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Innovators Connect

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25. Juli 2019

Innovators Connect - Reinventing startup relations

So sehen erfolgreiche Innovationsstrategien für Medienhäuser aus.

Was sind die Voraussetzungen bei der Zusammenarbeit mit Startups?

Während die einen Geschäftsführer mehr in Innovation investieren möchten, sehen die anderen das Kerngeschäft gefährdet. Der Druck innovativ und diversifiziert aufgestellt sein zu müssen wird für Medienunternehmen immer größer. Doch wie gelingt es, trotz des Alltags Innovation nachhaltig voranzutreiben und umzusetzen? Viele Medienhäuser haben in der Vergangenheit bereits mit Innovationsprojekten experimentiert: von Intrapreneurship-Programmen bis hin zu Startup-Kooperation. Doch was davon hat langfristig funktioniert? Was sind die Voraussetzungen bei der Zusammenarbeit mit Startups auf beiden Seiten und wie schaffen wir es auch in der Zukunft innovative Projekte auf- und umzusetzen?

All diese Fragen haben wir bei uns im Media Lab am 10. Juli 2019 zusammen mit 50 Medien-Innovatoren und Startups diskutiert und in hands-on Workshops experimentiert, wie man Innovationsprojekte in Medienhäusern neu aufsetzen und die Kooperation mit Startups nachhaltig fördern kann. Neben den Learnings und Lösungsideen, die unsere Teilnehmer erarbeitet haben, gab es am Schluss noch vom Quartz Bot Studio aus New York Beispiele aus erster Hand, wie man Innovationsprozesse erfolgreich umsetzt und Inhalte innovativ kommuniziert.

Unsere Medienexperten haben erstmal diskutiert, was die Probleme und Learnings beim Aufsetzen von Innovationsprojekten sind: Falk Zimmermann, der bei die neue Welle Innovation im Digitalbereich vorantreibt, kennt beide Welten — Startup und Verlag — sehr gut. Mit seiner Erfahrung als Gründer von Messenger People (ehemals:WhatsBroadcast) und als ehemaliger Chefredakteur von InFranken Digitale Medien hat er schon viele Innovationsprojekte aufgesetzt. Sein Mantra dabei:

»Erstmal Ausprobieren und sich dann entschuldigen.«

So entwickelte er bei InFranken zahlreiche innovative Plattformen und Dienste, die durch Social Media Anbindung den Leser personalisierter und interaktiver adressieren. Viele der neuen Dienste und Portale wurden intern aufgesetzt, aber bei einigen Projekten kooperierten er auch mit externen Dienstleistern und Startups. Falks größtes Learnings bei der Kooperation mit Startups sind:

  • Innovationsprojekte sollten nicht gleich in der großen Runde gestartet werden, erstmal aus dem Unternehmen ausgelagert werden
  • Vorständen fehlt es oft an Verständnis, was zu falschen Erwartungen führt.
  • Trotzdem sollte es KPIs geben, mit denen man Ergebnisse des Projekts messen kann.

Auch Daniel Kempf, der von Seiten der Mediengruppe Pressedruck viel über Innovationsprojekte berichten konnte, plädiert für eine Auslagerung von neuen Projekten:

 

»Wenn du einen riesigen Tanker bewegen willst, brauchst du Beibote.«

 

Mit ihrem Venture-Arm PD Ventures investiert die Verlagsgruppe aus Augsburg seit Jahren in Startups. Eine zweite Säule bilden hierbei die Acceleratorenprogramme und Eigenprodukte, sowie Veranstaltungsformate, die sich mit Trends der Branche auseinandersetzen. Daniels wichtigstes Learning:

 

»Wir stellen für neue Projekte erstmal ein Budget von 50.000 Euro frei um auszuprobieren zu können, ob Ideen wirklich langfristig umsetzbar sind.«

 

Matthias Montag vom MDR sieht vor allem Übersetzungsprobleme als größtes Hindernis für Kooperationen mit Startups: »Den Startups ist oft nicht klar, wo das Medienhaus hin will und wie die internen Prozesse funktionieren.

  • Lange Entscheidungswege,
  • Ressourcenmangel,
  • falsche Erwartungen und
  • fehlende Fantasie, der auf Inhalt-fokussierten Redakteure, die mit so manch technischen Lösungen gar nichts anfangen können,

lassen eine erfolgreiche Kollaboration mit Startups schnell an ihre Grenzen stoßen.«

Aus Startup-Sicht sind es Closed Wallet Kooperationen, d.h. Projekte mit geringem oder keinem Budget, die eine Zusammenarbeit oft wenig attraktiv machen. Julia Köberlein zum Beispiel hat mit ihrem Startup Der Kontext mehrere Male versucht, Kooperationen mit Medienunternehmen anzutreiben. Diese scheiterten meistens, weil:

  • die Budgets limitiert waren
  • und es zu lange Entscheidungsschleifen gab
  • wodurch die Verhandlungen versandet sind.

Viele »Pains« und noch keine richtigen Lösungen. Aber wie könnten Lösungen aussehen? Das haben unsere Teilnehmer in Workshops herausgearbeitet:

1. Übersetzungsprobleme bewältigen

Wie generiert man beidseitiges Verständnis für Probleme und Ziele und wie findet man auf beiden Seiten einen geeigneten Zeitpunkt für Kooperationen (Produktreife Startup vs. Zeitpunkt im Unternehmen)?

