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Podcast am Tag, Erlangen am Abend

Kann KI zur Stimme des Lokaljournalismus werden? Trainee Friederike Reich half dem Verlag Nürnberger Presse, einen KI-generierten Nachrichtenpodcast zu entwickeln.

Executive Summary

Im Media Innovation Traineeship des Media Lab Bayern verbrachte Friederike Reich sechs Monate beim Verlag Nürnberger Presse (VNP), einem der führenden Regionalverlage in Bayern. Dort arbeitete sie an der Entwicklung eines KI-generierten redaktionellen Podcastformats mit. 

Hintergrund

Immer mehr Menschen konsumieren Nachrichten über Audioformate. Gleichzeitig experimentieren Medienhäuser mit den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz. 

Für den Verlag Nürnberger Presse entstand daraus eine konkrete Frage: Lässt sich aus lokalen Nachrichten ein KI-generierter Podcast entwickeln, der den journalistischen Ansprüchen genügt und von den Nutzer:innen angenommen wird?

Die Arbeit im Traineeship

Gemeinsam mit ihrer Mentorin Lena Wölki, Innovationsmanager Markus Potzel und der Lokalredaktion Erlangen arbeitete Friederike daran, aus einem ersten Proof of Concept ein marktfähiges Podcastformat zu entwickeln.

Dazu analysierte sie Best Practices anderer Medienhäuser, führte zahlreiche Expertengespräche und erarbeitete die Anforderungen an Format, Hörerlebnis und Produktionsprozess. Zudem evaluierte sie verschiedene technische Lösungen und Dienstleister und begleitete die Auswahl der später eingesetzten Produktionsplattform.

Parallel koordinierte sie die Validierung mit einer Testgruppe und entwickelte gemeinsam mit der Redaktion einen Human-in-the-Loop-Workflow für die tägliche Produktion. 

Den Abschluss des Projekts bildete eine Präsentation mit Businessplan, Hypothesen-Check und RACI-Matrix.

Ergebnisse

  • Ein KI-generierter redaktioneller Podcast als Proof of Concept
     
  • Entwicklung und Testbetrieb von „Erlangen am Abend", einem täglichen KI-generierten Nachrichtenpodcast der Erlanger Redaktion
     
  • Erste Validierung des Formats mit einer bislang nicht erreichten Zielgruppe
     
  • Skalierbarkeit auf weitere Lokalredaktionen und das Reichweitenportal nordbayern.de
     
  • Übergabekonzept inklusive Business Case, Rollenverteilung und Umsetzungsempfehlungen

Die Trainee

Friederike Reich
Trainee beim Media Lab Bayern

Friederike studierte American and British Studies (Bachelor) in Mainz, Online-Journalismus (Bachelor) sowie Media, Technology and Society (Master) in Darmstadt. Berufliche Erfahrungen sammelte sie unter anderem bei funk, dem Hessischen Rundfunk und RTL Hessen. Ihr Media Innovation Traineeship absolvierte sie beim Verlag Nürnberger Presse und der Mediengruppe Main-Post.

Deep Dive

KI-generierte Podcasts gehören zu den aktuell spannendsten Anwendungsfeldern, wenn es um Künstliche Intelligenz im Journalismus geht. Bundesweit beschäftigen sich Medienhäuser mit der Frage, wie sich journalistische Inhalte automatisiert in Audioformate übersetzen lassen.

So auch der Verlag Nürnberger Presse (VNP). Ein erster Proof of Concept für einen KI-generierten Nachrichtenpodcast lag vor Beginn des Media Innovation Traineeships bereits vor. 

Im Mittelpunkt der weiteren Überlegungen standen folgende Fragen:

  • Wie viel menschliche Kontrolle braucht ein solches Format?
     
  • Wie lässt sich das Format in den Redaktionsalltag integrieren?
     
  • Welche Zielgruppen lassen sich erreichen?

Von der Teilnahme als Medienpartner beim Traineeship erhoffte sich der Verlag Unterstützung für die Entwicklung des Podcasts. Der Proof of Concept sollte im Rahmen des Programms getestet, validiert und zu einem belastbaren Prototyp ausgebaut werden.

Für die Master-Absolventin Friederike Reich kam das Traineeship zu einem wichtigen Zeitpunkt.

„Ich habe das Traineeship als Chance gesehen, die Lücke zwischen Studium und Berufserfahrung zu schließen.“ – Friederike Reich

Nach dem Studium war ihr schnell klar geworden, dass der Berufseinstieg im Zeitalter von KI trotz einschlägiger Praxiserfahrung und sehr guter Abschlüsse nicht selbstverständlich ist. Das Programm bot ihr die Möglichkeit, praktische Erfahrung in einem Medienhaus zu sammeln und gleichzeitig Verantwortung für eigene Innovationsprojekte zu übernehmen.

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Vom Proof of Concept zum konkreten Format

Mit dem Start ihres Traineeships galt es für Friederike zunächst, ein Verständnis für das anstehende Projekt zu entwickeln.

