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Abschlussarbeiten im Media Lab | 10.07.2026

Twitch: Wie KI ein Mitglied der Live-Stream-Community wird

Kann ein KI-Bot dabei helfen, eine Community aufzubauen? Wie muss er gestaltet sein, damit er in einem Live-Chat bei Twitch nicht wie ein Fremdkörper wirkt? Wie Sozialpsychologie und KI im Twitch-Chat zusammenkommen.

Die ultimative Community-Plattform

Wenn in der Medienbranche über den digitalen Wandel, die Gen Z und die Zukunft des Bewegtbilds gesprochen wird, fallen meist die üblichen Verdächtigen: TikTok, YouTube oder Instagram. Doch die vielleicht faszinierendste Community-Plattform unserer Zeit läuft im klassischen Medien-Mainstream noch immer erstaunlich oft unter dem Radar: Twitch.

Die Live-Streaming Plattform fasziniert mich, seit ich sie 2017 für mich entdeckt habe – nicht wegen des Gamings, sondern wegen dem, was drumherum entsteht: Wie aus einem Livestream eine echte Community wird, mit eigenen Insidern und eigener Sprache.

Der Stream zeigt die Stream Awards, drum herum chattet die Commuinty.
Der Twitch-Kanal RevedTV streamt von den Streamawards 2025 (Screenshot von Jessika Benz)

Ursprünglich als reine Live-Streaming-Plattform für Gaming-Übertragungen gestartet, hat sich das thematische Spektrum inzwischen gigantisch erweitert. Heute ist Twitch ein facettenreicher sozialer Raum: Neben Alltags-Streams, in denen Creator Einblicke in ihr tägliches Leben geben, findet man dort Konzerte, Sportveranstaltungen, Talkshows oder politische Diskussionen. Selbst die Bundeswehr, die Polizei und die öffentlich-rechtlichen Sender haben Twitch für sich entdeckt und streamen regelmäßig Content.

Irgendwann ist aus meiner Neugier die Frage für meine Masterarbeit entstanden: Kann ein Bot, der sozialpsychologische Community-Prinzipien berücksichtigt, als Teil einer Community wahrgenommen werden?

Ein Bot, der wie meine Community klingt

Moderne KI-Chatbots können dank Large Language Models (LLMs) den Kontext einer Unterhaltung erfassen und situativ antworten. Mein Gedanke: Sie können Gespräche führen, Kontext verstehen und situativ reagieren. Warum also nicht nutzen, um eine Community zu stärken, statt sie mit destruktiven Antworten zu nerven? Also habe ich psychologische Theorien zum Thema Community-Building untersucht und entsprechende Merkmale auf den Bot übertragen.

Das Ergebnis? Ein Bot, der klingt wie ich und meine Community – mit denselben Redewendungen, Running-Gags, Spitznamen, und ja, auch dem Bezug zu meinem Kater Mushu.

Der Bot im Praxistest auf Twitch

Natürlich ist die Datenbasis aus Tests in zwei Streams viel zu klein, um daraus allgemeingültige, wissenschaftliche Erkenntnisse für die gesamte Branche abzuleiten – aber das war auch gar nicht mein Anspruch. Es war ein erster Blick in das, was möglich ist. Die Auswertung der über 3.000 Chatnachrichten lieferte spannende Einblicke:

  • Der Bot hat proaktiv Gespräche gestartet (Das kam überwiegend, aber nicht unbedingt bei jedem gut an)
  • Er hat situative Variationen des Kanalnamens erschaffen und adaptierte damit Community-Humor sehr gut
  • Mit dem ironischen Sprachstil und den kleinen Neckereien hatte die Community auf jeden Fall ihren Spaß
  • Rein quantitativ stieg die Chat-Aktivität nicht nennenswert

Es war schon ein großer Erfolg, dass der Bot akzeptiert wurde und am Ende auch irgendwie ein (kleiner) Teil der Community war. Die Wenigsten nahmen ihn als störendes Werkzeug wahr.

Erste Erkenntnisse für die Medienbranche

Der Test hat für mich erste Hinweise ergeben: KI-Bots können in Live-Chats funktionieren – aber eher, wenn sie sich der Community unterordnen, statt sie zu bespielen. KI ersetzt keine echte Community-Arbeit, sie kann aber dafür eingesetzt werden, diese zu unterstützen. Wer KI in Live-Formaten einsetzen möchte, sollte weniger über Funktionen nachdenken und mehr über Tonalität und den Community-Vibe. Ein Bot, der die eigene Sprache und den Humor der Community adaptiert, wirkt nicht wie ein Fremdkörper.

Deswegen denke ich: Gerade für wachsende Creator kann so ein Community-aktivierender Bot hilfreich sein. Zukünftige Projekte mit KI-Chatbots auf Twitch und anderen Streaming Plattformen werden zeigen, wie groß das Potential tatsächlich ist.

Jessika hat nun das Förderprogramm für Abschlussarbeiten durchlaufen. Du hast auch ein spannendes Thema? Melde dich bei uns!

Artikel written by

Jessika Benz

Jessika studiert Angewandte Künstliche Intelligenz und digitale Transformation an der Hochschule Ansbach – und verbringt den Rest ihrer Zeit auf Twitch. Seit 2017 ist sie aktive Nutzerin der Plattform und fasziniert davon, wie sich dort digitale Gemeinschaften bilden. KI, Digitalisierung und Entrepreneurship ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben: Neben dem Studium hat sie selbst versucht, ein Twitch-Analytics-Startup zu gründen – und ist sich ziemlich sicher, dass es nicht ihr letzter Gründungsversuch war.

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