Lösungsideen:

  • Klare Definition von gesamtunternehmerischen Perspektiven und Zielen
  • transparente Kommunikation (innerhalb des Unternehmens und auch nach Außen)
  • Mehr Raum für Risikobudgets schaffen
  • Timing von Kooperationen breit halten
  • Kurzfristige Lösung: Teilnahme der Geschäftsführung an einem Zielfindungsworkshop

2. Unternehmensprozesse und Entscheidungszyklen optimieren

Oft kommen Kooperationen nicht zu Stande, weil zu viele Abteilungen bei Entscheidungen mitreden wollen und die Prozesse wer, wie Entscheidungen trifft von Außen nicht klar sind.

Lösungsideen:

  • Plattformen schaffen, bei denen Voraussetzungen für externe Kooperationspartner klar abgesteckt werden
  • Prinzipien der Zusammenarbeit klar abstecken
  • Eine separate Startup-Relations Abteilung, die Entscheidungszyklen und Prozesse des Konzerns verschnellern.

3. Das Versanden von Kooperationen verhindern

(indem man schneller den richtigen Ansprechpartner findet und Use-Cases schafft)

Lösungsideen:

  • Einführung einer Anlaufstelle pro Unternehmen, die sich dezidiert mit Kooperationen auseinandersetzt.
  • Kommunikation der Ansprechpartner in dieser Abteilung nach Außen

4. Innovationsbereitschaft fördern

Von Closed Wallet zu Open Wallet — Budgets für Projekte aufsetzen, sodass in die Lösungen der Startups richtig investiert werden kann und von Leuchtturmprojekten zu nachhaltiger Innovation)

Lösungsideen:

  • durch KPI und ROI Messungen zeigen, dass sich Investitionen lohnen.
  • Events und Konferenzen bei denen Industrietrends, Marktentwicklungen und Best Practices vorgestellt werden
  • diese schaffen Betroffenheit bei Geschäftsführung und Mitarbeitern und fördern die Innovationsbereitschaft.

Keynote von Emily Withrow

Das Highlight des Tages waren definitiv die anschaulichen Best Practices von Emily Withrow, Director des Quartz Bot Studio, wie man einen Nährboden für Innovationskultur schafft und innovative Projekte durch ständiges Experimentieren erfolgreich aufsetzt. Als erstes muss man dafür Umdenken schaffen: Die meisten Redaktionen verfassen Inhalte, ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie Kommunikation zwischen Menschen normalerweise funktioniert: nämlich nicht einseitig, sondern in Interaktion.

Durch Fragen und Antworten schätzen wir unser Gegenüber ein und bestimmen dadurch, was wir wie kommunizieren. Das Gespräch entwickelt sich organisch. Medienhäuser wählen und kommunizieren Inhalte oft auf Basis dessen, was sie denken, dass Nutzer interessieren könnte, anstatt die Nutzer zu fragen, wie sie die Medien und Inhalte nutzen. “We are moving beyond user interests.”

Die Experimente von Quartz Bot Studio versuchen daher herauszufinden, wer ihre Nutzer sind, welches Level an Expertise und Leidenschaft sie für welches Thema haben und wie man sie dazu bringt zu interagieren. “Personalization Engines”, wie Chatbots, Videokommentare und Games, die in Plattformen eingebunden werden — so erreicht man User Engagement. Diese Experimente funktionieren nur deshalb, weil das Studio, das sich selbst als Startup im Startup bezeichnet, auch bei den Mitarbeitern eine Innovationskultur geschaffen hat, die Experimentieren und Scheitern als Erfolg ansehen und bezweckt, dass Mitarbeiter Leidenschaft für das, was sie tun, an den Tag legen.

Die Strategie von Quartz

  • Keep it tiny! Versucht am Anfang die kleinste Version eurer großen Idee zu finden und erstmal diese zu testen.
  • Validiert eure Hypothesen! So könnt ihr euren Pitch vor Vorständen oder Vorgesetzten besser vorbereiten.
  • Jede Meinung zählt! Findet die Bedürfnisse jedes einzelnen Stakeholders heraus und versucht Lösungen dafür anzubieten.
  • Gebt Mitarbeitern Raum sich zu äußern! Schafft ein Forum, über das Mitarbeiter Vorträge und Präsentationen zu allen Themen halten können, für die sie sich interessieren.
  • Bewertet Fehler als Erfolg!
  • Kill your darlings! Jedes Projekt geht irgendwann zu Ende und es ist OK! Lasst sie sterben, wenn sie mittelfristig nicht mehr wachsen und behaltet sie in guter Erinnerung

 

Auch wir haben beim Innovators Connect viel gelernt und ein bisschen besser verstanden, wo die Probleme aber auch die Chancen bei der Kooperation zwischen Unternehmen und Startups liegen. Wir möchten so gut es geht unterstützen, dass Medienhäuser und Startups besser kooperieren können, dafür haben wir uns überlegt, eine interne Datenbank aufzubauen mit Themen, die Medienhäuser gerade bewegen. Es wäre fantastisch, wenn ihr mit dabei seid! Deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn ihr dieses kurze Formular ausfüllen könntet. 💪🚀

Und wenn ihr auch sonst noch Anmerkungen, Herausforderungen oder Lösungsvorschläge habt, sagt hi@media-lab.de.

Text: Simone Friese
Fotos: ©️ 2019 Thomas Kiewning