Die Zukunft der Ratsberichterstattung
Wie die Neue Osnabrücker Zeitung mit einem KI-gestützten Tool kommunalpolitische Informationen neu erschließt.
Executive Summary
| Organisation | NOZ/mh:n MEDIEN |
| Medienangebote | u. a. Neue Osnabrücker Zeitung & noz.de |
| Mitarbeitende | ~ 3.000 |
Im Strategie Sparring des Media Lab Bayern arbeitete Sebastian Stricker, Reporter bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, am Ratsmonitor – einem KI-gestützten Recherche- und Monitoring-Tool für die kommunalpolitische Berichterstattung.
Gemeinsam mit Fellow Florian Schmitt brachte Sebastian den Ratsmonitor innerhalb weniger Monate von der Idee in eine funktionsfähige Betaphase. Das Tool bündelt Informationen aus unterschiedlichen Ratsinformationssystemen (RIS), macht kommunalpolitische Dokumente zentral recherchierbar und hilft Redakteur:innen, relevante Entwicklungen im Blick zu behalten.
Hintergrund
Die Berichterstattung über Stadt- und Gemeinderäte gehört zu den Kernaufgaben des Lokaljournalismus. Die relevanten Informationen liegen jedoch verteilt über zahlreiche Ratsinformationssysteme und müssen von Reporter:innen laufend gesichtet und eingeordnet werden. Eine zeitaufwendige Aufgabe, die viel Erfahrung voraussetzt.
Sebastian hatte die Vision, einen Großteil dieser Arbeit mithilfe von KI zu automatisieren. Im Strategie Sparring wollte er herausfinden, ob aus dieser Vision eine technisch umsetzbare Lösung für den Redaktionsalltag werden kann.
Die Arbeit im Programm
Sebastian analysierte zunächst ausgewählte Ratsinformationssysteme in Stadt und Landkreis Osnabrück, bereitete journalistische Anwendungsfälle auf und hielt fest, welche Anforderungen das Tool aus Sicht der Redaktion erfüllen sollte. Diese Vorarbeit bildete die Grundlage für die Zusammenarbeit mit Fellow Florian.
Florian übernahm die technische Entwicklung des Ratsmonitors. Sebastian testete neue Funktionen aus journalistischer Perspektive und gab direkt Feedback. Früh öffneten sie den Prototypen für Kolleg:innen aus der Redaktion. Deren Rückmeldungen halfen dabei, Funktionen zu schärfen, ursprüngliche Annahmen zu überprüfen und bei Bedarf zu verwerfen.
Parallel nahmen Sebastian und Florian die Verankerung des Ratsmonitors im Unternehmen in den Blick. Sie stellten das Tool intern vor, bezogen relevante Stakeholder ein und erfassten die Nutzung systematisch.
Ergebnisse
- Fortgeschrittene Beta: Aus Sebastians Idee entstand rasch ein im Redaktionsalltag einsetzbares Tool. Für die meisten Recherchen müssen Reporter:innen nicht mehr auf die kommunalen RIS zugreifen.
- Gemeinsame Datenbasis: Der Ratsmonitor bündelt 74 Ratsinformationssysteme aus sieben Software-Familien und erfasst Daten aus rund 320 Städten und Gemeinden. Fast 80.000 Dokumente wurden zusammengeführt und für die Recherche aufbereitet. (Stand: 7. Oktober 2026)
- Features für Recherche und Monitoring: Reporter:innen können Regionen, Themen und Mandatsträger:innen beobachten und werden über relevante Entwicklungen informiert. Der „Storyalarm“ erkennt darüber hinaus mögliche Geschichten in den Ratsdokumenten. Eine erste Version wurde bereits erfolgreich getestet. Mit „Frag den Ratsmonitor“ ist zudem eine KI-gestützte Suche im Dokumentenarchiv geplant.
Das Projekt-Tandem
Führungskraft

Sebastian Stricker
Reporter Newsteam Osnabrück, Neue Osnabrücker Zeitung
Sebastian startete seine journalistische Karriere Mitte der 1990er-Jahre in der münsterländischen Heimat. Nach einem Abstecher in die Schweiz wechselte er 2013 zur Neuen Osnabrücker Zeitung. Dort begleitet der Reporter seitdem nicht nur hautnah die Entwicklung der Stadt Osnabrück, sondern gestaltet als KI-Vorreiter seiner Redaktion auch aktiv die notwendige Transformation des Lokaljournalismus vom Print ins Digitale mit.
