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18. Mai 2020

Blitzstudie: Wochenblätter sollten mehr Digital wagen

Wir haben Menschen in qualitativen Interviews nach ihrer Meinung zu Wochenblättern gefragt. Die Ergebnisse zeigen, wo Wochenblätter im Internet Chancen haben - und warum sie ihren Nutzern mehr Digitales zumuten können.

 

Dem Klischee zufolge ist die typische Wochenblatt-Leser*in eher ein älteres Semester, wohnt eher auf dem Land und steht allem, was mit Internet zu tun hat, eher skeptisch gegenüber. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, zeigt die neue User Research zur Nutzung von Wochenblättern, die wir vom Media Lab Bayern gemeinsam mit unseren Agentur-Partnern str48rd und creaffective durchgeführt haben.

 

In 70 Interviews mit jungen und alten Menschen, Stadt- und Landbewohnern haben wir herausgefunden, dass die Wochenblätter von vielen genutzt werden - sogar von denen, die sie für “Käseblätter” halten. Nur 19 Befragte waren konsequente Nicht-Nutzer. Und unsere Befragung zeigt auch, wie sehr Physisches und Digitales auch in der Generation 70+ schon verbunden sind: So berichtete uns etwa eine Befragte, interessante Infos aus dem Wochenblatt fotografiere sie mit ihrem Smartphone, um sie per WhatsApp an Freunde und Verwandte zu schicken.

Große Herausforderungen - aber lösbar

Unsere Ergebnisse bestätigen viele Grundannahmen über Wochenblätter: Ihr hyperlokaler Ansatz wird geschätzt, Werbung durchaus nicht immer als störend empfunden und Ältere nutzen sie mehr als Jüngere. Die großen Konkurrenten sind vor allem Onlineportale wie Facebook (für Veranstaltungshinweise), eBay (für Kleinanzeigen) und nebenan.de (für den Austausch in der Nachbarschaft). Doch unsere Befragung zeigt auch, dass es viele Bereiche gibt, in denen Wochenblätter noch Boden gutmachen können - auch digital.

»Wochenblätter könnten dabei helfen, dass sich Nachbarschaften
zusammenschließen. Dass sie sich gegenseitig
aushelfen mit Arbeiten und dem Austausch von
Zeit. Sie könnten eine Art großes Schwarzes Brett /
Forum für ein solches Anliegen bieten.«
Karin, 67

Ließe sich das Teilen von Inhalten nicht einfacher gestalten als oben beschrieben? Unsere Befragung zeigt auch, dass vielen in der Anonymität des Internets ein lokales Forum fehlt, um Dinge einfach zu verschenken und weiterzugeben. Viele geben gerne an die Nachbarn oder das nähere Umfeld - könnte ein Wochenblatt ein Tool bauen, das dieses Bedürfnis unterstützt? Und wie könnten Wochenblätter einfach und digital eine Übersicht für Veranstaltungen bieten, die junge Leute interessieren - alles, was zu klein oder zu lokal für die großen Veranstaltungsportale ist?

»Für mich ist es wichtig, dass die Sache persönlich ist.
Unpersönlich, nur Handynummer ist für mich schwierig.
Ich brauche eine persönliche Empfehlung, ich bin da
schon misstrauisch. Einfach nur Nachbarn oder Handwerker
anrufen, ist nicht meins.«
Angelika, 68

Vom Nicht-Leser zum Leser

Denn auch jüngere Menschen kennen die Wochenblätter, auch wenn sie sie bisher oft weniger intensiv lesen. Wir beschreiben zwei konkrete Wege, wie der Weg vom Wochenblatt-Verächter zum -Fan funktionieren kann: Die Geburt des ersten Kindes scheint für viele junge Familien ein Katalisator zu sein, und Singles, die Anschluss am neuen Lebensmittelpunkt suchen, könnten sich ebenfalls vorstellen, aufs Wochenblatt zurückzugreifen.

»Ich wünsche mir mehr Berichte über lokale, zeitnahe Geschichten,
Push-Benachrichtigung wie »Einbrecher flüchtet bei Schloss
Nymphenburg«, das letzte Sturmtief, S-Bahnstörungen – zeitnahe
Infos wichtig und sehr interessant.«
Michelle, 21

Insgesamt haben schlagen wir in den Ergebnissen unserer Befragung 29 Challenges identifiziert, deren Lösung sich für Wochenblätter lohnen könnte.

Alles in allem gibt unsere Studie, bei allen bekannten Problemen, die sie aufdeckt, Grund zum Optimismus für Wochenblätter und die Medienhäuser dahinter. Die Nutzer*innen sind da, sie sind durchaus auch digitaloffen und könnten sich vorstellen, neue Produkte zu nutzen. Neue und jüngere Leser*innen könnten gewonnen werden. Und das Werbenutzungsverhalten der Wochenblatt-Nutzer*innen ist ein schlagkräftiges Argument für den Anzeigenverkauf.

Alle Ergebnisse jetzt gratis nutzen

Alle Ergebnisse des Media Lab User Research stehen jetzt online für alle Interessierten zur Verfügung, als Überblick in Form einer Infografik oder als ausführliches PDF mit allen Customer Jobs, relevanten Nutzer-Zitaten und identifizierten Challenges. Bei allen Fragen steht das Media Lab unter hi@media-lab.de jederzeit gerne zur Verfügung.

Habt ihr Feedback? Könnt ihr mit den Ergebnissen etwas anfangen, und helfen sie euch bei der Produktentwicklung? Wie setzt ihr sie in eurer Arbeit ein? Braucht ihr sowas eigentlich überhaupt nicht? Wie könnte man euch sonst unterstützen? Wir freuen uns auch über jedes Feedback, wieder gerne an hi@media-lab.de.

Text: Christian Simon

Christian Simon

Christian Simon hat nach dem Studium der Politik- und Medienwissenschaften und des Journalismus zunächst als Nachrichtenredakteur für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet. Inzwischen ist er hauptberuflicher Innovation Editor beim Media Lab Bayern und unterstützt Startups, Medienhäuser und Medienpioniere bei der Innovation.

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