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05.11.2021 | Media Research & Development

Professionalisierung dank innovativer Ideen: Twitch Streaming mit Durchblick

Foto: Twitch Stream Logo © Adobe Stock

Text: Alexander Büsing

Professionelles Streamen, was bedeutet das überhaupt?

Erfolgreiches streamen im Games-Bereich ist in den Augen vieler sicher Glückssache. Die eigene Nische finden, die richtigen Games und Trends bedienen - wachsen. Es braucht innovative Ideen, um Kanäle zu professionalisieren, denn obwohl die Einstiegshürde für Streamer:innen denkbar niedrig ist, fehlt es oft an Informationen und Guidelines, um den eigenen Content effektiv zu platzieren und aus einem Casual Stream einen professionell geführten Kanal zu machen. Hier findest du eine Schritt-für-Schritt Lösung, die sich gerade in der Entwicklung befindet.

Schritt 1: Plattform verstehen

Die Einstiegshürde bei Streaming-Anbietern wie Twitch ist gering. Mit wenigen Klicks ist ein Profil eingerichtet, an das der eigene Channel anknüpft. Über eine kurze Google-Suche findet sich das erste, eigene Setup aus Kamera und Mikro, Aufnahmeprogramm für Game-Footage und schon kann es losgehen. Das ist auch nicht ohne Grund so einfach und dient vor allem dazu, möglichst allen den Zugang zu erleichtern.

Spätestens seit 2020 liegen die dauerhaften Nutzer:innenerzahlen der Plattform kontinuierlich und solide über 2 Millionen monatlich. Der erst kürzlich veröffentlichte Leak über die höhe der Auszahlungen an erfolgreiche Streamer hat gezeigt, dass es sogar für Privatpersonen ein recht erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann. Für die meisten ist es das natürlich trotzdem nicht - weil die geringe Einstiegshürde auch eine unüberschaubare Fülle von Konkurrenz schafft. Märkte wie Twitch sind kurzlebig und schnell. Hypes sind oft genauso schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind und monatlich versuchen ein paar Hunderttausend bis Millionen User:innen und Content Creators, relevant zu bleiben, ihren Content zu platzieren und gesehen zu werden.

Im Blog zeigen wir, wie aus diesen Erkenntnissen und Erfahrungswerten eine Innovationsidee entsteht.

Moritz Steinbach

Marketing und Kommunikationsanalyse bei Werk86 | Persönlicher Hintergrund in Bildung, Pädagogik und Sozialwissenschaft | R&D Fellow.

Er entwickelte seinen Prototypen, nachdem er erkannt hattte, dass seine Zielgruppe bei strategischen Entscheidungen rund um ihren Channel verstärkt Schwierigkeiten hat, weil ihr nötige Daten und Wissen fehlt.

Schritt 2: Need und Zielgruppe definieren

Für die meisten, die auf Twitch streamen, ist es sicher ein Hobby. Wer die Plattform allerdings regelmäßig für die Produktion von eigenem Content nutzen will, arbeitet darauf hin, den eigenen Channel zu erweitern, mehr Follower:innen zu erreichen und irgendwann vielleicht auch von der Plattform selbst promoted zu werden. Moritz Steinbach kennt die Plattform selbst sehr gut, ist seit Jahren mit der Games-Industrie vertraut und beobachtet neben aktuellen Trends vor allem die Herausforderungen für Streamer:innen, die bei dem Versuch, ihren Channel zu erweitern, auf Schwierigkeiten stoßen.

Als er das Problem erkennt, fixiert er es natürlich erst einmal in Befragungen von User:innen und stößt auf übliche Fragen: "Welches Spiel soll ich als nächstes covern?" oder "Möchten meine Zuschauer:innen zukünftig verstärkt Content zu mir oder dem Spiel sehen?". Antworten darauf zu finden ist bei einem sich stetig wandelnden Markt gar nicht so einfach. Es braucht also einen Weg oder ein Werkzeug, um entsprechende Antworten zu finden. Und dieses Werkzeug muss zusätzlich dazu dienen, den Channel langfristig zu professionalisieren.