Fellow

Florian Schmitt
Selbstständiger Software-Entwickler & KI-Berater
Florian hilft Unternehmen und Non-Profit-Organisationen dabei, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz greifbar und nutzbar zu machen. Er verbindet technisches Wissen mit unternehmerischer Erfahrung und unterstützt Organisationen dabei, KI-Potenziale zu erkennen und in die Praxis zu überführen. So schafft er Orientierung in einem Themenfeld, das alle beschäftigt, aber noch immer viele Fragen aufwirft. Über das Media Tech Lab kam Florian 2026 ins Strategie Sparring.
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Deep Dive
Monat für Monat veröffentlichen Kommunen hunderte Seiten an Sitzungsunterlagen. Darin enthalten sind Informationen etwa zu Bauprojekten, Haushaltsentscheidungen, Schulentwicklungsplänen oder neuen Verkehrsmaßnahmen. Für Lokalredaktionen steckt darin viel journalistisch relevantes Material. Allerdings sind die Informationen verteilt auf zahlreiche Ratsinformationssysteme, die unterschiedlich aufgebaut sind und durchsucht werden müssen — und deren Benutzeroberflächen nicht selten den Charme der späten 2000er versprühen.
Sebastian Stricker kennt diese Arbeit seit Jahren. Als Reporter der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtet er seit 2013 über Ratssitzungen und Fachausschüsse und experimentiert immer wieder mit neuen Formen der Berichterstattung. Mittlerweile nutzt Sebastian generative KI, um Ratsvorlagen — also die Entscheidungsgrundlagen für Stadt- und Gemeinderäte — schneller auszuwerten und erste Vorschläge für seinen Liveticker zu erstellen, mit dem er die Ratssitzungen in Osnabrück seit fast zehn Jahren begleitet.
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Doch Sebastian wollte einen Schritt weitergehen: Was wäre, wenn KI nicht nur einzelne Ratsvorlagen aufbereitet, sondern den gesamten Informationsfluss rund um die Kommunalpolitik neu organisiert?
Aus dieser Frage entstand die Idee für den Ratsmonitor: ein KI-gestütztes Tool, das kommunalpolitische Informationen kontinuierlich sammelt, analysiert und für die Redaktion aufbereitet. Um herauszufinden, wie sich diese Vision technisch umsetzen lässt, bewarb sich Sebastian für das Strategie Sparring.
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Die Scoping-Phase
Rückblickend beschreibt Sebastian seinen Einstieg ins Strategie Sparring als eine Art großes „Wünsch dir was“. Viele Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten für den Ratsmonitor hatte er bereits im Kopf. Inwiefern sie realisierbar waren, wusste er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Rückhalt für seine Idee hatte Sebastian von Anfang an. Der Impuls zur Bewerbung war aus der Chefredaktion gekommen. Intern musste er deshalb niemanden überzeugen.
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Beim ersten Präsenztermin half Tech-Coach Martin Brüggemann Sebastian dabei, seine Idee zu strukturieren. Martins Impuls: Statt direkt in die Umsetzung einzusteigen, solle Sebastian zunächst ein Quelldokument erstellen.
Sebastian setzte den Ratschlag direkt um. Er untersuchte die unterschiedlichen Ratsinformationssysteme, sammelte Beispiele für Ratsvorlagen und stellte konkrete Use Cases aus der bisherigen Berichterstattung zusammen. Dafür führte er Ratsvorlagen und daraus entstandene Artikel zusammen — als Orientierung, welche Informationen für die journalistische Arbeit tatsächlich relevant sind. Dabei ging es mal um eine geplante Tempo-30-Zone, mal um Eintrittspreise für die städtischen Schwimmbäder, mal um die Einrichtung eines öffentlichen Parks.
Auf Martins Anregung entstand außerdem eine Anforderungsdokumentation, die festhielt, was der Ratsmonitor idealerweise leisten soll. Damit schuf Sebastian eine konkrete Arbeitsgrundlage, auf der sein späterer Fellow direkt aufbauen konnte.
Aus dem anfänglichen „Wünsch dir was“ wurde so Schritt für Schritt ein konkreter Plan.
