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Abschlussarbeiten im Media Lab | 27.06.2026

Volontariat: Prekäre Bedingungen und was sich ändern muss

Niedrige Gehälter, Befristungen, mangelnder Schutz: Die Arbeitsbedingungen im Journalismus werden zunehmend prekärer. Diese Entwicklung betrifft auch den Nachwuchs der Branche. Was können Medienhäuser tun, um die Arbeitsbedingungen für Volontär*innen zu verbessern?

Prekäre Arbeitsbedingungen im Journalismus

Wirtschaftliche Herausforderungen und der technologische Wandel setzen die Medienbranche zunehmend unter Druck. Für viele Journalist*innen gehen diese Entwicklungen mit einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen einher. Gehälter reichen häufig nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Zudem arbeiten immer mehr Journalist*innen in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen, etwa in Teilzeit oder auf Honorarbasis. Auch ein zunehmender Sinnverlust bei der Arbeit wird beschrieben. Die Forschung spricht deshalb von prekären Arbeitsbedingungen im Journalismus. Diese sind längst kein Randphänomen mehr, sondern betreffen einen relevanten Teil der Branche.

Ein Forschungsprojekt der LMU München zur Prekarisierung im Journalismus zeigt in mehreren Studien, dass insbesondere Berufseinsteiger*innen von den negativen Entwicklungen in der Branche betroffen sind. Viele Journalist*innen bewerten die Situation als so problematisch, dass in einer groß angelegten Befragung zwei Drittel der Teilnehmenden den Beruf für den Nachwuchs als unattraktiv einschätzen. Trotz dieser alarmierenden Ergebnisse ist die Situation von Berufseinsteiger*innen im Journalismus bislang nur wenig erforscht.

Für die meisten Nachwuchsjournalist*innen führt der Einstieg in den Beruf über ein Volontariat. Dabei durchlaufen angehende Journalist*innen eine ein- bis zweijährige Ausbildung, die die praktische Arbeit in verschiedenen Redaktionen eines Medienunternehmens mit theoretischen Lerninhalten verbindet. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Branche stellte sich die Frage, unter welchen Bedingungen journalistische Volontär*innen arbeiten und wie sie ihre berufliche Situation selbst bewerten.

Die Arbeitsrealität im Volontariat

Ich habe deswegen mit zwölf Volontär*innen verschiedener Medienhäuser gesprochen. Viele Volontär*innen berichten zunächst von positiven Erfahrungen. Sie fühlen sich in ihren Redaktionen sozial gut eingebunden, schätzen den Austausch mit Kolleg*innen und bauen sich während ihrer Ausbildung wichtige berufliche Netzwerke auf. Auch die soziale Absicherung funktioniert für die meisten Befragten: Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung sind in der Regel vorhanden. Gleichzeitig machen die Gespräche die Herausforderungen des journalistischen Nachwuchses deutlich.

Besonders häufig kritisieren die Volontär*innen die niedrige Bezahlung. Ein Großteil der Volontär*innen ist während der Ausbildung auf finanzielle Unterstützung ihrer Familien angewiesen oder kann den eigenen Lebensunterhalt nur unter erheblichen Einschränkungen bestreiten.

Zudem berichten viele von einer dauerhaft hohen Arbeitsbelastung und großem Leistungsdruck. Als besonders belastend wird die fehlende Planungssicherheit empfunden. Bei Volontariaten handelt es sich um befristete Verträge und oft bleibt bis kurz vor dem Ausbildungsende unklar, ob eine Weiterbeschäftigung möglich ist. Diese Unsicherheit wirkt sich auch auf das Privatleben aus: Entscheidungen über Wohnort oder Partnerschaften werden aufgeschoben.

Hinzu kommt, dass alle Befragten einen gesellschaftlichen Vertrauensverlust gegenüber dem Journalismus wahrnehmen. In einzelnen Fällen schlägt dieser sogar in offene Anfeindungen oder tätliche Angriffe auf Journalist*innen um.

Auch das Geschlecht spielt eine Rolle. Zwar zeigen sich im Volontariat keine Unterschiede bei Gehalt oder Vertragsbedingungen, dennoch berichten weibliche Volontärinnen von sexistischen Bemerkungen, erschwertem Zugang zu beruflichen Netzwerken und Situationen, in denen ihnen aufgrund ihres Geschlechts weniger Kompetenz zugetraut wird.

