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Media Lab Bayern Newsletter

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18. August 2020

User Generated Content – Die Zukunft der Reiseplanung?

Ein Gastbeitrag des Media Lab Fellowship Startups fible

Seit mehr als sechs Jahrzehnten folgen die meisten Kennzahlen der globalen Tourismusbranche nur einem Trend – steil nach oben. Die aktuelle Pandemie dämpft zwar die kurzfristigen Prognosen, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der Sektor langfristig erholen wird. Allein bis zum Jahr 2030 soll die Anzahl der Urlaubsreisen weltweit um mehr als 20 Prozent steigen, was nicht zuletzt auf die wachsende Weltbevölkerung zurückzuführen ist. Während eine florierende Tourismusbranche generell gut für die Wirtschaft, für interkulturellen Austausch und für das Umweltbewusstsein der Reisenden ist, wirft dieser Trend auch wichtige Fragen auf: Denn wie können Menschen, Regionen und Unternehmen von Urlauber*innen profitieren, während gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf die Umwelt minimiert werden?

Tourismusströme verteilen sich erfahrungsgemäß nicht gleichmäßig, was an manchen Orten zu sogenanntem „Overtourism“ führt davon ist die Rede, wenn zu viele Tourist*innen an einen Ort reisen und die Urlaubsdestinationen dem Tourismus in unterschiedlichen Dimensionen nicht gewachsen sind. Gerade aktuell berichten viele lokale und nationale Nachrichten von diesem Phänomen, das unter anderem in einigen Regionen Bayerns hautnah mitzuerleben ist. Denn auf kurz- und langfristige Sicht zieht Overtourism einen Rattenschwanz nach sich, der von vermüllter Natur über toxische Begegnungen zwischen Anwohner*innen und Reisenden bis hin zu einer überproportional schlechten Umweltbilanz reicht und zusätzlich auch das Fehlen des Tourismus in anderen, wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen – also den sogenannten „Undertourism“ bedingt.

Die digitale Revolution des Reisemarkts

Aktuell ist ein bedeutender Teil des Tourismuswachstums auf die Digitalisierung zurückzuführen, die den Sektor nach wie vor tiefgreifend prägt und die Art und Weise verändert, wie Menschen reisen. Einerseits planen zunehmend Menschen ihre Urlaubsreisen auf eigene Faust, auf der anderen Seite können Anwohner*innen und lokale Unternehmen immer besser an der Wertschöpfung partizipieren. Denn einst etablierte Tourismuskonzerne wie Thomas Cook werden durch Plattformen wie Booking, AirBnb und GetYourGuide abgelöst. Zudem wird zur Reiseplanung bereits für jede dritte Individualreise User Generated Content in Form von Reiseblogs und sozialen Medien herangezogen (mit stark steigender Tendenz) - wodurch die Rolle von klassischen Reiseführern auf den Prüfstand gestellt wird.

Reisen Planen – individuell aber komplex

2019 haben wir mit unserer ersten Firma, der Campervermietung CamperBoys, einen Standort am Münchner Flughafen eröffnet und in intensivem Austausch mit unseren Mieter*innen die Erfahrung gemacht, dass die selbstständige Planung von Individualreisen trotz oder gerade wegen der neuen digitalen Möglichkeiten komplexer denn je geworden ist. Reisende besuchen im Durchschnitt 28 Webseiten in 76 Sitzungen, um eine einzige Reise zu planen. Eine Individualreise soll vor allem einzigartig, authentisch und unverwechselbar sein - trotzdem landen viele der Abenteurer*innen wieder an denselben Orten (Stichwort: Overtourism). Aufgrund der aufwendigen und komplexen Organisation sind 67% der Reisenden von der Reiseplanung gestresst und 37% aller Reisen werden vorzeitig abgebrochen oder gar nicht erst angetreten.

