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18. März 2022
Lab News, Startupschool

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Rapid Prototyping at its best: Geflüchtete Ukrainer:innen finden ein Zuhause dank der Plattform Host4Ukraine

Foto: Stockmachine / Adobe Stock

Text: Sabrina Harper

Das Startup Churchpool hat über Nacht eine Webseite für die Beherbergung von geflüchteten Ukrainer:innnen gebaut. Aktuell verzeichnet die Seite am Tag an die 35.000 Zugriffe und sorgt dafür, dass geflüchtete Menschen Obdach finden.

Eigentlich arbeiten Bela Janauschek und Nils Bischoff im Media Startup Fellowship an ihrem Startup Churchpool - einer Plattform für Kirchen-Communities. Der Krieg in der Ukraine hat die beiden Gründer nicht kaltgelassen. Vor drei Wochen haben sie die Plattform Host4Ukraine aus dem Nichts geschaffen und leisten seitdem einen großen Beitrag in der Krisenbewältigung. Durch die Webseite werden Hilfsorganisationen bei der Vermittlung von Unterkünften entlastet und gleichzeitig finden geflüchtete Ukrainner:innen schnell ein Dach über dem Kopf. Im Interview geben die Gründer einen Einblick hinter die Kulissen.

Wie ist die Plattform Host4Ukraine entstanden?

Bela: Zuerst hatten wir eine Plattform gebaut, auf der Menschen freie Unterkünfte inserieren konnten. Dann haben wir bemerkt, dass geflüchtete Menschen die Plattform auch nutzen, um nach einer Unterkunft zu suchen. Also haben wir die Möglichkeiten erweitert und eine Suchfunktion hinzugefügt. Nun gibt es die Kategorie “Offering places” und “Looking for places”. Als nächstes möchten wir noch individuelle Bedarfe hinzufügen, zum Beispiel, ob ein Haustier erlaubt ist oder nicht.

Bela Janauschek & Nils Bischoff

Bela und Nils haben sich während ihres Studiums kennengelernt und waren anschließend beide in der Unternehmensberatung tätig. In ihren eigenen Kirchengemeinden in und um Bremen haben sie sich mit dem Strukturwandel der Kirche beschäftigt und gemeinsam Churchpool gegründet.

Warum habt ihr die Plattform Host4Ukraine an einem Wochenende gebaut?

Nils: Als die Situation mit Russland und der Ukraine akut wurde, waren wir, wie wahrscheinlich alle, geschockt. Wir haben überlegt, wie können wir helfen. Wir haben gesehen, wie Leute sich in Online-Excel-Listen eingetragen haben und dachten uns, das ist zu kompliziert und unübersichtlich für alle Beteiligten. Anstatt Listen zu matchen, dachten wir, es wäre effizienter, wenn geflüchtete Menschen und Personen, die Unterkünfte anbieten, direkt miteinander in Kontakt treten könnten. So haben die Hilfsorganisationen auch mehr Kapazitäten für andere Dinge, die in einer Krise auch wichtig sind.

Inwiefern konntet ihr auf Churchpool aufbauen?

Nils: Es hat auf jeden Fall geholfen, zu wissen, wie Software funktioniert. Churchpool hat zwar andere Anforderungen, wie etwa die Einhaltung des kirchlichen Datenschutzes und seine speziellen Anforderungen in Deutschland. Bei Host4Ukraine handelt es sich um eine Plattform, die sofort und international verfügbar sein muss. Deshalb haben wir es von Churchpool entkoppelt und eine eigene Plattform dafür gebaut.

Wie viele Menschen haben schon auf die Webseite zugegriffen?

Bela: Wir haben etwa 35.000 Zugriffe pro Tag und eine Verweildauer zwischen 5 und 10 Minuten. Wir haben inzwischen schon inserierte Unterkünfte aus mehr als 40 Ländern auf der Plattform. Wir können nicht ganz genau validieren, wie viele definitive Einzüge es gab: Wir stehen für den Erstkontakt und können nicht genau nachvollziehen, wer nun wo tatsächlich eingezogen ist. Nutzer:innen wechseln für weitergehende Kommunikation, zum Beispiel Videotelefonate, häufig die Plattform. Es werden, geschätzt, aber definitiv Zahlen im vierstelligen Bereich sein.

Ihr durchlauft aktuell das Media Startup Fellowship bei uns im Media Lab Bayern. Darin werden auch Innovationsmethoden vermittelt. Hat euch das weitergeholfen?

Nils: Die Methoden auch, aber vor allem der Spirit. Wir haben die Webseite an einem Wochenende gebaut und online genommen. Der Mut ein Grundprodukt zugänglich zu machen, welches gut ist, und on the run zu optimieren, ist etwas, was wir wirklich gelernt haben. Nach und nach haben wir Host4Ukraine dann an die Bedürfnisse der User und Userinnen angepasst, und tun das immer noch. Das ist ein klassischer Fall von Rapid Prototyping. Als nächstes arbeiten wir wie bereits erwähnt zum Beispiel an der Haustier-Funktion und an einer Verifizierungsmöglichkeit. Dazu sind wir mit einem internationalen Marktführer im Gespräch.

Wie geht es nun bei euch weiter?

Nils: Wie gesagt, wir arbeiten an weiteren Features für Host4Ukraine. Langfristig müssen wir schauen, ob das Projekt auch für andere Zwecke genutzt werden kann. Aber da ist noch nichts Konkretes in Planung.

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Ein Beispiel für digitales Communitybuilding

Bela: Bei Churchpool starten wir gerade einige Kooperationen, nicht nur mit Kirchen-Communities sondern auch mit Medienhäusern. Irgendwie beeinflussen sich auch beide Projekte. Gerade kirchliche Einrichtungen und Hilfsdienste sind bei Hilfsprojekten und in Krisen beteiligt. Das wirkt sich natürlich auch auf Churchpool aus.

Gibt es ein Learning, dass ihr an andere Startups weitergeben möchtet?

Nils: Es ist natürlich wichtig, sich auf sein Startup zu konzentrieren, aber es ist genauso wichtig, den Blick für andere Dinge offenzuhalten. Host4Ukraine hat uns gezeigt, dass wir, wenn es darauf ankommt, mit unseren Skills wirklich schnell weiterhelfen können. Jede und juder, der mit wachem Blick durch die Welt geht, kann im richtigen Augenblick einen super Beitrag leisten.

Wer sich bei Host4Ukraine beteiligen möchte, findet die Plattform hier.

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