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20.07.2021

Diese Insights der Gaming-Industrie kannst du für dein Medienprodukt umsetzen

Mit knapp 33 Miliarden US Dollar weltweitem Umsatz im Jahr 2020 ist die Gaming-Industrie weiterhin Vorreiterin der Medienbranche. Da liegt es nahe, sich von Methoden und Best Practices inspirieren zu lassen. Wir sagen dir, wie du konkret von der Industrie lernst und dein Medienprodukt damit aufpeppst.

Text: Alexander Büsing
Foto: MLB

 

Insight Nr. 1: Make it Stick! Behavioural Design und Gamification für dein Business-Modell

Wenig überraschend leben Videospiele von Interaktion. Eines der Hauptziele von jedem Spiel ist es, Spieler möglichst intensiv und lange an das Spielerlebnis zu binden. Nur in dieser Interaktion lässt sich ein Flow erzeugen, der die gewünschten Emotionen und Reaktionen beim Spieler hervorruft: Ein Gefühl von Belohnung, Spaß und Erfolg. Wer diese Dinge mit seiner Spielerfahrung verbindet, bleibt länger am Ball und kehrt viel wahrscheinlicher zum Spiel zurück, um die Erfahrung zu wiederholen. Dieses Prinzip kannst du unmittelbar für dein Medienprodukt übernehmen. Indem du dafür sorgst, dass dein Produkt "sticky" wird, also länger an deinen Nutzer:innen haften bleibt.

Behavioural Design hat zum Hauptziel, diese Grundlagen der Analyse psychologischen Verhaltens für deine Business-Idee anwendbar zu machen. Dabei gibt es Überschneidungen zu Design Thinking, eine Methode die wir immer gerne empfehlen, um den Konzeptionsprozess deines Produkts zu entschlacken und zu vereinfachen. Bei beiden Ansätzen geht es darum, die Erfahrung und das Feedback deiner Nutzer:innen von Beginn an und unmittelbar in das Design deines Produkts einfließen zu lassen. Du entwickelst eine App, Website oder ein Tool, das ein spezifisches Bedürfnis deiner Zielgruppe bedienen soll? Dann versuche zuerst, dich in deine Zielgruppe hinein zu versetzen.

Behavioural Design

Jede Interaktion mit deinem Produkt setzt eine Entscheidung voraus, die deine Nutzer:innen treffen. Eine übliche, erste Entscheidung, ist die Auswahl zwischen einem kostenlosen Zugang zu deinem Produkt und einer bezahlten Vollversion. Sobald deine Nutzer:innen das Produkt verwenden, steuerst du ihre Nutzererfahrung über weitere Entscheidungen. Die persönliche Wahl des Interface-Designs kann dabei genauso wichtig für die Erfahrung sein, wie die Art und Weise, wie die Nutzer:innen die Inhalte deines Produkts konsumieren möchten. Über User Research und Analyse-Tools zur Nutzung deines Produkts findest du heraus, wie viel Zeit sie entscheiden mit welchem Inhalt verbringen. Oder welche Inhalte sie für sich als wichtig einstufen. Für Gamedesigner:innen ist immer Kernthema, den Prozess zur Entscheidungsfindung ihrer Nutzer:innen

  1. zu erahnen
  2. zu beeinflussen
  3. zu vereinfachen

Das kannst du für dein Produkt umsetzen! Stelle dir folgende Fragen: Bietest du klar erkennbare Optionen an? Kannst du abschätzen, welche dieser Optionen eher gewählt wird? Ist die Nutzung der Option einfach und leicht verständlich? Das kann bereits die Entscheidung sein, Inhalte per Text, Bild oder Video zu konsumieren. Oder die Plattformen, die du anbietest, um diese Inhalte zu sharen.

Gamification

Die spielerische Aufbereitung von Inhalten ist vielleicht auch dir nicht neu. Es geht darum, durch spaßige Interaktionen die Nutzererfahrung zu verbessern. Damit kommen wir hier wieder auf die Emotionen zurück, die Gamedesigner:innen bei ihren Spieler:innen erzeugen wollen. Spaß, Belohnung und Erfolgsempfinden. Auch du möchtest natürlich, dass deine Nutzer:innen dein Medienprodukt gerne verwenden. Und möglichst oft dazu zurückkehren.

Ziel ist es, einen positiven Loop zu erzeugen. Also einen Kreislauf, indem sich deine Nutzer:innen aufhalten, solange sie dein Produkt verwenden. Viele Apps, die eine Steigerung oder Verbesserung verfolgen - z. B. zum Thema Ernährung, Lernen oder To-Dos - belohnen ihre Nutzer:innen mit Zielen und Meilensteinen, die diesen Fortschritt sichtbar machen. Oft gibt es auch einen spielerischen Score, also eine Gesamtwertung. Der Inhalt allein macht aber nur die halbe Miete. Oft wird übersehen, dass Gamification von audiovisuellem Feedback lebt. Auch hier schließt sich der Kreis zu der Nutzererfahrung aus dem Behavioural Design.