Auswirkungen auf Arbeit und Zukunftsperspektiven

Die beschriebenen Arbeitsbedingungen haben einen Einfluss auf das Arbeitsverhalten des journalistischen Nachwuchses. Ein Großteil der Volontär*innen berichtet von einem hohen Arbeitseinsatz und Engagement während des Volontariats. Dabei steht jedoch weniger der Wunsch im Fokus, ein*e gute*r Journalist*in zu sein, als vielmehr die Hoffnung, dadurch die Chance auf eine Anschlussbeschäftigung zu erhöhen. Andere geben an, ihren Arbeitseinsatz bereits bewusst zu reduzieren, weil sie aufgrund der hohen Belastung gesundheitliche Folgen befürchten. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass die Arbeitsbedingungen auch die journalistische Qualität beeinflussen. Vor allem Zeitdruck, aber auch lange Arbeitszeiten und eine hohe Arbeitsbelastung wirken sich nach Einschätzung der Volontär*innen negativ auf die Qualität ihrer Arbeit aus.

Zudem zeigen sich Auswirkungen der Arbeitsbedingungen auf die beruflichen Perspektiven der jungen Journalist*innen. Ein Großteil der Befragten kann sich eine langfristige Tätigkeit im Journalismus nur unter anderen Bedingungen vorstellen, als sie sie aktuell im Volontariat erleben. Sowohl finanzielle Sicherheit als auch Planungssicherheit seien dabei ausschlaggebend. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass der Beruf nur schwer mit Familienplanung und Privatleben vereinbar ist. Ein Teil zieht bereits während des Volontariats in Betracht den Journalismus zu verlassen.

Was Medienhäuser jetzt leisten müssen

Was ist also nötig, damit der journalistische Beruf auch weiterhin attraktiv für den Nachwuchs bleibt? Im Gespräch mit den Volontär*innen konnte ich konkrete Handlungsanweisungen für Arbeitgeber erarbeiten. V

olontär*innen verfügen bereits über umfangreiche akademische Qualifikationen, praktische Vorerfahrungen und bringen ein hohes Maß an Engagement mit. Eine angemessene Bezahlung erscheint daher nicht nur als Anerkennung dieser Leistungen fair, sondern ist auch entscheidend, um den Zugang zum Journalismus unabhängig von finanzieller Unterstützung, etwa durch das Elternhaus, zu ermöglichen.

Eine weitere Empfehlung besteht darin, Nachwuchsjournalist*innen mehr Perspektive und Planungssicherheit zu bieten. Auch wenn die Medienbranche insgesamt von einem tiefgreifenden Strukturwandel geprägt ist und langfristige Perspektiven nicht immer eindeutig aufgezeigt werden können, sollten Redaktionen transparent über Entwicklungsmöglichkeiten kommunizieren. Bestehen realistische Chancen auf eine Weiterbeschäftigung, sollten diese möglichst frühzeitig aufgezeigt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das gesellschaftliche Ansehen des journalistischen Berufs und der journalistischen Arbeit nimmt ab. Diese Entwicklung betrifft bereits den Nachwuchs der Branche, etwa wenn junge Journalist*innen während ihrer Arbeit tätliche Angriffe erleben. Arbeitgeber sind daher gefordert, den Nachwuchs besser auf diese Bedingungen vorzubereiten und angemessen zu unterstützen.

Und schlussendlich: Um junge Journalist*innen langfristig im Beruf zu halten, müssen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen und die gesundheitlichen Ressourcen der Nachwuchsjournalist*innen berücksichtigen.

Ella hat nun das Förderprogramm für Abschlussarbeiten durchlaufen. Du hast auch ein spannendes Thema? Melde dich bei uns!

Artikel written by

Ella Gößelein

Ella hat Politik in Bamberg und Journalismus in Leipzig studiert. Mit ihren Kommiliton*innen hat sie sich regelmäßig über Sorgen und Unsicherheiten beim Berufseinstieg ausgetauscht. Daraus entstand schließlich die Idee für ihre Masterarbeit. Nach verschiedenen Stationen als Werkstudentin und Praktikantin, unter anderem bei den Nürnberger Nachrichten, der dpa und dem MDR, startet sie im Oktober selbst als Volontärin beim WDR in Köln.

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