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USER RESEARCH

Mediennutzung während der Corona-Krise

Welche Angebote brauchen Leser, Hörer und Zuschauer in Zeiten der Corona-Krise? Hat sich ihr Nutzungsverhalten geändert? Wir haben in einer Blitzbefragung über 20 qualitative Interviews geführt, um Medienhäusern wertvolle Insights für ihre Berichterstattung und Produktentwicklung in der Corona-Krise zu geben.

TL; DR

  • 3 Zielgruppen waren in unserem Fokus: Bildungsferne Nutzer, Nutzer unter 30 und die Risikogruppe über 60
  • Keiner nutzt jetzt andere Medienmarken als vorher - aber die Bekannten weitaus mehr.
  • Wie hoch der Informationsbedarf ist, hängt direkt an der (gefühlten) persönlichen Betroffenheit. Wer selbst in der Risikogruppe ist oder Angehörige hat, verschlingt jedes Update.
  • Ziel der Nutzer ist vor allem: Einschätzen können, wie gefährlich die aktuelle Lage für sie selbst ist.
  • Dafür versuchen sie, an so lokale Infos wie möglich zu gelangen.
  • Ängstliche Nutzer*innen versuchen aber auch, Nachrichten zu vermeiden und nur das Nötigste zu konsumieren

User nutzen die gewohnten Medien

  • Die meisten Leute fühlen sich gut informiert. Sie vertrauen auf ihre gewohnten News-Quellen und nutzen nicht mehr Medien als vorher.

  • In diesen bereits persönlich etablierten Medien verbringen die Nutzer*innen jedoch weit mehr Zeit. Das gilt auch für Nutzer*innen, die ihre Informationen vorrangig über Facebook oder Google News beziehen.

Innovations-Tipp

Neue Nutzer für die eigene Marke zu überzeugen scheint schwer - aber dafür steckt viel Potenzial darin, die eigenen Nutzer zu loyalen Usern zu machen.

  

“Ich nutze eigentlich keine anderen Quellen. Der Weg ist immer gleich. Hat sich nicht groß geändert wie ich mich informiere.”

JULIEN, 28

Krisenzeiten
sind News-Zeiten

  • Während Krisenzeiten werden (fast) alle Menschen zu News-Junkies. Der News-Konsum steigt dabei mit der Schwere der Krise in der Regel deutlich an.
  • Die aktuelle Lage wird mit Ereignissen, wie 9/11, dem Balkan- oder Irak-Krieg oder dem Mauerfall verglichen.
Innovations-Tipp

Publisher können jetzt ihre Stärke ausspielen. Im Prinzip kann man kaum zu viel informieren - nur in manchen Fällen werden News als Überdosis wahrgenommen.

 

"Es vergeht kaum eine Stunde, die ich nicht nach News gucke."

Kristijan, 33

 

"Ich schaue 8 Stunden am Tag Fernsehen, normalerweise auch Netflix, aber zur Zeit nicht wegen den Nachrichten."

Margarete, 60

Persönliche Betroffenheit steigert Informationsbedarf

  • Am meisten informieren sich Leute, die sich oder Familienmitglieder zur Risikogruppe zählen.
  • Aber selbst, wenn sie nicht Teil einer Risikogruppe sind, denken sie nicht nur an sich selbst - es sei denn, sie verspüren keine Verbindung zur Krise.
Innovations-Tipp

Unsere Befragten suchten nach allen Informationen, die eine Verbindung mit ihrem Alltag und  ihrem persönlichen Lebensumfeld schaffen.

 

“Ich will nicht wegen mangelnder Informationen Fehler begehen”

Margarete, 60

 

“Ich möchte mich nicht anstecken, damit ich meine Familie nicht anstecke. Mein Vater ist 55, es wäre schlimmer ihn anzustecken, als mich selbst.”

Arda, 19

 

“Das schlimmste ist, dass Fußball ausfällt, sag ich's mal so wie’s is.”

Joe, 23

Nutzer wollen persönliche Gefahr einschätzen

  • Die Nutzer möchten mit den Informationen zu Corona vor allem einschätzen, wie gefährdet sie persönlich sind.
  • Ein großer Informationsbedarf besteht zum Beispiel zu den Kapazitäten der Krankenhäuser im direkten lokalen Umfeld oder auch zu Corona-Tests am Wohnort (Wer wird getestet? Wie lang dauert das aktuell?).
Innovations-Tipp

Es besteht ein großer Bedarf, Antworten auf sehr individuelle Fragen zu geben. Hier können vor allem “Q&A”-Formate helfen, idealerweise so individualisiert wie möglich. Zahlen und Daten können bei der Einordnung besonders gut helfen.

 

“Es wäre gut zu wissen, ob hier im Wohnheim jemand infiziert ist.”

