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28. Juli 2020

Von science at a glance zu facts2go: Eine aufregende Lernreise in zwei Monaten

Melanie Wyssen-Voss hat ihre Reise als Rocking Science Journalism Fellow gerade erst angetreten - und jetzt ist sie schon fast wieder vorbei. Trotzdem ist dabei eine Menge passiert! Was genau, beschreibt sie hier.

Fast kommt es mir so vor, als hätte ich meine Reise als Rocking Science Journalism Fellow gerade erst angetreten und dabei ist sie schon fast wieder vorbei. Und auch wenn es nur zwei Monate waren, ist doch schon eine Menge passiert. Aber der Reihe nach:

In meinem letzten Blogpost hatte ich bereits berichtet, mit welcher Fragestellung ich gestartet bin und was ich in den ersten Interviews mit Nutzer*innen über mein “Problem” gelernt habe. Die initiale Frage lautetet:

“Wie können wir Informationen, die komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und auf Qualität überprüft wurden, so zur Verfügung stellen, dass sie an das jeweilige Vorwissen des jeweiligen Rezipienten andocken und dort, so über die Zeit zu einem nachhaltigeren Wissenschaftsverständnis führen?”

Von der Idee zum Produkt: Der erste Pretotype

Auf Basis der Erkenntnisse aus den ersten Experimenten, habe ich im nächsten Schritt zunächst einen einfachen Pretotypen erstellt, bei dem es mir vor allem darauf ankam in Interviews herauszufinden, wie die skizzierte Lösung bei meinem Zielsegment ankommt. Die kritischste Annahme meines dritten Experiments lautete: “Die befragten Nutzer*innen würden zur Information über relevante wissenschaftliche Themen eher science2go als Google nutzen.”

Ich testete den Pretotypen mit insgesamt fünf Nutzer*innen in persönlichen Interviews. Der Tenor der Reaktionen war sehr positiv. Größtes Thema war - wie auch schon in den Interviews - die Frage der Glaubwürdigkeit und die Gewichtung der Quellenauswahl. Die Aufteilung in leicht verdauliche, kurze Infos und eine Quellen- und Medienauswahl zur Vertiefung kam gut an. Meine Testnutzer*innen gaben mehrheitlich an, science2go (so hieß mein Projekt inzwischen) lieber als Google nutzen zu wollen, wenn es darum geht sich schnell einen guten Überblick zu einem relevanten Thema zu verschaffen.

Das Produkt reift heran: Vom Pretotype zum Prototype

Das Feedback zum Pretotypen war dann die Grundlage für den ersten Prototypen. Ich habe mich bei der Umsetzung nach einem kurzen Experiment mit Marvelapp für WordPress als Prototyping-Tool entschieden, da ich mich damit einigermaßen auskenne und die neuen Themes alle responsive sind. Das war mir wichtig, denn ich hatte in meinen Interviews auch gelernt, dass die Nutzer*innen in den allermeisten Situationen, in denen science2go zum Einsatz kommen würde, nicht am Schreibtisch sitzen.

Mit meinem Prototypen plante ich den ersten quantitativen Test. Die Idee war, mindestens 100 Tester*innen zu finden, die sich den Prototypen anschauen und ihn bewerten. Ich wollte herausfinden, ob ein Angebot, wie ich es mir auf science2go vorstelle ausreicht, damit sich die Tester*innen zum Thema ausreichend gut informiert fühlen.

Um Tester*innen zu gewinnen, startete ich Aufrufe in verschiedenen Social Media.

Insgesamt fand ich so 116 freiwillige Tester*innen innerhalb von nur wenigen Tagen. Von dem wirklich sehr zahlreichen und überwiegend positiven Feedback war ich selbst sehr überrascht.

Auch wenn ich im Prototypen nur ein paar exemplarische Informationen zusammengetragen und eine kleine Quellenauswahl zur Verfügung gestellt hatte, gaben fast 40% der Tester*innen an sich sehr gut informiert zu fühlen. Und umgekehrt gaben nur rund 16% der Tester*innen an, dass ihnen science2go nicht weitergeholfen hat. Neben der Bewertung bekam ich auch viel hilfreiches qualitatives Feedback, von dem einiges bereits in die Weiterentwicklung des Prototypen geflossen ist. Besonders gefreut habe ich mich über die ermutigenden Kommentare von einigen Tester*innen. “Schnelle und zuverlässige Informationsmöglichkeit zu komplexen Themenfeldern. Super Idee!”, schrieb mir beispielsweise eine Testerin. Besonders gefreut habe ich mich über das Feedback einer Kollegin aus dem Rocking-Science-Journalism-Programm, der Wissenschaftsjournalistin Alexandra von Knobloch. Sie schrieb: “Ich finde den Ansatz hervorragend. Eine journalistisch kuratierte Wikipedia - aber viel nutzerfreundlicher.”

Die nächste Etappe

Auch wenn ich mit einer rein wissenschaftlichen Orientierung ins Rennen gegangen war, habe ich unterwegs gemerkt, dass der Begriff der “Science” eigentlich für das, was ich im Sinn habe, viel zu eng gewählt ist. Mein Projekt läuft daher jetzt unter dem Titel facts2go - Wissen zum Mitnehmen weiter. Ich finde, dass es den Kern des Angebotes viel besser trifft. Perspektivisch könnte das ganze eine native App werden. Ich würde mich aber gerne im nächsten Schritt erstmal tiefer mit den Inhalten beschäftigen, so dass ich plane mein MVP, als mobile Webseite mit zunächst drei ausgearbeiteten Themen zu gestalten. Wenn Euch interessiert wie es weiter geht, schaut doch gelegentlich (gerne mobil) mal auf der Webseite vorbei. Feedback ist ausdrücklich erwünscht: mwv@digitalstation.net


Melanie Wyssen-Voss

Ich bin selbständige Beraterin und Coach für Digitalisierung, Leadership und Transformation in Organisationen und seit 1. Mai Fellow beim Rocking Science Journalism Programm des Media Lab Bayern. Vor meiner Selbständigkeit war ich rund 20 Jahre lang im Bereich Marketing und Kommunikation in größeren Unternehmen und Beratungshäusern unterwegs.

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