Reiseblogs – ihre Schwachstellen und Herausforderungen

Der Herausforderung des individuellen Reisens sind wir auf den Grund gegangen und haben dabei vier Faktoren identifiziert, weshalb herkömmlicher User Generated Content zur Reiseplanung kaum geeignet ist:

  1. Reiseblogs sind unstrukturiert: Es gibt keine einheitliche Plattform, auf der Reiseblogs gehostet werden, weswegen detailliertes Filtern der Inhalte fast unmöglich ist.
  2. Kaum Funktionen: Die meisten Blogs bestehen aus einer simplen Aneinanderreihung von Texten, Bildern und Videos. Funktionen wie Navigation, Offline-Verfügbarkeit oder stets aktuelle Meta-Informationen sind nicht vorhanden. Zudem gibt es keine Möglichkeit in Erfahrung zu bringen, wie hoch das Besucher*innenaufkommen in bestimmten Regionen ist.
  3. Kein Bewertungssystem: Die meisten Inhalte auf Reiseblogs können nicht bewertet und somit hinsichtlich ihrer Qualität nicht mit anderen Inhalten verglichen werden.
  4. Falsche Anreize: Reiseblogs werden in der Regel so entworfen, dass sie für wenige Suchbegriffe in der Suchmaschine ein optimales Ranking liefern. Denn nur so kommt der Traffic, der letztlich den Blog finanziert. Die Anwendbarkeit der Inhalte zur Reiseplanung spielt dabei keine Rolle. Häufig werden Reiseberichte sogar über mehrere Unterseiten verteilt, um die Suchmaschinen-Performance zu verbessern.

Kurz zusammengefasst: Immer mehr Reisende planen zunehmend Reisen auf eigene Faust und nutzen dafür vermehrt User Generated Content, der sich aktuell jedoch nur selten zur Reiseplanung eignet.

fible, die neue Plattform für Reiseblogging

Mit der Vision, die Reiseplanung für Individualreisende zu vereinfachen und mit dem festen Glauben, dass Reisen mehr ist als das bloße Besuchen von Orten, haben wir fible gegründet.

fible bündelt User Generated Content von erfahrenen Reiseblogger*innen und erweitert diesen um Funktionalitäten wie Navigation, aktuelle Öffnungszeiten und Auslastungsdaten, offline Verfügbarkeit, detailliertes Filtern und in Zukunft auch ein Empfehlungssystem, welches auf Basis Deiner Präferenzen die Reiserouten vorschlägt, die genau zu Dir passen. Die Routen umfassen neben allgemeinen Reiseinformationen eine beliebige Anzahl an auserwählten Stopps entlang der Route. Damit erleichtert fible die Routenplanung und lässt mit einem Klick neue Orte, entlegene Gegenden und Routen in ganz Deutschland oder Europa entdecken. Zu jedem Stopp bietet fible eine Auswahl an Ausflugszielen, die von Altstadt-Touren, über Museen, Kultur- und Wandertipps bis hin zu Naturparks oder Weinproben reichen. Jeder Stopp enthält außerdem Cafés, Restaurants oder Gaststätten, um für jeden Anlass den richtigen kulinarischen Tipp zu liefern. Auch die empfohlenen Übernachtungsmöglichkeiten reichen von Campingplätzen bis zu Hotels, sodass für jedes Budget und jeden Wunsch das Richtige dabei ist.

Wir stehen mit allen Blogger*innen im persönlichen Austausch und sorgen so dafür, dass nur die besten Routen mit den schönsten Stopps in unserer App zu finden sind. Gemeinsam arbeiten wir aktuell an einer Monetarisierungsstrategie, damit Blogger*innen nicht nur ihre Reichweite und Bekanntheit steigern, sondern sich auch ein weiteres finanzielles Standbein aufbauen können.

Reisen, austauschen, erleben

User Generated Content ist die Zukunft der Reiseplanung – so viel ist sicher. Dieses Potential der Community muss genutzt werden. Mit fible wollen wir eine Plattform schaffen, von der sowohl Reisende als auch Creator*innen profitieren und die mit Transparenz dazu beiträgt, Besucher*innenströme besser zu verteilen. Damit können hochfrequentierte Regionen entlastet und wirtschaftlich schwache Regionen gestärkt werden. Denn das Reisen und unvergessliche Trips machen nicht die wenigen Schloss Neuschwansteins und Berliner Mauern aus, sondern Menschen, ihre Geschichten und unvergessliche Erlebnisse.

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