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15. Juni 2020

Science at a glance - Wissenschaft für alle zugänglich machen

Wer sich nicht nur oberflächlich über konkrete wissenschaftliche Themen informieren will, braucht heute einen langem Atem bei der Infomationsbeschaffung. Das muss doch auch anders gehen, oder?

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von wissenschaftlichen Informationen auf unterschiedlichen Flughöhen, die im digitalen und analogen Raum - teils kostenlos, teil im Abo - zu erhalten sind. Zu nennen sind hier Fachzeitschriften (z.B. Nature, The Lancet), Wissenschaftsportale oder Blogs, die sich in Ihrer Ausrichtung eher an ein Fachpublikum richten, Magazine wie Spektrum der Wissenschaft, das auch interessierten Laien einen Zugang ermöglicht, Wissenschaftseditionen aus verschiedenen Verlagshäusern mit unterschiedlichen Flughöhen, digitale Angebote von wissenschaftlichen oder universitäten Einrichtungen (z.B. Robert Koch-Institut, Fraunhofer Institut, ifo-Institut) und digitale Angebote von Rundfunkastalten und Medienhäusern (z.B. vom BR Wissen oder Quarks vom WDR). Hinzu kommen einzelne Podcast-Angebote  oder Angebote auf YouTube (z.B. maiLab).

Die meisten der genannten Angebote fokussieren dabei auf einen bestimmten Themenbereich oder auf ein bestimmtes Zielpublikum (mit bestimmten Vorwissen). Einige der Angebote wie z.B. die Podcast und Videoserien sind vor allem dazu geeignet, sich grundsätzlich über wissenschaftliche Themen zu informieren, eignen sich aber nicht unbedingt zur Beantwortung einer bestimmten Fragestellung und sind auch nicht unbedingt auf bestimmte Vorkenntnisse hin personalisiert. Bei Angeboten, die sich an Nichtwissenschaftler wenden, findet i.d. Regel keine Kuratierung unterschiedlicher Quellen sondern eine journalistische Aufbereitung von wissenschaftlichen Inhalten statt.

Von der individuellen Befindlichkeit zur Forschungsfrage

(Photo by timJ on Unsplash)

Auf Basis dieser persönlichen Ausgangsfrage kam ich zu meiner initialen Fragestellung für das Rocking-Science-Journalism-Programm:

Wie können wir Informationen, die komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und auf Qualität überprüft wurden, so zur Verfügung stellen, dass sie an das jeweilige Vorwissen des jeweiligen Rezipienten andocken und dort so über die Zeit zu einem nachhaltigeren Wissenschaftsverständis führen?

Da ich zunächst von meinem ganz persönlichen und vielleicht sehr individuellen Problem gekommen bin (und mir über mögliche Lösungen noch keine tiefergehenden Gedanken gemacht habe), war es mir mit dem Start des Programms wichtig, in Erfahrung zu bringen, ob sich mein Problem überhaupt quantifizieren lässt und wenn ja, wie andere mit einem ähnlichen Problem ihre Ausgangssituation und ihren Ansatz zur Problemlösung beschreiben würden.

Bei der Definition meines Zielgruppensegmentes habe ich auf Basis meiner Erfahrungen selbstreferentiell gearbeitet und mich deshalb auf Personen zwischen 30 und 60 Jahren mit vorwiegend akademischen Hintergrund fokussiert.

Vertrauen ist für viele der Befragten sehr wichtig

Die erste Annahme, die ich nun in der Erforschung des Problemraumes validieren wollte, war, dass Personen aus dem o.g. Personenkreis grundsätzlich daran interessiert sind, sich aktiv über wissenschaftliche Hintergründe zu gesellschaftlich relevanten Themen zu informieren. Dafür habe ich Interviews mit 11 Nutzer*innen geführt, die ich über einen Aufruf auf Twitter und LinkedIn gewonnen habe. Ich konnte meine Annahme validieren, dass es hier einen großen Bedarf gibt und das vorhandene Lösungen als zu schwerfällig wahrgenommen werden. Eine Nutzerin beschrieb das wesentliche Problem treffend: “Wenn ich in Google nach Informationen zu solchen Themen suche, nervt mich momentan, dass ich selbst herausfinden muss, welche der Quellen tatsächlich glaubwürdig sind.”

Ein anderer Nutzer nannte ein ähnliches Problem: “Bei den Suchergebnissen ist viel Quatsch und viel Meinung dazwischen. Bei journalistischen Texten habe ich zudem oft das Gefühl, dass die Journalist*In davon ausgeht, dass ich ein gewisses Vorwissen mitbringe, auch wenn das in vielen Themen nicht der Fall ist.” Da die Mehrheit der Befragten angab, dass das Thema Vertrauen gerade bei wissenschaftlichen Themen für sie ein übergeordnete Rolle spielt, bin ich diesem Thema in meinem Folge-Experiment weiter nachgegangen und habe gefragt, wie wichtig persönliche Empfehlungen für die Nutzer*Innen sind. In der Tat gaben viele Nutzer*Innen an, bei Fragen entweder direkt auf einen persönlich bekannten Experten zuzugehen oder eine gefundene Quelle durch diese validieren zu lassen.

Insgesamt konnte ich herausarbeiten, dass Expertenmeinung - ob persönlich oder nur öffentlich bekannt - insgesamt höher bewertet und neutraler eingeschätzt werden als Journalistenmeinungen. Bei der Frage welche Experten denn die glaubwürdigsten sind, bekam ich interessanterweise mehrfach die Antwort, dass es die sind, die jemand persönlich am sympathischsten erscheinen. Ausgerüstet mit den Erkenntnissen aus diesen beiden ersten Experimenten, mache ich mich im nächsten Schritt an den Bau eines ersten Prototypen und freue mich schon darauf, diesen mit weiteren Nutzern zu verproben.

Wenn Ihr Euch für meine Ergebnisse interessiert oder Lust habt, mich bei weiteren Validierungsrunden zu unterstützen, schreibt mir bitte einfach unter mwv@digitalstation.net.

Text: Melanie Wyssen-Voss
Bild: Science in HD on Unsplash

Melanie Wyssen-Voss

Ich bin selbständige Beraterin und Coach für Digitalisierung, Leadership und Transformation in Organisationen und seit 1. Mai Fellow beim Rocking Science Journalism Programm des Media Lab Bayern. Vor meiner Selbständigkeit war ich rund 20 Jahre lang im Bereich Marketing und Kommunikation in größeren Unternehmen und Beratungshäusern unterwegs.

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