Abschlussarbeiten im Media Lab | 04.03.2026
Flow statt Fokusverlust: VR-Seminarpausen mit Mehrwert
Motivation im Seminar weg? Wie wär’s mit Virtual Reality? Schon kurze VR-Sessions in Seminarpausen können als aktivierender Reset wirken, Motivation steigern und Teilnehmende mit frischem Fokus zurück ins Seminar bringen. Ein Blick auf Daten, Erlebnisse und echtes Potenzial.
In vielen Seminaren fiel mir eines immer wieder auf: In Pausen passiert viel, nur selten etwas, das wirklich beim Wiedereinstieg hilft. Teilnehmende scrollen, unterhalten sich, holen Kaffee. Körperlich ist man zurück, mental oft nicht. Da stoßen auch klassische Aktivierungsübungen an ihre Grenzen: “Zip Zap Boing” oder “Klatschen weitergeben” wirken meist mechanisch und überfordern eher, als dass sie helfen. Im Rahmen meines Masterstudiums Digital Learning an der Hochschule Ansbach stellte ich die Frage, was passiert, wenn Seminarpausen gezielt gestaltet werden, und zwar mit Virtual Reality. Aber: nicht Technik um der Technik willen, sondern VR als Werkzeug zur Reaktivierung von Motivation und Aufmerksamkeit.
Warum gerade Virtual Reality?
Virtual Reality ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Fortschritte in der Technik und bezahlbare Hardware machen VR für Bildung, Training und Alltag zugänglich. Im Unterschied zu klassischen zweidimensionalen Medien erzeugt VR ein starkes Gefühl des tiefen Eintauchens, also der sogenannten Immersion. Die reale Umgebung tritt in den Hintergrund, Aufmerksamkeit verlagert sich vollständig ins Erleben. Das kann natürlich auch einfach ein netter Nebeneffekt sein, aber es ist auch praktisch nutzbar.
Wirkungssteigerungen durch VR
Das zeigen auch die Ergebnisse meiner VR-Versuche in einem realen Seminar mit 38 Teilnehmenden:
Motivation steigt
Die durchschnittliche Motivation der Gruppe nahm nach der VR-Session in der Pause deutlich zu. Dabei handelte es sich nicht um einen einzelnen Ausreißer, sondern um einen durchgängig positiven Trend über verschiedene Motivationsaspekte hinweg, darunter Beteiligung, intrinsische Motivation und persönliches Engagement.
Aktivierung wächst
Nicht nur die Motivation, sondern auch die geistige Wachheit stieg messbar an. Nach der VR-Intervention gaben viele Teilnehmende höhere Werte bei Konzentration und Präsenz an.
Emotionale Stimmung verbessert sich
Meine Vorher-Nachher-Befragung der Seminargruppe zeigte außerdem eine Zunahme positiver Affekte und einen gleichzeitigen Rückgang negativer Gefühle. Die beschriebenen Wirkungen reichten von Entspannung bis hin zu einem Gefühl von Flow und neuer Energie.
Diese Ergebnisse beruhen auf subjektiven Fragebogendaten, die jedoch einheitlich in dieselbe Richtung weisen. Sie machen deutlich, dass VR nicht nur unterhält, sondern gezielt emotionale und kognitive Prozesse beeinflussen kann.
Rückmeldungen: Abtauchen, Reset, Neustart
Bisherige Untersuchungen zu Virtual Reality konzentrieren sich überwiegend auf Lerninhalte und Trainingssituationen, etwa wenn komplexe Inhalte direkt in VR vermittelt oder praktische Fertigkeiten simuliert werden. Deutlich weniger untersucht sind kurze, gezielte VR-Interventionen im Seminaralltag: also genau die Momente, in denen Aufmerksamkeit nachlässt, mentale Ermüdung einsetzt und Motivation bröckelt. Dabei zeigen erste Arbeiten, dass schon einzelne, kurze VR-Sessions Aufmerksamkeit und emotionale Zustände messbar verbessern können, etwa durch Attention-Restoration-Ansätze oder naturbasierte VR-Entspannungsumgebungen – und zwar besser als klassische Entspannungsübungen und zweidimensionale Medien.
Die Rückmeldungen der Seminargruppe zeigen: Das VR-Erlebnis in den Seminarpausen trug genau dazu bei, wofür Pausen da sind, nämlich Entspannung und mentale Reaktivierung. Viele beschrieben das Erlebnis als Abtauchen, Reset oder als eine Art energetischen Neustart. Typische Aussagen waren zum Beispiel:
- „Ich war danach wacher.“
- „Das hat Spaß gemacht und mich trotzdem fokussiert.“
- „Ich kam konzentrierter zurück ins Seminar.“
VR-Pausen perfektionieren: Technik trifft Didaktik
Übertragen auf den Seminaralltag bedeutet das: Kurzformatige VR-Pausen können als „mentaler Reset“ eingesetzt werden, um Teilnehmende wieder wacher, fokussierter und emotional positiver in den nächsten Lernabschnitt zurückzubringen. Ein Punkt ist dabei zentral: Technik allein reicht nicht – Gestaltung, Dauer und Kontext müssen optimal zusammenpassen. VR ersetzt keine Didaktik, sondern unterstützt sie gezielt und situativ.
Meine Ergebnisse werfen außerdem neue Fragen auf: Was sind die Langzeitwirkungen von regelmäßigen Einsätzen? Welche Unterschiede machen Erholungs- und Aktivierungsszenarien aus? Und welche Rolle können adaptive Systeme spielen, die sich an den Zustand der Nutzenden anpassen? Wenn Forschung diese Fragen beantwortet, können Pausen zu bewussten Reset-Momenten mit echter Wirkung werden – ein Gewinn für Lernende und Lehrende.
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