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Media Lab Bayern Newsletter

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25.02.2021

Warum jedes Unternehmen in Innovationskultur investieren sollte – und wir dafür ein Programm aufgesetzt haben

Zu nachhaltiger Innovation gehören drei Dinge: Produkt, Strategie und Kultur. Wir wollen bayerischen Lokalmedien helfen, diese Punkte umzusetzen und haben dafür das Media Company Fellowship ins Leben gerufen.

Immer noch denken viele, Innovation würde mit einer guten Idee starten. Leider (meistens) zu Unrecht. Nachhaltige Innovation startet mit einer Umgebung, die Innovation überhaupt erst zulassen kann. In den vergangenen sechs Jahren haben wir im Media Lab Bayern eine lange Liste von Gründen gesammelt, warum Innovation in etablierten Unternehmen nicht richtig vorankommt. Und jetzt haben wir all diese Erfahrungen in ein neues Programm gegossen, das diese Gründe entkräften soll. Das Media Company Fellowship ist ein Pilotprojekt für lokale und regionale Medienhäuser, die keine einmaligen Innovations-Leuchttürme anstreben, sondern Innovation zum Teil ihrer DNA machen und nachhaltige Veränderungen anstoßen wollen.

Die Liste der Innovationshindernisse ist lang. Besonders diese fünf tauchen aber in unseren Gesprächen und Researches immer wieder auf:

    1. Die Geschäftsführung vermittelt kontroverse Prioritäten.
      Sie sagt, sie möchte digitale Innovation, drängt aber auf analoge Zielvorgaben.

    2. Unternehmen denken, Mitarbeiter:innen müssten von allein innovativ werden.
      Dass ihnen nötiges Fachwissen im Innovationsbereich fehlt, wird übersehen.

    3. Die Entscheidungsstruktur in Unternehmen ist ungeeignet für interdisziplinäre Teams.
      Bei fünf Mitarbeiter:innen aus fünf Teams gibt es oft fünf Abteilungsleiter:innen, die erst einmal Verantwortlichkeiten klären müssen.

    4. Es gibt keine Prozesse, die Innovationskraft und Experimente fördern.
      Etablierte Unternehmen sind darauf ausgerichtet, ihr Kernprodukt möglichst effizient mit möglichst hoher Qualität zu produzieren. Gleichzeitig brauchen neue Produkte ein Ausprobier-Umfeld, in dem sie unperfekt launchen und sich iterativ verbessern können.

    5. Innovationskultur ist „nice-to-have“ statt Unternehmensfokus.
      Projekte sind produktbasiert, Maßnahmen zur Innovationskultur werden in die Kategorien „Soft Skills“ oder „nicht business-relevant“ einsortiert und belächelt.

Auch bei uns im Media Lab Bayern hat sich Innovation in den vergangenen Jahren viel um neue Produkte gedreht. Bis wir festgestellt haben: Das ist gar nicht das eigentliche Problem. Das Methodenwissen zur erfolgreichen Produktentwicklung, das wir im Lab vermitteln, ist nur ein Teil der Innovation. Wir glauben: Es gibt noch zwei andere, Innovationsstrategie und Innovationskultur.

Ohne Strategie keine Innovation

„Strategie“ ist mindestens so ein schwammiges Wort wie „Innovation“. Was ist schon strategisch? In jedem Fall ist es: Wissen, wo man hinlaufen möchte. Zumindest so lange, bis man festgestellt hat, dass dieser Weg in eine Sackgasse führt und man doch einen anderen wählen sollte. (Ja, Strategien dürfen sich auch ändern.) Wir stellen allerdings regelmäßig fest: Viele Unternehmen haben gar kein Ziel im Blick. Oder zumindest keines, das so klar kommuniziert ist, dass es jeder Mitarbeitende wiedergeben könnte.

Ohne Kultur leider auch keine Innovation

Die Innovationskultur besteht gar nicht mal nur aus den „Soft Skills“, also dem „schwammigen“ Kultur-Teil, sondern auch aus den Unternehmensprozessen, oft die härtesten Leitplanken für Veränderung. Der Weg von der Idee bis zum Produkt ist in vielen Unternehmen aktuell oft gar nicht definiert, oder wenigstens zu sehr auf bestehende Produkte ausgerichtet.

Innovation, aber bitte umfassend

Wer als Unternehmen innovativ werden möchte, muss den Sweet Spot der drei Kategorien Produkt, Strategie und Kultur finden. Muss verändern, wie Ziele definiert und kommuniziert werden. Wie Mitarbeiter:innen weitergebildet werden. Wie Prozesse aussehen, wie Experimente umgesetzt, wie Produkte gelauncht werden.