Vom Einzelprojekt zum Team
Mit zunehmender Klarheit erkannte Sebastian, welche Unterstützung er für die Umsetzung brauchen würde. In einer Stakeholder-Analyse nahm er sein eigenes Arbeitsumfeld in den Blick: Wer konnte technisches Know-how beisteuern und wer die nötigen Freiräume für das Projekt schaffen?
Eine wichtige Rolle sollte Sebastians Kollege Tobias Fligge übernehmen, Prompt Engineer und KI-Coach bei NOZ Digital. Mit ihm hatte Sebastian bereits bei anderen KI-Projekten zusammengearbeitet. Aufgrund seines technischen Know-hows wurde Tobias zur Schnittstelle zwischen Sebastian und dem späteren Fellow.
Gleichzeitig schuf Christian Ströhl, Reporterchef und Leiter des Osnabrücker News-Teams, den nötigen organisatorischen Freiraum. Dienste wurden getauscht und Arbeitszeiten angepasst, damit Sebastian ausreichend Zeit für die Entwicklung des Ratsmonitors hatte.
Was noch fehlte, war jemand, der aus dem Konzept tatsächlich einen Prototypen bauen konnte.
Fellow-Einstieg

Hier kam Fellow Florian Schmitt ins Spiel. Sein Einstieg wurde ihm durch Sebastians Vorarbeit leicht gemacht: Die Vision war klar, Datenquellen, Use Cases und Anforderungen waren dokumentiert. Florian konnte sich deshalb von Anfang an auf die technische Umsetzung konzentrieren, steuerte in der Folge aber auch immer wieder wertvolle inhaltliche Verbesserungsvorschläge bei.
Wenig später konnten die beiden bereits eine der größten offenen Fragen beantworten. Sebastian war davon ausgegangen, dass vor allem der Zugriff auf die unterschiedlichen Ratsinformationssysteme technisch schwierig werden könnte.
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Florian machte sich an die Arbeit und startete mit rund zehn Kommunen. Keine drei Wochen nach seinem Einstieg flossen die ersten echten Daten in den Ratsmonitor.
Damit bestätigte sich eine zentrale Annahme: Wenn es gelang, Vorlagen, Anträge, Protokolle und Beschlüsse zuverlässig aus den unterschiedlichen Systemen zusammenzuführen, entstand eine gemeinsame Datengrundlage, auf der Sebastian und Florian weiterbauen konnten.
Das Ziel war klar: kommunalpolitische Informationen an einem Ort, über ein Interface zugänglich zu machen. Daher auch der Name Ratsmonitor.
Mit den ersten echten Daten begann die eigentliche Entwicklungsarbeit. Kurz vor dem zweiten Präsenztermin Ende Juni in München landete die erste Version des Ratsmonitors auf Sebastians Bildschirm. Er testete den Prototypen und meldete Florian noch am selben Tag mehrere konkrete Punkte zurück. Von da an arbeiteten sich die beiden in kurzen Schleifen voran: konzipieren, bauen, testen, verbessern.
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Mit dem ersten funktionierenden Prototypen veränderte sich auch der Blick auf das Projekt. Aus „Das geht technisch vielleicht nicht“ wurde ziemlich schnell: „Was machen wir jetzt eigentlich mit all diesen Daten?“
Schnell zeigte sich, wie gut Sebastian und Florian harmonierten. Sebastian brachte sein Wissen über Ratsberichterstattung ein, formulierte journalistische Anforderungen und prüfte die Ergebnisse aus Redaktionsperspektive. Florian übersetzte diese Anforderungen in technische Lösungen. Er wollte „Sebastian das Träumen ermöglichen“ – ihm also die Freiheit geben, Ideen zunächst aus journalistischer Perspektive zu entwickeln, ohne sie vorschnell an der Frage nach ihrer technischen Machbarkeit auszubremsen.
Am Anfang stand hier etwa die automatische Kurzzusammenfassung von Ratsvorlagen. Die Nutzer:innen sollten auf den ersten Blick erkennen, worum es in den jeweiligen Sitzungsdokumenten geht, ohne sie selbst studieren zu müssen. Dazu wurde der KI unter anderem beigebracht, Vorlagen nach ihrer Art zu unterscheiden und ihren Inhalt einerseits leicht verständlich, andererseits sachlich korrekt in wenigen Sätzen wiederzugeben.