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Schritt 3: Lösung entwickeln

Nachdem Moritz das Problem und die Zielgruppe definiert hat, fehlt nur noch die Lösung. Welches Werkzeug kann er seiner Zielgruppe an die Hand geben, um ihr zu helfen? In diesem Fall ohne Zweifel ein digitales Werkzeug. Genauer: ein Tool zur Analyse, das Antworten auf die Fragen der Streamer:innen liefert und Unsicherheiten aus der Welt schafft. Moritz' Prototyp soll in erster Linie eins schaffen: die Interaktion der Konkurrenz auf erfolgreichen Twitch-Channels auslesen, um die Motivationen und Interessen der Zuschauer zu verstehen, Marktlücken zu finden und die eigene Nische daran orientiert zu definieren.  Zusätzliche Features umfassen Trend-Forecasts und Statistiken, die Streamer:innen helfen, ihre eigene Nische zu finden, indem sie

  1. Verstehen, was auf anderen Channels funktioniert,
  2. die Motivation von Twitch-Nutzer:innen nachvollziehen und
  3. ihren Content effektiv platzieren können

um das gewünschte Ziel zu erreichen und den Channel professionell aufzubauen. Die Hürden und Herausforderungen des Projekts liegen ab sofort nicht mehr in der Definition der Zielrichtung, sondern im Aufbau eines technischen Frameworks, damit der Prototyp auch so funktioniert, wie gedacht.

Der Protoyp von Moritz: Figma. Erlaubt Twitch-Streamer:innen, ihren eigenen Channel zu verbinden, aktuell gut laufende Games zu finden, in ihren Content Plan zu integrieren und das Analyse-Tool für langfristige Professionalisierung zu nutzen.

Entwicklungs-Fahrplan

Plattform verstehen

Moritz hat einen persönlichen Zugang: Er kennt die Plattform und die Games-Industrie bereits seit Jahren. Dadurch, dass er selbst Nutzer von Twitch ist und die Dynamik von Trends, Games-Releases und Let's Play Serien versteht, kann er sich effektiv auf den nächsten Schritt konzentrieren.

Need und Zielgruppe definieren

Zusammen mit dieser eigenen Erfahrung und Befragungen von User:innen leitet er das Kernproblem ab: Es fehlt an Möglichkeiten, den eigenen Channel auf Twitch zu professionalisieren. Damit auch schon die Zielgruppe eingegrenzt: Streamer:innen im Bereich Gaming, die durch erste Erfolge gewachsen sind und sich professionalisieren müssen.

Lösung entwickeln

Nachdem Problem und Zielgruppe definiert sind, geht es daran, die Lösung zu entwickeln. Was hilft der Zielgruppe weiter, das Problem zu lösen? In diesem Fall ist die Antwort schnell klar: ein Tool, das Antworten auf die Fragen der Streamer:innen liefert und die bekannten Unsicherheiten beseitigt. Mehr Durchblick heißt erfolgreiche Professionalisierung.

Roadblocks überwinden

Keine Entwicklung verläuft problemlos oder einwandfrei. Hier ist Flexibilität gefragt - und die Fähigkeit, schnelle Problemlösungen zu finden, falls das Projekt stockt. Moritz stößt auf sein erstes, wirkliches Problem, als es an die Programmierung geht. Wie lassen sich Twitch-Chats effektiv auslesen, um die notwendigen Daten für seine Nutzer:innen zu gewinnen? Er braucht die richtigen Codes, hat aber noch keine Entwickler:innen im Team. Die Lösung ist schnell gefunden: Github.

Schritt 4: Roadblocks überwinden

Bei der Entwicklung des Tools stößt Moritz auf das erste große Hindernis: wie lassen sich Chatverläufe und andere Channels effektiv auslesen, um die Daten in einer Analyse zu verarbeiten? Nachdem die erste Suche nur wenig zufriedenstellende Ergebnisse liefert, ist der Weg zu Github nicht mehr weit. Und das ist auch der beste Weg, den man bei einem solchen Problem bestreiten kann. Wer noch keine tiefen Einblicke in die Programmierung von Apps - und kein Team von Entwicklern bei der Hand hat - sollte sich nicht scheuen, auf entsprechende crowdsourcing Plattformen zuzugreifen. Auch Moritz wird in diesem Fall fündig und kann sein erstes Hindernis überwinden, weil er einen Code findet, der gut auf seine Vorstellungen anzuwenden ist.

Der zweite Schritt ist in seinem Fall dennoch natürlich, eine:n eigenen Entwickler:in zu finden. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass es für einen Protoyp oft nicht mehr braucht als Problemfindung, Zielgruppenanalyse und ein paar Google- und Github-Skills, um die eigene Idee in die Tat umzusetzen!

R&D Fellowship

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