeiten hatten sich noch nicht eingespielt, neue Teams trafen auf etablierte Strukturen.
In dieser Übergangsphase fehlten klare Abgrenzungen: Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer gibt Impulse? Wer entscheidet? Und wie fügt sich die Rolle der CCs zwischen anderen Funktionen ein?
Die Folge waren vage Zuständigkeiten, Missverständnisse — und Hypothesen über Erwartungen, wo noch keine geklärt waren.
Das Rollenbild der CCs war zu diesem Zeitpunkt unscharf: Nicht nur der Titel stieß intern auf Skepsis. Auch die Positionierung als beratende, nicht entscheidende Instanz im Entwicklungsprozess war erklärungsbedürftig. Insbesondere im Zusammenspiel mit parallel arbeitenden Einheiten wie dem Genreportfoliomanagement (GPM), mit dem eine funktionierende Schnittstelle erst entwickelt werden musste.
Nicola und Dominik sichteten bestehende Arbeitsergebnisse, führten Einzelgespräche und bereiteten einen teaminternen Rollenworkshop vor. Dieser wurde Anfang Juni durchgeführt — moderiert von Dominik — und brachte erstmals Klarheit: Das Team verständigte sich auf zentrale Aufgaben, reflektierte seine Rolle und arbeitete gemeinsame Schwerpunkte heraus.
Zugleich wurde deutlich: Rollenklärung ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die Workshop-Ergebnisse wurden bewusst als Entwurf verstanden — anschlussfähig für die Rückkopplung mit anderen Bereichen in den Folgemonaten.
Phase 2: Interviews & Einordnung (Juli)
Im Juli weiteten Nicola und Dominik ihren Blick: Das Team der CCs führte gezielte Interviews mit Redakteur:innen, Formatentwickler:innen und angrenzenden Bereichen, um Anforderungen, Irritationen und Reibungspunkte sichtbar zu machen. Die Ergebnisse offenbarten eine große Spannbreite an Erwartungen und zum Teil deutlich unterschiedliche Prozessverständnisse.
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Einige Gesprächspartner:innen stellten die grundsätzliche Notwendigkeit des Vorhabens in Frage. Andere waren interessiert, aber überlastet. Es zeigte sich: Für ein tragfähiges Modell reicht es nicht, Prozesse zu definieren. In einem Umfeld, das stark durch Routinen, Zuständigkeiten und politische Dynamiken geprägt ist, müssen sie vor allem anschlussfähig sein.
Besonders deutlich wurde dies im Zusammenspiel mit den Genreportfoliomanager:innen. Diese begleiten die Redaktionen durch den gesamten Programmherstellungsprozess und waren daher essenzielle Partner in der Weiterentwicklung des Modells. Ihre Perspektive wurde gezielt integriert, um Überschneidungen zu erkennen, Rollen sauber abzugrenzen und Doppelstrukturen zu vermeiden.

Im Verlauf des Projekts wurde Dominik für Nicola zu einem wichtigen Sparringspartner, strategisch wie operativ. In einer Situation, die von hoher Komplexität, organisatorischer Unsicherheit und sensiblen internen Beziehungen geprägt war, brachte er Ordnung in das Vorhaben.
Als externer Fellow ohne institutionelle Verankerung konnte er Spannungen adressieren, ohne sie zuzuspitzen. Er reflektierte Konflikte, moderierte einen Workshop, strukturierte Interviews und bereitete strategische Entscheidungen gemeinsam mit Nicola vor. Er war methodischer Impulsgeber, Moderator und neutraler Übersetzer zwischen den verschiedenen Beteiligten.
Dass Dominik dabei nicht als klassischer Berater agierte, sondern eher als temporärer Teil des Teams, erwies sich als entscheidender Vorteil. Dadurch konnte er schnell Vertrauen aufbauen und zugleich eine Perspektive einbringen, die sonst schwerer zu artikulieren gewesen wäre. Darüber hinaus half er auch, das richtige Maß zwischen inhaltlichem Anspruch und operativer Machbarkeit zu finden:
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Mit einer abgestimmten Roadmap, der definierten CC-Rolle und dokumentierten Erwartungen zentraler Stakeholder ist ein belastbares Fundament gelegt. Der neue „Formatentwicklungsbegleitungsprozess“ liegt nun als anschlussfähiges Modell vor. Nicht als starres Konzept, sondern als lernende Struktur.
Gleichzeitig wurde deutlich: Der Erfolg hängt nicht allein an der Qualität des Modells, sondern an seiner Vermittlung und dem Willen zur Zusammenarbeit. Denn selbst die beste Struktur braucht Akzeptanz, klare Kommunikation und Bereitschaft zur Mitgestaltung.
Ausblick
Die Ergebnisse aus Phase 1 und 2 bilden das Fundament für die nächste Projektphase.
In den kommenden Monaten wird Nicola die Formatentwicklungsbegleitung finalisieren und die interne Kommunikation systematisch vorbereiten. Dominik begleitet sie dabei auch über die reguläre Programmlaufzeit hinaus, bis zum gemeinsamen Workshop im August.
Phase 3: Die Rollen von CCs und GPMs werden weiter abgegrenzt, Zuständigkeiten entlang des Prozesses definiert und in einem Workshop mit der begleitenden Forschung geschärft. Ziel ist ein anschlussfähiger Gesamtprozess, der die Perspektiven und Anforderungen aller Beteiligten integriert. |
Phase 4: Parallel entsteht ein internes Kommunikationskonzept — mit verständlichen Use Cases, einer abgestimmten Informationsstrategie und einem Feedback-Kanal für Redaktionen. Das Ziel: Das neue Modell soll nicht nur erklärt, sondern strukturell und kulturell im Haus verankert werden. |
Für Nicola gilt: Der Prozess ist kein starres System, sondern ein lernender Rahmen. Er soll Orientierung geben, aber zugleich offen für Weiterentwicklung bleiben. Damit aus einem Modell gelebte Praxis wird.
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