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Abschlussarbeiten im Media Lab | 08.01.2026

Auf der Suche: Die Transformation von sozialen Netzwerken

Suchmaschinen sind das zentrale Tor zu Informationen – doch zunehmend übernehmen Instagram und TikTok diese Rolle. Algorithmen, Kurzvideos und Viralität verändern, wie Inhalte gefunden, bewertet und verbreitet werden. Entsteht hier eine neue Form der Online-Suche jenseits klassischer Systeme?

Betrachtet man das Internet als das Zusammenspiel unterschiedlicher Dateien und Dienste, fungieren Suchmaschinen als das Bindeglied an der Spitze: 81 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen sie laut ARD/ZDF-Onlinestudie mindestens einmal wöchentlich. Kein anderer medialer Dienst verzeichnet eine so hohe Verwendung. Damit haben Suchmaschinen einen immensen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Informationen. Aber zählen auch Social-Media-Apps zu diesen Retrieval-Systemen?

Klassische Suchmaschinen und soziale Netzwerke

Mit Retrieval-Systemen verbinden wir zunächst Anwendungen wie Google, Yahoo oder Bing. Diese verstehen sich als Universalsuchmaschinen, die Inhalte durch komplexe Rankingverfahren bewerten und die Dokumente in einer bestimmten Reihenfolge zurückgeben. Dafür müssen kontinuierlich unterschiedliche Quellen gescannt und ins bestehende Netzwerk verfügbarer Verzweigungen aufgenommen werden.

5 Quadrate symbolisieren im Schaubild die 5 Schritte einer Suchanfrage, von Auswahl der Suchmaschine bis Navigation/Suche innerhalb einer Website.
Ein typischer Verlauf einer Suchanfrage umfasst mehrere Stationen. In “Suchmaschinen verstehen” beschreibt Prof. Dirk Lewandowski sie in fünf teils iterierenden Schritten.

Soziale Netzwerke werden im Kontext der Retrieval-Systeme als Sonderkategorie gelistet, auch wenn ihre Funktionsweise nahezu identisch ist. Es handelt sich hier dennoch nicht um Suchmaschinen im klassischen Sinne, sondern um Spezialsysteme mit eigenen Parametern und Einschränkungen. So werden hier (neben weiteren Besonderheiten) nur Inhalte gelistet, die von Nutzenden selbst erstellt oder verlinkt wurden. Eine Verzweigung in andere Systeme gibt es in der Regel nicht.

Die Erfolgsgeschichte von Kurzvideos

Umgekehrt ist eine Verzweigung von klassischen Suchmaschinen in Social Media mittlerweile gang und gäbe: Das Alleinstellungsmerkmal von Instagram und TikTok liegt in ihrer Viralität. Keine anderen sozialen Netzwerke ermöglichen unabhängig der eigenen Followerzahlen ein so hohes Reichweitenpotenzial. Privatpersonen und Unternehmen können mit einem einzigen Video über Nacht immense Aufmerksamkeit erhalten und kurzfristig neue Zielgruppen erschließen. Die Inhalte werden teilweise sogar über Plattformgrenzen hinaus sichtbar und finden ihren Weg in klassische Suchmaschinen.

Information Retrieval auf TikTok

Im Zuge dieser neuen Entwicklungen versuchen Social-Media-Dienste nun auch das Feld der Suchmaschinen für sich zu erobern – und stecken damit im Umbruch. Sie implementieren kontinuierlich neue Funktionen und optimieren bestehende Mechanismen für eine verbesserte Bereitstellung und Visualisierung von Informationen. Als Beispiel dafür könnte die neue und prominentere Platzierung der Suchleiste, die stärkere Vernetzung der Startseite mit Suchanfragen oder die erweiterte Ausspielung von Video(meta)daten innerhalb der Suche genannt werden. Allein damit befinden sie sich in Konkurrenz mit etablierten Informationsdiensten. Mit einer erfolgreichen Positionierung könnte sich langfristig das Suchverhalten der Bevölkerung von klassischen Suchmaschinen (noch) stärker auf die neueren Spezialsysteme verlagern.

Da sich die Entwicklung als Suchmaschinen für die Social-Media-Dienste augenscheinlich lohnt, forcieren Kurzvideoplattformen den eigenen Umbau umso mehr. Doch wie sieht eine optimierte Oberfläche im Sinne des vorrangigen Informationsretrievals überhaupt aus? Dafür habe ich mit über 100 Interviews aufgeschlüsselt, was Usern auf der Plattform gefällt und was fehlt. Herausgekommen sind Anpassungen im Feld der Suchzeile, Informations- und Trefferseiten. Mit der Masterarbeit entstand ein visueller Handlungsplan, um TikTok auf Basis von Erfahrungswerten und Nutzungstrends weiterzuentwickeln – und damit noch zukunftsfähiger zu machen.

Simon hat nun das Förderprogramm für Abschlussarbeiten durchlaufen. Du hast auch ein spannendes Thema? Melde dich bei uns!

Artikel written by

Simon Pycha

Simon Pycha hat Linguistik (B.A), Data Science (B.Sc) und Medieninformatik (M.Sc.) studiert. Er arbeitet als freier Journalist für diverse Medienhäuser (wie RTL und WDR) und erklärt mediale Phänomene (auf dwdl.de oder queer.de). In seiner Masterarbeit entwickelte er eine optimierte Benutzungsoberfläche für die Suche der Kurzvideoplattform TikTok.

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