„Am Anfang war mir aber noch nicht ganz klar, welche Art von KI-Podcast dem VNP vorschwebt.“ – Friederike Reich

Um eine Antwort darauf zu finden, begann Friederike mit einer umfassenden Markt- und Wettbewerbsanalyse. Sie untersuchte, welche Medienhäuser bereits KI-generierte Nachrichtenpodcasts anbieten, welche technischen Lösungen sie einsetzen und wie die Formate redaktionell umgesetzt werden.

Die Recherche half dabei, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Ansätze einzuordnen und die Anforderungen an das zukünftige Podcastformat zu schärfen. 

Abb. 1: Workshop beim Media Lab Bayern in Ansbach

Gemeinsam mit Redaktion, Innovationsmanagement und weiteren Beteiligten arbeitete Friederike anschließend an Fragen der inhaltlichen Ausrichtung, des Hörerlebnisses und der späteren Produktion.

Parallel dazu stellte sich die klassische „Build or Buy“-Frage: Sollte die technische Lösung selbst entwickelt oder auf bestehende Anbieter zurückgegriffen werden? 

Um dies zu bewerten, testete Friederike verschiedene Plattformen und Dienstleister hinsichtlich Bedienbarkeit, Funktionsumfang und redaktioneller Anforderungen.

„Die Idee eines KI-Podcasts spukte uns schon lange im Kopf herum. Jemanden wie Friederike an Board zu haben, hat enorm geholfen, schnell Fahrt aufzunehmen.” – Lena Wölki

Nach mehreren Tests entschied sich das Projektteam für die KI-gestützte Audioproduktionsplattform goaudio. Dafür ausschlaggebend waren neben den technischen Möglichkeiten vor allem die Benutzerfreundlichkeit der Plattform und ihre Eignung für den Redaktionsalltag.

Gemeinsam mit den beteiligten Fachbereichen entwickelte das Team anschließend die Identität des zukünftigen Formats. So entstanden Name („Erlangen am Abend“), Corporate Design und erste Veröffentlichungskonzepte.

Mensch und Maschine im Zusammenspiel

Im Laufe der Projektarbeit wurde deutlich, dass die Entwicklung eines KI-generierten Nachrichtenpodcasts weit mehr als eine technische Aufgabe war.

„Am Ende war es sehr viel Projektmanagement.“ – Friederike Reich

Neben technischen Fragen mussten unterschiedliche Anforderungen aus Redaktion, Innovationsmanagement und KI-Management zusammengeführt werden. Regelmäßige Abstimmungen halfen dabei, journalistische, organisatorische und technologische Perspektiven miteinander zu verbinden.

Im Laufe des Projekts verlagerte sich die Zusammenarbeit zunehmend in Richtung Innovations- und KI-Management. Dort lagen viele der Fragestellungen, die für die Entwicklung des Podcasts entscheidend waren. Insbesondere der enge Austausch mit Innovationsmanager Markus Potzel prägte die weitere Projektarbeit.

Abb. 2: Friederike und Markus Potzel

Free vs. Paid

Es zeigte sich, dass die Idee eines KI-generierten Nachrichtenpodcasts viele Facetten enthält. Schon früh war allen Beteiligten das Potential eines zusätzlichen Audioangebots klar, doch die Umsetzung wurde stark diskutiert.

Ein zentrales Thema war dabei der Umgang mit redaktionellen Inhalten hinter der Paywall. Friederike analysierte deshalb vergleichbare Formate anderer Medienhäuser und untersuchte, welche redaktionellen Inhalte verwendet werden und über welche Kanäle die Podcasts verbreitet werden.

Die Ergebnisse lieferten wichtige Impulse für die internen Diskussionen. Gleichzeitig rückten Fragen der Reichweite und Vermarktung stärker in den Fokus.

„Wir haben dann gesagt: Lasst uns das zunächst testen. Anpassungen kann man später immer noch vornehmen.“ – Friederike Reich

Der iterative Ansatz prägte jedoch nicht nur die inhaltliche Entwicklung des Formats. Parallel arbeitete das Projektteam daran, einen Produktionsprozess zu entwickeln, der die Möglichkeiten der KI nutzt und gleichzeitig die journalistische Qualitätssicherung gewährleistet.

Das Ergebnis war ein Human-in-the-Loop-Workflow, bei dem KI und Redaktion eng zusammenarbeiten.

Vorschlag durch die KIDas System identifiziert potenziell geeignete Artikel für die jeweilige Podcast-Ausgabe.
Redaktionelle AuswahlDie Redaktion prüft diese Vorschläge und entscheidet, welche Inhalte tatsächlich verwendet werden.
Erstellung der EpisodeAuf Basis der ausgewählten Inhalte erstellt die KI ein Skript und generiert daraus die Audiodatei.
Redaktionelle PrüfungDie Redaktion kontrolliert Inhalt, Verständlichkeit und sprachliche Qualität der Episode.
Feedback und AnpassungenAuffälligkeiten werden dokumentiert und fließen in die Optimierung des Workflows ein.
Testbetrieb und VeröffentlichungNach Freigabe werden die Episode veröffentlicht bzw. der Testgruppe zur Verfügung gestellt.