Im Verlauf des Projekts wurde der Ratsmonitor in die Lage versetzt, Vorlagen mit zugehörigen Protokollen und Protokollauszügen zu kombinieren. So gelang es, bereits in der Kurzzusammenfassung den jeweiligen Verfahrensstand abzubilden. Dieser Ansatz wurde später auch auf komplette Sitzungen und Tagesordnungen ausgeweitet.
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Zu Besuch in Osnabrück
Anfang Juli kam Florian für einen zweitägigen Workshop nach Osnabrück. Nach mehreren Wochen digitaler Zusammenarbeit konnten Sebastian und Florian dort erstmals für längere Zeit gemeinsam am Ratsmonitor arbeiten. Für Florian erwies sich der Besuch auch deshalb als wertvoll, weil er die Redaktion und damit die späteren Nutzer:innen des Tools persönlich kennenlernen konnte.
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Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits gezeigt, dass sich Daten aus unterschiedlichen Ratsinformationssystemen zuverlässig erfassen ließen. Statt nun zunächst alle geplanten Funktionen des Ratsmonitors fertig zu entwickeln, traf das Team eine bewusste Entscheidung: Die Zahl der angebundenen Kommunen sollte möglichst früh wachsen. Denn findet ein Reporter seine eigene Kommune nicht im Ratsmonitor, hat er wenig Grund, das Tool zu nutzen. Egal wie gut es funktioniert.

Innerhalb kurzer Zeit deckte der Ratsmonitor deshalb nicht mehr nur wenige Testkommunen in Stadt und Landkreis Osnabrück ab, sondern die gesamte Region. Neue Ratsunterlagen wurden fortan automatisch erfasst — mit Abfragen im Stundentakt.
Parallel öffnete das Team den Ratsmonitor für einen größeren Nutzerkreis. Bei einer internen Austauschrunde wurde der Prototyp den Kolleg:innen aus Stadt und Landkreis vorgestellt und zum Testen freigegeben. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Datenbank bereits knapp 2.000 Ratsvorlagen, die sich unter anderem filtern, im Volltext durchsuchen und teilweise automatisch zusammenfassen ließen.
Für den Praxistest hatte Florian die Feedbackschleife direkt ins Tool eingebaut: Die Kolleg:innen konnten Fehler, fehlende Funktionen oder Wünsche unmittelbar im Ratsmonitor melden und bei Bedarf einen erklärenden Screenshot mitsenden. So floss das Feedback aus der Redaktion direkt in die weitere Entwicklung ein.
Ein gutes Tool allein reicht nicht
Mit der Testphase rückte neben der Produktentwicklung eine weitere Frage in den Fokus: Was braucht es, damit aus einem funktionierenden Prototypen ein Werkzeug wird, das langfristig im Unternehmen genutzt und weiterentwickelt wird?
Hier schaltete sich Business-Coach Angelika Goll ein. Ihre Botschaft: Ein gutes Tool allein reicht nicht. Wer ein Innovationsprojekt im Unternehmen verankern will, muss auch Allianzen bilden und frühzeitig Rückhalt schaffen. Für Florian war das ein Perspektivwechsel. Bis dahin war er davon ausgegangen, dass sich ein nützliches Produkt am Ende weitgehend von selbst durchsetzen würde.
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Sebastian und Florian begannen deshalb, den Ratsmonitor immer wieder intern vorzustellen, Feedback einzuholen und gezielt Verbündete für das Projekt zu gewinnen. Gleichzeitig erfassten sie die Nutzung des Tools systematisch und datenschutzkonform. Damit konnten sie nachvollziehen, wie viele Redakteur:innen den Ratsmonitor verwenden und welche Funktionen angenommen werden. Zudem sammelten sie belastbare Zahlen für spätere Gespräche mit der Chefredaktion und Geschäftsführung.
Gerade bei einem KI-Projekt bekam diese frühe Einbindung zusätzliche Bedeutung. Florian nennt etwa den Betriebsrat als wichtigen Stakeholder: Wo neue Technologien Sorgen auslösen können, braucht es frühzeitig Transparenz darüber, was ein Tool leisten soll und welche Rolle es im Arbeitsalltag einnimmt. Die Entwicklung des Ratsmonitors wurde zunehmend auch eine strategische Aufgabe.
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Eine Annahme mussten Sebastian und Florian im Praxistest grundlegend revidieren. Florian hatte ein Themenregister entwickelt, das Ratsunterlagen automatisch analysierte und mehr als 4.000 Themen identifizierte. Technisch funktionierte die Idee, journalistisch löste sie jedoch das falsche Problem. Lokalreporter:innen wissen selbst, welche Themen in ihrem Berichtsgebiet wichtig sind. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, keine neue Entwicklung dazu zu verpassen.
