Keine Medien-Innovationen, Events und Startups mehr verpassen? Abonniere unseren Newsletter! Will ich haben!

Media Lab Bayern Newsletter

(Kommentare: 0)

03.02.2021

Nur mal schnell die Welt checken - 100 Sekunden Lokalnachrichten

Wie konsumieren junge Menschen Nachrichten aus ihrer Region? Greifen sie zum E-Paper oder zur App? (Spoiler: Nichts von dem). Die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) wollte wissen, wie sich junge Menschen zwischen 17 und 28 Jahren lokalen Nachrichten nähern? Wie werden sie auf unsere Marke aufmerksam? Wie interagieren sie mit uns?

#UseTheNews

Die ZGO nimmt an dem Projekt #UseTheNews der dpa und weiterer Partnern aus den Medien und der Medienforschung teil. Ziel des Projektes ist es, neue Informationsangebote für die junge Zielgruppe zu entwickeln. Für die ZGO nahmen Jürgen Stricker, stellvertretender Chefredakteur und Lars Reckermann (Forschung und Entwicklung) im Rahmen des Research & Development Fellowship Programms des Media Lab Bayern unter dem Namen #UseTheNews Team Format teil.

Wie war Dein letztes Mal?

In mehr als 20 Interviews wurden junge Menschen zwischen 17 und 28 Jahren befragt, wie sie Nachrichten konsumieren. Wichtig war uns, dass es sich um junge Menschen aus dem Umfeld der ZGO handelt. Das heißt junge Menschen, die eher aus einer ländlichen Region und nicht aus einer Großstadt kommen. Deshalb konzentrierte sich die Befragung zu 90 Prozent auf Menschen aus Emden, Leer oder Aurich. Die Eröffnungsfrage lautete in den meisten Fällen: „Erzähl mir von Deinem letzten Mal, als Du eine Nachricht gesucht oder eine Nachricht benutzt hast.“

Die schnelle Nachrichtendosis am Morgen

Die Ostfriesen Zeitung genießt bei allen Befragten ein gutes Ansehen. Sie wird als seriöses Medium wahrgenommen, dem man fast schon blind vertrauen kann. „Wenn ich die OZ als Absender sehe, weiß ich, dass ich den Nachrichten vertrauen kann“ (Nick, 19). Allerdings gehört der Blick in die Regionalzeitung leider nicht zum Nachrichtenverhalten der jungen Menschen. „Wenn ich erfahren möchte, was in meiner Nachbarschaft geschieht, erfahre ich das kostenlos von meinen Eltern.“ (Hendrik, 22). Spannende regionale Nachrichten erreichen die junge Zielgruppe oft auch durch WhatsApp-Gruppen. Dort werden für die jeweilige Zielgruppe (Schüler, Gym-Kunde, Student, Gastro-Fan) lokale Nachrichten geteilt.

Eines verband aber alle Interviewten: Sie suchen via YouTube, Instagram oder Tiktok nach interessanten Inhalten. Die Hälfte der Befragten holt sich ein morgendliches, schnelles Update auch gerne bei der Morgentoilette. Das Handy an den Spiegel gelehnt, werden oft kurze Videos angeschaut, gerne von Influencern. Mit Blick auf die Nachrichten: Vor allem die „Tagesschau in 100 Sekunden“ wurde von 14 von 20 Befragten genannt, wenn sie gezielt gefragt wurden, wie und wo sie sich schnell und gut informiert fühlen. Warum ausgerechnet die Tagesschau? Weil es im Elternhaus vorgelebt wurde.

Ach ja: Geld bezahlen für Informationen wollte niemand, so exklusiv seien die Nachrichten nicht. Irgendjemand in der Nachbarschaft könne lokale Nachrichten schon liefern. Zur Not werde die WhatsApp-Community befragt.

Lokalnachrichten in 100 Sekunden

Sich schnell auf einen aktuellen Stand der Nachrichten bringen, das wollten und machen aber viele. Also haben wir in weiteren Interviews gefragt, ob sich die jungen Menschen auch für ein schnelles, lokales Update begeistern würden. Das stieß erst einmal auf positive Reaktionen. Wir haben dann einen Dummy produziert und nach der Tagesschau in 100 Sekunden noch einmal ein 100 sekündiges Videoformat mit lokalen Nachrichten angehängt. Diesen Dummy haben wir dann zehn Interviewten gezeigt.

Die Reaktion

Ausnahmslos alle emfanden das als positiv. Die Feedbacks und Verbesserungsvorschläge waren auch alle fast identisch:

  • Das Video dürfe nicht länger als vier Minuten sein (also Tagesschau und Lokalteil zusammen)
  • Vor dem Nachrichtenblock sollte es eine kurze Übersicht geben, welche Themen die „Sendung“ erhält. Ist nichts Spannendes dabei, könnten die vier Minuten anders genutzt werden.
  • Ein Anchorman, gerne ein Lokaler, sollte die Nachrichten locker vortragen und ihnen eine persönliche Note geben.

Ein jüngerer Anstrich

Wir drehten noch einmal unsere lokalen Nachrichten mit einem jungen Redakteur als Anchorman, mit einer etwas frecheren Sprache und wählten Themen aus, die eher junge Menschen interessieren: Lifestyle, Food, Kurioses, Wirtschaft. Gleichwohl ist der Aufwand für diese Art der Nachrichtenproduktion enorm. Texte umschreiben, Bilder auswählen, Themen finden.

Die nächsten Schritte

Wir testen jetzt, ob es nicht Sinn macht, sich auf einen reinen Audio-Nachrichtenüberblick zu konzentrieren. Da wir eine Beteiligung an einem lokalen Nachrichtensender haben, könnte die eine kostengünstige und ressourcensparende Alternative zum Bewegtbild sein. Podcasts wurden von unseren Interviewten jedoch nicht als Nachrichtenquelle genannt. Da war YouTube der unbestrittene Sieger. Als erstes Angebot werden wir aber wohl den Morgencheck per Audio versuchen.

Über die ZGO

Die Zeitungsgruppe Ostfriesland ist das größte Medienhaus in Ostfriesland mit vier Zeitungstiteln, Ostfriesen Zeitung, Ostfriesische Nachrichten, General Anzeiger und Borkumer Zeitung. Gemeinsam kommt die ZGO auf eine Auflage von mehr als 50.000 Exemplaren und fast 2 Millionen Visits.

Und jetzt du!

Du hast auch eine Idee für eine innovative Lösungen in der Medienbranche? Dann bewirb dich jetzt für das R&D Fellowship bei uns.


Lars Reckermann

Lars Reckermann ist seit Oktober 2020 Leiter der Abteilung „Forschung und Entwicklung“ bei der ZGO. Dort soll er mit seinem Team zukunftsweisende Medien-Formate entwickeln.


Jürgen Stricker

Jürgen Stricker ist seit Oktober 2020 stellvertretender Chefredakteur der Ostfriesen Zeitung. Zuvor war er in leitender Stelle bei der Braunschweiger Zeitung.

top