Lusine, 29

 

“Darf die Mama noch einkaufen gehen?”

Johanna, 29

Lokale Daten werden gesucht

  • Für die Menschen ist aktuell vor allem spannend, was in ihrer direkten Umgebung passiert. Infektionen in China oder Italien sind räumlich und gedanklich zu weit entfernt.
Innovations-Tipp

Der Informationsbedarf ist vor allem lokal hoch. Je mehr Daten und Informationen es so lokal wie möglich gibt, umso mehr bedient das die Bedürfnisse der Nutzer. Die Lage in anderen Ländern kann jedoch zur Prognose für die heimische Entwicklung dienen.

 

 

„Als die Fälle in Bayern kamen, war es ja noch ein paar Bundesländer weiter. Erst als der Virus Heinsberg erreichte, habe ich angefangen, mich zu informieren, weil es ja mein Bundesland war."

Louis, 24

 

"Ich schaue mir die Zahlen der Landkreise an um zu schauen, klingt vielleicht ein bisschen banal, aber wie nahe ist das Ganze schon?"

Norbert, 67

 

"Die Infos des Kreistagsabgeordneten sind für mich am wichtigsten. Die sind nicht ausgeschmückt, sondern das, was gerade mein Kreis betrifft. Das ist halt interessant. Wie sieht es bei mir aus in der Umgebung."

Johanna, 29

 

Nutzer wollen an die Quelle

  • Menschen interessieren sich vermehrt dafür, woher die Informationen kommen. Sie hinterfragen die Quelle von Nachrichten und suchen zum Teil sogar selbst nach Informationen, z.B. bei lokalen Gesundheitsämtern.
Innovations-Tipp

Nutzer wollen aktuell die Quellen genau wissen. Also lieber einmal öfter nennen und verlinken oder Daten ggf. gleich prominent einbinden.

 

"Hier geht es eben um Fakten. Und diese Fakten erfahre ich dort, wo Sie gesammelt werden."

Norbert, 67

 

“Ich vertraue dem Robert Koch Institut. Die sind für mich Nummer 1. Warum? Das ist das Offiziellste. Das ist die beste Information die man in Deutschland bekommen kann.”

Lusine, 29

 

Unsicherheit schürt Verschwörungen

  • Krisen sind häufig mit großer Verunsicherung verbunden und schaffen auch Raum für Verschwörungstheorien.
Innovations-Tipp

Die Verschwörungs-Theoretiker waren vor allem auf Facebook unterwegs - und merken sich hier auch nicht, aus welchen Quellen sie Nachrichten hatten. Besonders auf Facebook prominent aufzuklären, könnte als Anti-Fake-News-Maßnahme lohnen.

 

“Ich bin unsicher, ob die Lebensmittelversorgung aufrechterhalten werden kann.”

Horst, 71

 

“Ich glaube, der Virus wurde seit 1980 entwickelt, da wir zu viele Menschen sind.”

Andrea, 29

 

“Ich frage mich, ob die Politik das (über-)treibt oder verharmlost.”

Christina, 24

Distanz von Nachrichten gegen den Overkill

  • Krisenberichterstattung kann auch zu Abwehrreaktionen bei den Konsumenten führen, wenn sie sich von den Nachrichten überfordert fühlen und sie eher Abstand von den Geschehnissen suchen.
Innovations-Tipp

Manchmal ist weniger auch mehr. So kann für bestimmte Nutzer ein kurzer, komprimierter Überblick über die wichtigsten aktuellen Fakten einen echten Mehrwert darstellen.

 

“Ich informiere mich, möchte mich aber nicht nur mit Corona beschäftigen. Es tut mir nicht gut und ich brauche auch positive Aspekte.”

Angelika, 60

 

Über die Nutzerbefragung

  • Spannende Insights in aktuelles Mediennutzungsverhalten
  • Entscheidungshilfe für Medienhäuser, die auf qualitativen Daten beruht
  • Explorative Interviews à 30 Minuten
  • Fokus auf Informations- und Mediennutzungsverhalten vor und während der Corona-Krise
  • Befragungszeitraum: 19. - 25. März 2020
  • durchgeführt durch Thomas Hartmann (str84wd), Experte für Customer Development
  • 7 Personen zwischen 60 und 72 Jahren, die zur besonderen Risikogruppe der Krankheit gehören
  • 8 Personen aus der bildungsfernen Schicht zwischen 19 und 60 Jahren
  • 8 Personen zwischen 20 und 30 Jahren mit dem Abschlussgrad mittlerer Reife oder höher
  • Rekrutierung hauptsächlich über Facebook-Ads, sowie Ebay-Kleinanzeigen und WhatsApp
  • Incentive war ein Amazongutschein über 25 € bzw. die Spende von 25 € an kinderfamilienhaus.de

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