Also kehrte das Team das Prinzip um: Unter „Deine Themen“ können Reporter:innen im individuell konfigurierbaren Ratsmonitor nun selbst festlegen, was sie interessiert. Die KI entscheidet nicht mehr, was relevant ist, sondern prüft neue Dokumente auf diese Interessen und informiert bei einem Treffer.

Die Betaphase
Aus diesem Learning entwickelte sich der Ratsmonitor zunehmend zu einem personalisierten Werkzeug für den Redaktionsalltag. Reporter:innen können sich mit ihrem dienstlichen E-Mail-Konto anmelden und festlegen, welche Regionen und Themen für sie relevant sind. Auf ihrer persönlichen Startseite sehen sie unter anderem jene Vorlagen, die seit dem letzten Besuch neu hinzugekommen sind, sowie anstehende Sitzungen.
Auch der Monitoring-Gedanke wurde weiter ausgebaut. Neben eigenen Themen lassen sich einzelne Mandatsträger:innen beobachten. Der Ratsmonitor bündelt dafür Informationen zu Gremienzugehörigkeiten und Aktivitäten und macht sichtbar, in welchen Vorgängen eine Person auftaucht.

Kurz vor Ende des Strategie Sparring (Stand: 7. Oktober 2026) befand sich der Ratsmonitor damit in einer fortgeschrittenen Betaphase und war bereits im redaktionellen Alltag einsetzbar. Das System bündelte 74 Ratsinformationssysteme aus sieben verschiedenen Software-Familien und damit Daten aus rund 320 Städten und Gemeinden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Fast 45.000 Dokumente waren erfasst. Rund 90 Prozent ließen sich direkt im Volltext durchsuchen; weitere Dokumente wurden mithilfe automatischer Texterkennung recherchierbar gemacht. Hinzu kamen automatisch erzeugte Kurzzusammenfassungen und mehr als 4.000 Profile von Mandatsträger:innen.

Fazit
Aus Sebastians ursprünglich großem „Wünsch dir was“ war innerhalb weniger Monate ein Werkzeug geworden, das im redaktionellen Alltag wertvolle Dienste leisten konnte. Entscheidend dafür war das Zusammenspiel von Sebastian und Florian, getragen von dem Vertrauen, Ideen zunächst groß denken zu können, ohne sie vorschnell an der Frage nach ihrer technischen Machbarkeit auszubremsen.
Sebastian und Florian haben gelernt, dass ein gutes Produkt allein nicht reicht: Damit der Ratsmonitor über das Förderprogramm hinaus Bestand haben kann, braucht es Rückhalt im Unternehmen und belastbare Argumente für seine Weiterentwicklung.
Für Florian zeigt sich darin die besondere Stärke seiner Fellow-Rolle: Er gab Sebastian die Zuversicht, seine Ideen weiterzudenken, und half dabei, daraus ein tragfähiges Projekt zu machen. Sein Fazit der gemeinsamen Projektphase passt in vier Worte:
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Ausblick
Nach dem erfolgreichen Prototyping im Rahmen des Strategie Sparring soll die Arbeit am Ratsmonitor möglichst konsequent und ohne Zeitverzug fortgeführt werden, idealerweise in der bewährten Konstellation mit Florian.
Eine der wichtigsten technischen Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Tools ist es, das System aus der Fellow-Testumgebung auf die Infrastruktur des Verlags zu migrieren. Danach wird es möglich sein, die bislang nur teilweise erfassten Dokumentenarchive für jede integrierte Kommune zu vervollständigen und damit das volle Potenzial des Ratsmonitors auszuschöpfen.
Die bereits erfolgreich an einer Kommune (Stadt Osnabrück) getestete Funktion „Storyalarm“ soll verfeinert und auf alle Gebiete ausgerollt werden, das geplante weitere Top-Feature „Frag den Ratsmonitor“ nach demselben Prinzip umgesetzt und ausprobiert werden. Außerdem ist vorgesehen, zur Visualisierung von Sachverhalten auch Grafik-Funktionen im Ratsmonitor zu testen, zum Beispiel die automatische Erstellung von digitalen Karten und Diagrammen.