Durch die frühe Einbindung der beteiligten Redaktion entstand ein Prozess, der die Vorteile der KI nutzt und gleichzeitig die journalistische Qualitätssicherung sicherstellt. 

Der Praxistest

Mit dem entwickelten Workflow und der technischen Infrastruktur ging das Projekt in die Testphase. Gemeinsam mit dem Projektteam organisierte Friederike einen Pilotbetrieb mit rund 20 Nutzerinnen und Nutzern, die gezielt über Instagram rekrutiert wurden.

Ziel war es, zentrale Annahmen des Projekts zu überprüfen und erste Erkenntnisse zum Hörerlebnis zu gewinnen. Die Testgruppe erhielt regelmäßig Zugang zu neuen Podcast-Ausgaben und gab strukturiert Feedback zu Inhalt, Länge, Stimme und Nutzererfahrung.

Dabei folgte das Projekt einem iterativen Ansatz: Statt das Produkt über Monate hinweg im Verborgenen zu entwickeln, sollten zentrale Hypothesen möglichst früh mit echten Nutzer:innen überprüft werden.

„Manche wünschten sich weniger Sport, andere mehr Kultur. Genau solche Rückmeldungen waren für uns sehr wertvoll.“ – Friederike Reich

Durch das Feedback konnten einzelne Elemente des Formats kontinuierlich angepasst und optimiert werden. Gleichzeitig lieferte die Testphase wichtige Hinweise darauf, wie ein KI-generierter Nachrichtenpodcast wahrgenommen wird und welche Potenziale das Format für die Zukunft bietet.

Ergebnis und Fazit

Am Ende des Traineeships stand mit „Erlangen am Abend“ ein funktionierender Prototyp für einen KI-generierten Nachrichtenpodcast. Das Format übersetzt lokale Nachrichten in ein tägliches Audioangebot und verbindet automatisierte Produktionsschritte mit journalistischer Qualitätssicherung.

Im Rahmen des Pilotbetriebs wurde der Podcast gemeinsam mit einer Testgruppe validiert. Die Rückmeldungen bestätigten zentrale Annahmen des Projekts und lieferten wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Formats.

Besonders relevant war die Erkenntnis, dass der Podcast Menschen erreichte, die bisher nur selten klassische lokale Nachrichtenangebote nutzten. Damit bestätigte sich eine der zentralen Hypothesen des Projekts: Ein KI-generiertes Audioformat kann zusätzliche Zielgruppen erschließen, ohne bestehende journalistische Standards aufzugeben.

„Wir konnten am Ende alle überzeugen, dass die Chancen größer sind als die Risiken.“ – Friederike Reich 

Neben dem Produkt selbst entstand eine fundierte Grundlage für die weitere Umsetzung. Friederike dokumentierte die gewonnenen Erkenntnisse in einer Abschlusspräsentation mit Business Case, Hypothesen-Check, Rollenverteilung und konkreten Umsetzungsempfehlungen für die nächste Projektphase.

Gleichzeitig zeigte das Projekt, dass sich der entwickelte Workflow grundsätzlich auf weitere Lokalredaktionen übertragen lässt. Auch eine perspektivische Ausweitung auf weitere digitale Angebote des VNP, darunter das Reichweitenportal nordbayern.de, wurde betrachtet.

Damit lieferte das Traineeship nicht nur einen erfolgreichen Proof of Concept, sondern auch eine belastbare Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Weiterentwicklung des Formats.

Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis. Doch klar ist auch: Nach dem Projekt geht die eigentliche Arbeit erst richtig los.” – Lena Wölki

Friederike, was nimmst du aus dem Traineeship mit?

„Mir hat das Traineeship bisher sehr viel Spaß gemacht, weil es Wissenstransfer, Lernen und Ausprobieren miteinander verbindet. Ich komme aus einem Umfeld, in dem Theorie und Praxis immer eng zusammengehört haben. Deshalb gefällt mir die Möglichkeit, Dinge nicht nur zu lernen, sondern direkt umzusetzen.

Besonders schätze ich den Aufbau des Programms mit seinen drei Säulen: den Inhalten des Media Labs, der Projektarbeit bei den Partnerunternehmen und dem gemeinsamen Portfolioprojekt. Bei den Medienpartnern arbeitet man eigenständig an einem konkreten Projekt und übernimmt Verantwortung. Gleichzeitig erhält man durch das Media Lab neue Impulse und Methoden. Im Portfolioprojekt steht wiederum die Teamarbeit im Mittelpunkt.

Außerdem schafft das Programm Raum für neue Ideen. Man kann Dinge ausprobieren, die im normalen Arbeitsalltag oft keinen Platz haben, und sich intensiv mit Zukunftsthemen auseinandersetzen. Das finde ich besonders spannend.

Der für mich größte Mehrwert war, ein Produkt von Anfang bis Ende begleiten zu können, also von der ersten Idee bis zum getesteten Prototyp. Das hat mir nochmal gezeigt, wie viel Freude mir die Arbeit an neuen Produkten und Formaten macht.“

Kontakt

Steffen Geggus

Content Strategist