Anwendungen für dein Produkt

Denke doch mal darüber nach, dein Produkt durch Feedbacks wie diese aufzuwerten:

  • Button-Feedback. Wenn deine Nutzer:innen ein bestimmtes Feature deines Produkts nutzen, sollten audiovisuelle Feedbacks (Animationen, Sounds) die Benutzung untermauern. Achte hierbei darauf, dass sie unterstützend wirken und keinesfalls ablenkend, indem sie zu laut sind oder zu lange andauern
  • Scores. Verwende animierte Zahlenwerte, die einen Fortschritt deiner Nutzer:innen visualisieren und festhalten. Das kann auch schon etwas Einfaches sein, wie ein Share-Tracker oder Punktwerte für die wiederholte Nutzung von Features

Insight Nr. 2: Unlockable Content. Mach es exklusiv. Mach neugierig

Der zweite Design-Ansatz aus dem Gaming-Bereich ist die gegliederte Staffelung von Zugang zu Inhalten. Unlockable Content versperrt Nutzer:innen bestimmte Inhalte, bis sie etwas ganz Bestimmtes gemacht haben. Oft sind damit Zusatzzahlungen verbunden, genauso oft aber auch Leistungen und Errungenschaften im Spiel. Auch andere Medien, zum Beispiel Crowdfunding wie Patreon, nutzen diese Methode bereits, um die Interaktion ihrer Nutzer:innen zu steigern und langfristig aufrecht zu erhalten. Der Zugang zu exklusiven Inhalten biete drei wichtige Vorteile:

Neugier

Wenn es etwas gibt, dass sich freischalten lässt, gibt das gleich klare Ziele vor. Nutzer:innen bleiben länger am Ball, um zu sehen, was sich hinter der virtuellen Schranke verbirgt.

Exklusivität und Profilierung

Zugang zu exklusiven Inhalten zu haben, erlaubt Nutzer:innen, ihre Selbstwahrnehmung anzupassen und ihr Profil im Zusammenhang mit dem Produkt zu verfeinern. Bereits ein kleiner Verweis auf eine "Pro-" oder "Plus"-Mitgliedschaft trägt zur längeren Bindung von Nutzer:innen bei. Dazu steigt die Bereitschaft, Inhalte zu teilen, wenn Nutzer:innen exklusiven Zugriff darauf genießen.

Zeitliche Privilegien

In der Games-Industrie gerade neu entdeckt: das zur Verfügungstellen von zeitlich begrenzten Inhalten erzeugt natürlich die klassische Fear to Miss Out. Wer den Zeitraum verpasst, hat vielleicht gar keinen oder erst sehr viel später Zugriff zu exklusiven Inhalten.

Laufende Exklusivität

Durch freischaltbare Inhalte kannst du dein Produkt laufend aktuell halten. Videospiele verwenden zum Beispiel Seasonal Content, um Spieler:innen auch über längere Zeiträume hinweg an das Produkt zu binden. Dabei werden neue Inhalte nach Release des Spiels in spezifischen Zeitabständen, also Seasons, veröffentlicht.

Auch dein Medienprodukt profitiert davon, wenn du einige der Inhalte in zeitlichen Abständen staffelst. Du kannst sie zum Beispiel hinter Achievements und Meilensteinen platzieren, die deine Nutzer:innen erreichen müssen. Vor allem, wenn du darauf baust, laufend neue Inhalte zur Verfügung zu stellen, legen wir dir nahe, eine Roadmap zu erstellen. Also einen visuellen Fahrplan, der detailliert und transparent aufschlüsselt, welche Inhalte deine Nutzer:innen erwarten können und was für die Zukunft geplant ist.

Unser R&D Fellowship für dein Medienprodukt

In unserem Forschungs- und Entwicklungsprogramm lernst du unter anderem User Research und Produktdesign direkt auf deine relevante Zielgruppe hin zu optimieren.

Insight Nr. 3: Non-Traditional Engagement. Löse dich von klassischen Abonnements

Klassische Abonnements stellen Interaktion als Zielwert hinten an. Für Magazine und Zeitschriften ist die Zahl der laufend zahlenden Kunden, also Abonnenten, wichtig. Weniger wichtig ist, ob das abonnierte Medium auch aktiv genutzt wird. In der Gaming-Industrie ist genau das Gegenteil der Fall. Nutzer:innen, die eine Subscription abschließen, das Medium aber nicht nutzen, springen viel schneller wieder ab. Die Interaktion ist, wie bereits weiter oben geschildert, Kernelement der Industrie.

Hersteller von Videospielen wollen, dass ihre Produkte möglichst intensiv, interaktiv und langfristig genutzt werden. Letztlich natürlich, um Umsatz und Profit zu steigern. Vor allem aber auch, um eine Verbindung zwischen ihrem Produkt und den Nutzer:innen aufzubauen, die langfristig einen enormen Mehrwert bietet. Eine solche Verbindung baut Vertrauen in das Produkt und in die Marke auf, sorgt für effektives und selbst laufendes Word-of-Mouth Marketing und bringt Nutzer:innen in der Zukunft viel eher dazu, zur Marke und zu neuen Produkten zurückzukehren. Das kannst du genauso für dein Produkt nutzen!

Mehr dazu: My Innovation Week

Diese Insights aus der vielleicht erfolgreichsten Medienindustrie geben dir gleich einen Vorsprung, wenn du an den Markt gehst. Das und vieles mehr bietet dir unser Angebot My Innovation Week. Im Business-Model Kurs liefern dir unsere Expert:innen alles, was du dafür brauchst. Und das Beste: die Kurse und Audio-Guides sind On-Demand und damit jederzeit für dich verfügbar. Es gibt also keine gute Ausrede, nicht sofort loszulegen und dein Produkt aufzupeppen!

 

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