Das Media Company Fellowship ist nun unser erster ganzheitlicher Versuch, all das in ein Programm zu packen – beziehungsweise eigentlich in zwei. Denn wir haben uns mit der Craig Newmark Graduate School of Journalism der City University of New York (CUNY) einen weltbekannten und renommierten Partner im Bereich Innovations- und Leadershipausbildung im Journalismus an die Seite geholt.

Ab sofort starten wir die Bewerbung für das Pilotprojekt: Wir suchen zwei lokale oder regionale Medienhäuser, die Lust haben, sich neu aufzustellen und langfristig innovativ zu werden. Und so wollen wir all diese Innovationshindernisse anpacken:

  • Es bewirbt sich nicht nur ein:e einzelne:r Mitarbeiter:in oder ein rein operatives Team, sondern Führungskraft UND Teammitglieder zusammen. So ziehen von Anfang an alle an einem Strang: Die Entscheidungs-Ebene und die Mitarbeiter:innen. Die Führungskraft absolviert dabei das Executive Program for News Innovation and Leadership an der CUNY, die Mitarbeiter das Innovation Culture Program im Media Lab Bayern.

  • Wir starten damit, die Innovationshindernisse im Unternehmen aufzulisten – und dafür Lösungen zu finden. Die Mitarbeiter:innen im Programm werden damit zu Innovation Agents, ihre Nutzer:innen sind ihre eigenen die Kolleg:innen. Ziel ist es explizit, Abläufe zu ändern, Freiräume zu schaffen – oder einen Topf aus Gummi daneben zu stellen, in dem Experimente explodieren können, ohne etwas anderem zu schaden. Was immer für das Unternehmen am besten passt.

  • Wir starten nicht (mehr) mit dem Produkt, sondern mit der Kultur: Erst entwickeln wir mit Führungskraft und Mitarbeitenden Formate, die ein innovatives Setting, Kreativität und Experimente fördern. Ein Lunch and Learn? Eine Innovationsbox? Ein Experimentetag? Was immer hilft, die besten Ideen zu finden und sie schnell ausprobieren zu können.

  • Erst dann kommt die neue Produktidee, die dann eigentlich auch nur ein Experiment ist. Funktionieren die Prozesse so, wie es gedacht war? Ermöglichen sie tatsächlich Innovation? Oder sind noch Blocker im Weg?

 

Das Ziel ist nicht, die eine, definitive Million-Euro-Idee zu finden – sondern ein Unternehmen so aufzustellen, dass es in Zukunft idealerweise eine beliebige Anzahl von Million-Dollar-Projects entwickeln kann.

Innovation fürs Regionale

Warum wir das Media Company Fellowship mit lokalen und regionalen Unternehmen in Bayern starten? Weil es oft die kleineren Häuser sind, die am wenigsten in Innovation investieren können. Weil sie genug damit zu tun haben, unter schwierigen finanziellen Bedingungen die bisherigen Kanäle zu bespielen und dort ein gutes Programm zu machen. Und weil eine starke Demokratie eine innovative, vielfältige Landschaft gerade an regionalen Medien braucht.

Deshalb ist auch die Bayerische Staatskanzlei visionär unterwegs und fördert dieses Pilotprojekt, damit wir zumindest ein wenig der Arbeitszeit, die unweigerlich in dieses Projekt fließen muss, ausgleichen können. Dank der Förderung können wir für die Gebühren des New Yorker Executive Programs ein Stipendium zahlen und die Zeit, die die Mitarbeiter aufbringen, mit 35.000 Euro für das Unternehmen kompensieren. Dazu gibt’s 5.000 Euro Innovationsbudget und alle Methodencoachings, die es für die Ausbildung von Innovator:innen braucht. Und weil wir die Erfahrungen der teilnehmenden Unternehmen publizieren, kann die gesamte Branche davon lernen.

Wir sind wahnsinnig gespannt, welche Medienhäuser mit unserer Unterstützung die Zukunft der Medien entwickeln wollen und freuen uns schon jetzt auf all euer Feedback, eure Fragen – und eure Bewerbungen!


Lina Timm

Lina ist Geschäftsführerin der Medien.Bayern GmbH und Gründerin des Media Lab Bayern. In dieser Rolle unterstützt sie seit 2015 Startups, Projekte und Talente im Bereich digitaler Medien.

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