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09.09.2021

Neue Arbeitsabläufe für das interdisziplinäre Zeitalter

Die Zeit, in der eine Autorin und ein Fotograf allein ein Medienprojekt stemmen konnten, sind vorbei. Heute arbeiten Teams aus vielen unterschiedlichen Spezialist:innen an einzelnen Projekten. Welches Potential in reibungsloser Zusammenarbeit steckt, wissen unsere Fellows von Anchorpoint.

Text: Christian Simon
Foto: MLB

 

Vor einigen Jahren beschäftigte die Medienbranche die Frage, ob alle Journalist:innen programmieren lernen müssten. Datenjournalismus begann damals, vom Nischeninteresse zur ernsthaften Disziplin zu werden und neue digitale Formate und Ideen benötigten IT-Know-How, das in den Redaktionen oft nur spärlich vertreten war. Nach und nach entwickelte sich die Antwort in vielen Redaktionen. Nein, nicht alle Journalist:innen müssen selbst programmieren können. Aber alle sollten in der Lage sein, mit einem Programmierer oder einer Programmiererin zusammenzuarbeiten.

Auch in anderen Bereichen moderner Medienarbeit hat sich die Zusammenarbeit zwischen Expert:innen unterschiedlichster Fachrichtungen etabliert. Das dazugehörige Buzzword: Interdisziplinarität. Ohne dezentrale, interdisziplinäre Zusammenarbeit wären multimediale Anwendungen oder große Teile der Corona-Berichterstattung nicht möglich gewesen - und auch nach der Pandemie wird die Wichtigkeit dieser Zusammenarbeit bleiben.  Auch außerhalb des Journalismus funktionieren aktuelle Projekte nur kooperativ, etwa in Gaming, Animation oder Film.


Zusammen mit seinen Kollegen Dennis Schlösser und Jochen Hunz gründete der 3D- und Digital Product Designer Matthäus Niedoba 2020 Anchorpoint. Das Tool versteht sich als “GitHub für die Medienproduktion” und bietet Anwendern Versionskontrolle, Taskmanagement und Review in einer Plattform. Mit ihrer SaaS-Lösung wollen die Gründer digitale, interdisziplinäre Projekte vereinfachen, im Medienbereich und anderswo.

Die Komplexität steigt

Fehler, Verzögerungen und Ineffizienz sind im Animationsbereich auch an anderen Stellen ein Problem - eines, das Matthäus als ehemaligem 3D-Designer nur zu bewusst sind. Selbst fortgeschrittene Animationsarbeit kann inzwischen auch von allen, auch kleineren, Studios erledigt werden. Als Alleinstellungsmerkmal suchen die Firmen deshalb nach immer komplexeren und detaillierteren Angeboten für ihre Kunden. Das erfordert immer mehr Zusammenarbeit zwischen immer spezialisierteren Expert:innen und steigert dadurch auch die Komplexität jedes Projektes. Den Impact dieser Komplexität durch bessere Kooperation, clevere Automatisierung und neue Tools zu begegnen ist also, neben aller Fehlervermeidung, auch ein knallharter Wettbewerbsvorteil.

Ein Blick in die Anchorpoint-App: Alle Dateiversionen auf einen Blick

Eine Pipeline statt komplizierter Absprachen

Und das gilt eben auch für den Journalismus. In einem aktuellen Medienprojekt, dass Matthäus analysiert hat, kooperieren Redaktionen aus dem Fachbereichen Social Media, Text und Video mit Programmierer:innen und Grafiker:innen. Der größte Aufwand dabei: Die Synchronisation verschiedener abgenommener (oder nicht-abgenommener) Versionen, sowie das Zusammenführen verschiedene Inhalte. “Das brauchte natürlich alles eine riesige Menge an Absprachen via Chat, in Meetings und so weiter. Ideal wäre doch, wenn EINE Person mit Projektverantwortung EINE Pipeline kontrollieren könnte, in der alle anderen in ihrem Fachbereich weiterarbeiten und alles automatisch synchronisiert wird. Genau das versuchen wir mit Anchorpoint anzubieten.”

Multichannel ist die Zukunft

Eine neue Lösung ist bitter nötig, weiß der Experte. Neue Trends entwickeln sich auch im Medienbereich immer schneller, und immer mehr Know-how ist gefragt. Projektorganisation und -tools müssen dabei Schritt halten.

Besonders, wenn die Zukunft so interdisziplinär wird, wie Matthäus glaubt: “Hybride Teams, also Teams bei denen manche im Büro und manche von Zuhause arbeiten, sind keine Zukunftsmusik - das passiert schon jetzt!” Die Zukunft werde noch mehr Kollaboration beinhalten. Eine einfache Werbekampagne zum Beispiel umfasst schon heute nicht mehr nur ein Plakat, sondern auch eine Social-Kampagne oder einen Podcast. Wenn auch noch eine VR Experience oder ein Placement in einem Videospiel dazukommen (Fortnite, anyone?), wird alles noch komplizierter und auf noch mehr Channels verteilt.

Die einzige Möglichkeit für Medienunternehmen mit der wachsenden Komplexität Schritt zu halten: Ein Umfeld ermöglichen, in dem Medienmacher:innen unterschiedlichster Expertise konstruktiv und effizient zusammenarbeiten können. Denn die Zeit der Einzelkämpfer:innen ist endgültig vorbei - es beginnt das Zeitalter der Kooperation.

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