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Wie entwickelt man eine Medienplattform für Onlinezeitungen

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27. November 2019

Wie entwickelt man eine Medienplattform für Onlinezeitungen

Eine Alternative für die tägliche Flut an Informationen?

Seit Mitte des Jahres bietet wir Medien-Pionieren, Journalisten oder Entwicklern im Rahmen des Research and Development Fellowships die Möglichkeit, zwei Monate lang an einem Medien-Trend zu forschen und in Begleitung von 1 on 1 Coachings Lösungen zu entwickeln. Heute stellen wir euch Florian vor, Luft- & Raumfahrtingenieur mit Innovations­gedanken in der Medienbranche. In diesem Beitrag erzählt er welche Motivation und Erkenntnisse ihn in die Medienwelt katapultiert haben:

Als Ingenieur brauche ich Probleme. Probleme sind der Anfang von Kreativität. Eines dieser Probleme treffe ich täglich. Wie alle Nach­richten­interessierten erlebe ich jeden Tag eine Flut an Informationen aus den unter­schied­lichsten Quellen, die ungefiltert, ungeordnet und - bisher zumindest -unbezahlt bleiben. Kann man das nicht anders machen?

Technologischer Wandel unterliegt, wie auch die biologische Evolution, einer exponentiellen Entwicklung*. Man erinnere sich: Das erste iPhone wurde 2007 vorgestellt. 12 Jahre später möchte sich kaum noch jemand mit einer nicht-mobile-kompatiblen Webseite beschäftigen. In dieser kurzen Zeit haben einige große Akteure die Spielregeln auch in der Medienbranche radikal geändert.

Hintergrund

Nachrichten werden in unserem Land glücklicherweise von verschiedensten Quellen versendet. Traditionelle Häuser sehen sich heute mit neuen digitalen Herausforderungen konfrontiert. Dabei spielt die Marktmacht von Google, Facebook und Apple, aber auch ein sich schnell änderndes Nutzerverhalten eine große Rolle.
Verlage und Zeitungen benötigen in der digitalen Welt Daten und Traffic auf Ihren eigenen Seiten, um Digital Abos und attraktive Werbung verkaufen zu können.
Dem gegenüber stehen stetig steigende Anforderung an Komfort, Personalisierbarkeit, Nutzerfreundlichkeit, Design und Funktions­umfang des digitalen Angebots seitens der Nutzer.

Vor diesem Hintergrund stelle ich mir folgende Fragen:

  • Wie kann man Objektivität und Geschwindigkeit vereinbaren?
  • Wie kann ein Nachrichtenangebot geschaffen werden, das für Produzenten und Konsumenten funktioniert?
  • Wie funktioniert Quellen-Diversität mit bezahltem Content?
  • Wie sehen lern-, verständnis- und merk-freundliche User-Interfaces in Zukunft aus?
  • Wie können Nachrichten aggregiert werden, ohne dass dabei Verluste für die Publizisten entstehen?

 

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich zwei Monate lang als Research Fellow beim Media Lab Bayern. Dabei spreche ich mit Startups, Verlagen, Publizisten, führe Interviews auf der Straße und nehme an Innovationsworkshops teil.

Arbeitsweise

Ein wesentlicher Aspekt der Arbeitsweise an einer offenen Fragestellung wie der Meinen ist dabei Iteration. Ich orientiere mich an den Methoden des Design Thinkings. Als User-zentrierte Innovationsmethode muss ich also alle Ideen und Hypothesen, die ich aufstelle in irgendeiner Weise mit den zukünftigen Benutzern und Kunden validieren. Dabei führe ich derzeit Gespräche mit Pendlern und Menschen die unterwegs sind, um Ihre Art mit Nachrichten umzugehen, zu verstehen. Am Ende sollen dabei klare «Pain-points» erkannt werden, auf die eine zukünftige Lösung abzielen kann.
Parallel dazu ist es mir wichtig die Perspektive der Verleger und Zeitungen zu kennen, denn deren Interessen sind nicht immer deckungsgleich mit denen der Leser.
Um ein später funktionierendes Angebot zu erstellen, ist es also wichtig beide Seiten gut zu verstehen.

Erkenntnisse

Einige spannende Erkenntnisse lassen sich in den folgenden Stichpunkten zusammenfassen:

  • Generell sind viele Menschen bereit, für Nachrichten zu bezahlen. Allerdings ist das Bewusstsein für den Wert digitaler Angebote noch geringer als für Printmedien. Preisvorstellungen sind beeinflusst von Abo-Angeboten wie Spotify oder Netflix
  • Erschwert wird den Zeitungen Ihre Rolle durch die Vielzahl an frei zugänglichen Informationen im Internet. Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es viel Wettbewerb; ein Nachrichten-Abo muss Lesern also durch zusätzliche Angebote attraktiv gemacht werden. Lokale Zeitungen haben dagegen manchmal sogar Monopole, hier ist es leichter Online-content zu verkaufen
  • Nachrichten werden vermehrt auf dem Smartphone konsumiert, wobei sich ein Teil der Leute «passiv» informiert, d.h. Nachrichten nicht gezielt sucht, sondern bei der Verwendung von Google, Facebook, Instagram oder ähnlichen Angeboten auf Nachrichten stößt
  • Kunden erwarten ein hohes Maß an Personalisierung. Nicht-relevanter Inhalt wird schnell übersprungen und führt zu Ablehnung von Angeboten
  • Steigendes Datenschutzbewusstsein und die Entwicklung von Privatsphäre-schützender Tools erschwert zunehmend die Datenauswertung seitens der Zeitungen. Als Ausweg setzen mehr und mehr Zeitungen auf Login-basierte Angebote (Frei oder Bezahlt)

 

Weitere spannende Punkte werde ich in meinem nächsten Blogpost veröffentlichen. Bei Fragen und Anregungen erreicht ihr mich gerne hier.

* Ein Einstiegspunkt in diese spannende Thematik bietet Wikipedia: wikipedia.org » Technischer Fortschritt

Text: Florian Reißner